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Versicherer Münchener Rück erhöht Kapital

17.10.2003 ·  Die Münchener Rückversicherung will sich durch Ausgabe neuer Aktien 3,8 Milliarden Euro frisches Kapital beschaffen - Reaktion auf die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch Standard & Poor's.

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Der nach wie vor defizitäre Rückversicherer Münchener Rück will zur Stärkung seiner angegriffenen Kapitalbasis das Kapital erhöhen und hofft dabei auf Erlöse von mindestens 3,8 Milliarden Euro. Damit dürfte der Druck der Rating-Agenturen, die den weltgrößten Rückversicher zuletzt mehrfach zurückgestuft hatten, abnehmen.

„Eine verbreiterte Kapitalbasis ermöglicht es uns, zusätzliche Ertragsschanchen wahrzunehmen und selektives Wachstum auf Erfolg versprechenden Märkten zu finanzieren", erklärte Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler am Freitag in München. Insgesamt sollen den Angaben zufolge 50,9 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von mindestens 75 Euro je Stück ausgegeben werden. Die Münchener-Rück-Aktionäre könnten für je sieben alte Aktien zwei neue Papiere beziehen. Die Bezugsfrist für die neuen Anteilsscheine beginnt am 28. Oktober und endet voraussichtlich am 10. November.

Da seit Wochen Spekulationen über einen entsprechenden Schritt der Münchener zirkulierten, zeigten sich Analysten kaum überrascht. Die Kapitalerhöhung wurde tendenziell begrüßt. Die Münchener Rück-Aktie verlor zwar zunächst kräftig um bis zu 3,7 Prozent, erholte sich dann aber deutlich und notierte gegen Mittag mit 97,86 Euro nur noch um 0,15 Prozent im Minus. Der Deutsche Aktienindex tendierte 0,5 Prozent schwächer.

HVB zeichnet volll mit

Die HVB, die selbst gut 13 Prozent an dem Rückversicherer hält, begrüßte die Kapitalerhöhung und kündigte an, ihre Bezugsrechte komplett auszuüben. In Unternehmenskreisen hieß es, dies werde die Bank rund 500 Millionen Euro kosten. Am Ziel einer langfristigen Entflechtung halte die HVB dennoch fest. In einer Mitteilung der Münchener Rück hieß es zudem, der Anteilseigner Allianz werde mindestens die Hälfte der auf ihn entfallenden Anteilsscheine übernehmen.

Der Einbruch der Aktienmärkte in den vergangenen zwei Jahren hatte bei der Münchener Rück zu massiven Abschreibungen auf Wertpapierbestände geführt und die Kapitalbasis des Rückversicherers massiv abschmelzen lassen. Die Münchener Rück war in den letzten Monaten mehrfach von Rating-Agenturen herabgestuft worden, hatte aber stets erklärt, sich hierdurch in Bezug auf Kapitalmaßnahmen nicht unter Druck setzen zu lassen. Im Frühjahr hatte sich der Rückversicherer bereits über zwei nachrangige Anleihen mehr als 3,4 Milliarden Euro verschafft.

Prorität fürs Rating

„Wir hatten mit einer geringeren Kapitalerhöhung zwischen zwei und drei Milliarden gerechnet und mehr Beteiligungsverkäufe zur Stärkung der Kapitalbasis erwartet. Dazu wird aber nichts gesagt", kommentierte Frank Stoffel, Analyst bei der WestLB. „Mit diesem Kapitalschritt gehe ich davon aus, daß das Rating bei S&P mittelfristig wieder in den „AA"-Bereich kommt, kurzfristig wird die Agentur aber noch nichts machen.“

Ähnlich äußerte sich auch Schinzler: Auch wenn der Konzern schnell wieder in die „AA"-Region aufsteigen wolle, erwarte er zunächst keine Auswirkungen der Kapitalerhöhung. Erst müsse die Münchener Rück nachhaltig ihre Profitabilität unter Beweis stellen. Die Emission weiterer Anleihen schloß der scheidende Vorstandschef aus. Zukäufe im Ausland - auch für den defizitären Erstversicherer Ergo, an dem Schinzler festhalten will - bezeichnete der Vorstandschef als unwahrscheinlich.

Unsicherheiten im Markt vermeiden

Durch die gestärkte Eigenkapitalbasis erhöhen sich für die Münchener Rück die Möglichkeiten, Neugeschäft zu zeichnen. Ein besseres Rating ist zudem bei manchen Geschäften in der Branche Voraussetzung für den Abschluß. Schinzler sagte, man habe angesichts der derzeit laufenden Vertragsverhandlungen mit Kunden mögliche Unsicherheiten im Markt vermeiden wollen.

Nach Angaben der Münchener Rück sind die neuen Aktien noch für das laufenden Jahr dividendenberechtigt. Die Kapitalerhöhung erfolgt unter der Führung der Deutschen Bank. Mit im Konsortium seien zudem HVB, Citigroup Global Markets, Dresdner Bank sowie UBS, hieß es. Die auszugebenden Bezugsrechte könnten im Zeitraum 28. Oktober bis 6. November über die Börse gehandelt werden. Am 27. Oktober will die Münchener Rück nach eigenen Angaben einen Verkaufsprospekt für die jungen Aktien veröffentlichen.

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