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Deutschland im Jahr 2030 : Eine Stadt ohne Stau – kann es das geben?

Stau wohin man blickt: Die Blechlawine rollt durch Düsseldorf. Bild: dpa

In deutschen Großstädten kommt zur Rush Hour der Verkehr schon jetzt fast zum Erliegen. Laut einer Studie könnte der öffentliche Nahverkehr dieses Problem lösen. Doch es droht eine große Gefahr.

          Umkehr ist für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kein verlockender Gedanke. Aus seiner Abneigung gegen das Wort „Verkehrswende“ macht der CSU-Politiker keinen Hehl. Wenden müsse nur jemand, der vorher falsch gefahren sei, sagt er. Die Politik wolle nach vorn, wolle Mobilität weiterentwickeln. „Wir wollen eine moderne Mobilität, die die Bedürfnisse der Menschen kennt und die verschiedenen Verkehrsträger vernetzt.“ Dabei setzt die Politik in Zeiten, in denen die Luftreinhaltung in den Städten auf Druck der Gerichte und der EU-Kommission großgeschrieben wird, mehr denn je auf den Ausbau von Bussen und Bahnen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) haben dagegen kein Problem mit dem Begriff „Verkehrswende“ – und sie halten ihre Chancen, als Gewinner daraus hervorzugehen, für groß. Bestätigung liefert ihnen die Studie „Deutschland mobil 2030“ der Beratungsunternehmen PWC und Intraplan im Auftrag des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

          Danach könnte der Marktanteil der Busse und Bahnen am gesamten Personenverkehr, der momentan 13,3 Prozent beträgt, bis zum Jahr 2030 um fast ein Drittel wachsen. Für dieses „Szenario Verkehrswende“ sehen die Gutachter zwei Voraussetzungen: mehr unternehmerisches Engagement und passende politische Rahmenbedingungen. Ähnlich positiv ist die Erwartung für den Schienengüterverkehr: Nach dem Szenario „Konsequent Schiene“ könnte sein Marktanteil bis 2030 um fast ein Viertel steigen.

          Weniger Emissionen im Verkehr gefordert

          Zu den Kosten ihres „Szenarios Verkehrswende“ halten sich die Gutachter bedeckt. Der VDV meint, die Mischung aus unternehmerischen und politischen Aspekten sei zu komplex, um seriöse Schätzungen vorzunehmen. Man sehe aber die politische Bereitschaft für solche Investitionen, wie die Initiative „kostenloser ÖPNV“ gezeigt habe. Diese Idee würde die Steuerzahler mindestens zusätzlich zwölf Milliarden Euro im Jahr kosten. Mit diesem Betrag käme die Branche auch mit der Verkehrswende voran. Nach dem Koalitionsvertrag sollen zunächst die Bundesmittel für die kommunale Verkehrsinfrastruktur bis 2021 auf eine Milliarde Euro jährlich steigen. Doch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat bis 2020 bisher nur 333 Millionen Euro vorgesehen, für 2021 und 2022 dann 670 Millionen Euro. Von einer Milliarde keine Spur.

          Ausgangspunkt der neuen Studie ist der Befund, dass der Verkehr weiter zunimmt, immer mehr Personen und Güter transportiert werden müssen. Die Digitalisierung und technologische Entwicklungen wie das automatisierte und autonome Fahren ermöglichen neue Geschäftsmodelle sowie den Aufbau von Mobilitätsplattformen. Branchenfremde Akteure aus der Digitalwirtschaft drängen auf den Markt, auch Autohersteller versuchen sich außerhalb ihrer angestammten Geschäftsfelder. Im Zuge dieser Entwicklung ändern Kunden ihre Erwartungen. So steigt der Wettbewerbsdruck auf ÖPNV-Unternehmen mit oft kommunalen Eignern, in denen der politische Einfluss traditionell hoch ist. Darüber hinaus verschärft die Politik ihre Anforderungen an die Branche, weil sie die Klimaschutzziele 2030 erreichen will. Dazu sind deutliche Emissionsminderungen im Verkehr nötig. Bislang liegen die Einsparziele in weiter Ferne.

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