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Vergütung Starbanken locken mit 4000 Euro fürs Praktikum

 ·  Der Ruf der Investmentbanker ist ruiniert. Trotzdem stehen die tüchtigsten Hochschulabsolventen für diese Jobs Schlange. Geht es ihnen nur ums Geld?

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Nichts zeigt das Verhältnis unserer Gesellschaft zu den Investmentbankern besser als eine kleine Begebenheit aus Köln. Volker Anhäuser erzählt sie, ein Investmentbanker aus London, 35 Jahre alt, in Deutschland studiert, gerade ist sein erstes Baby unterwegs. Anhäuser stöhnt darüber, dass er so oft unterwegs ist. Trotzdem macht ihm sein Beruf Spaß. Er traf sich in Köln mit den Studenten, die heute in seinem alten Wohnheim leben, und diskutierte mit ihnen über Investmentbanking. „Es war eine sehr kritische Diskussion“, erinnert sich Anhäuser. All die Verfehlungen seiner Branche in der Finanzkrise schlugen die versammelten Studenten ihm um die Ohren.

Aber so sehr sie auch auf die moralische Fragwürdigkeit der Branche eindroschen: Später, als der Investmentbanker längst wieder in London war, meldeten sich immerhin vier der 24 kritischen Zuhörer wieder. Ob sie nicht ein Praktikum bei ihm machen könnten? „Ich war erstaunt“, sagt der Banker.

Trainee-Stellen „hoffnungslos überbucht“

Seine Beobachtung passt zu den Meldungen der Banken. Ob es Goldman Sachs ist, in der Finanzkrise die meistgehasste Investmentbank der Welt, oder die Deutsche Bank, der wohl wichtigste Arbeitgeber für Investmentbanker in Deutschland: Alle berichten, ihre Trainee-Stellen fürs Investmentbanking seien „hoffnungslos überbucht“. Bei Goldman heißt es sogar, das Interesse der Studenten am Investmentbanking sei „größer als jemals zuvor“.

Die Horrorgeschichten von Goldman & Co. scheinen auf den Nachwuchs wie Werbung zu wirken. Nur für welchen Nachwuchs? Was motiviert junge Leute heutzutage, den Beruf des Investmentbankers zu ergreifen? Denn das Ansehen hat schwer gelitten.

Der Teamleiter einer Großbank, der häufig junge Investmentbanker einstellt, sagt: „Ich habe immerhin noch keinen im Vorstellungsgespräch erlebt, der sagt, er möchte waghalsige Finanzprodukte erfinden.“ Im Hinterkopf aber haben die angehenden Investmentbanker natürlich, dass in der Branche zum Teil Millionengehälter verdient werden. Zwar weiß niemand von den Anfängern genau, ob sie jemals zu den hochbezahlten Stars der Branche gehören werden. Zu Leuten wie Anshu Jain, der indischstämmige Leiter der Investmentbanksparte der Deutschen Bank, der im vorigen Jahr laut Geschäftsbericht 7,79 Millionen Euro verdiente. Aber auch die Einstiegsgehälter in London sind mit mehr als 50.000 Euro im Jahr - plus Bonus - ordentlich. Sogar an Praktikanten von der Universität zahlen einige Investmentbanken rund 4000 Euro im Monat.

Viel Geld - wenig Ehre

„Natürlich spielen die guten Verdienstmöglichkeiten bei der Berufswahl eine Rolle“, sagt Daniel Günther, 25. Der Student der „Frankfurt School of Finance & Management“ im 6. Semester hat sich entschieden, Investmentbanker zu werden und arbeitet schon als Teilzeitkraft in diesem Geschäft. „Die Studenten investieren viel in ihre Ausbildung und müssen daher an anderer Stelle Abstriche machen - natürlich will man am Ende einen guten Job haben, der diese Opfer rechtfertigt.“

In der Schule hatte Günther als Leistungskurse Mathematik und Physik belegt. Damit hätte er auch Physiker oder Mathelehrer werden können. Er entschied sich aber dafür, eine Banklehre zu machen und BWL zu studieren - mit dem Ziel, Investmentbanker zu werden. „Ich wollte nicht so etwas Theoretisches machen“, sagt er. „Außerdem hat mir die Dynamik gefallen, mit der in Investmentbanken gearbeitet wird, und das internationale Flair.“

In einer Behörde wäre er nicht glücklich geworden, meint Günther. Auch die Arbeit in einer Bankfiliale wäre ihm auf Dauer zu langweilig gewesen. Routinearbeit mag er nicht: „Ich will neue, kreative Lösungen finden - das geht im Investmentbanking am besten.“

Mit der Ehre ist es im Investmentbanking dagegen derzeit so eine Sache. „Früher hieß es innerhalb der Bank immer, das Investmentbanking ist die Königsdisziplin“, sagt Günther. Da galt man viel unter den Kollegen. Etwas neidisch waren die anderen schon immer. Inzwischen aber müssen sich die jungen Investmentbanker häufiger Sticheleien anhören. Sogar im Freundeskreis gibt es Frotzeleien: Wenn in einer Kneipe die Cocktails besonders teuer sind, heißt es immer: Für dich ist das doch kein Problem - du wirst doch Investmentbanker.

Mit Millionen und Milliarden hantieren

Aus Günthers Frankfurter Studiengang mit Schwerpunkt „Finance“ streben viele ins Investmentbanking. „Das ist schon sehr beliebt“, sagt er. Viele machten sich aber ein falsches Bild von dem, was da auf sie zukomme. „Die sehen nur die guten Verdienstmöglichkeiten und nicht, dass man dafür auch sehr hart arbeiten muss.“ Dreimal die Woche nach London fliegen, um dort Präsentationen zu halten, das könne auf Dauer sehr anstrengend werden: „Im Investmentbanking wird viel gefordert von den Mitarbeitern, Leistungsdruck und Konkurrenz sind nicht zu unterschätzen.“ Dafür müsse man hart im Nehmen sein.

Auch Thalea Willms, 23, gebürtig aus Schleswig-Holstein, wohnhaft in München, will trotz allem Investmentbankerin werden. Ihr Ziel ist vor allem der Geschäftsbereich „M&A“ - Mergers and Acquisitions, Übernahmen und Unternehmenskäufe. Auch sie sagt, natürlich denke jeder über die Verdienstmöglichkeiten nach, wenn er diesen Beruf ergreife. Mit Millionen und Milliarden hantieren, in der Welt herumreisen, mit Leuten in London und New York telefonieren - das mache auch ihr einfach Spaß. Außerdem sei die Atmosphäre in Investmentbanken oft spannend. „Als Investmentbanker lernt man wie in kaum einem anderen Beruf viele große internationale Konzerne kennen - und hat Kontakt zu Führungsebenen, an die normale Leute niemals herankommen.“

Alle angehenden Investmentbanker berichten aber auch von Widerständen, die es zu überwinden gilt. Von Fragen etwa aus der Familie, ob sie wirklich noch diesen Beruf ergreifen wollten, nach allem, was in der Finanzkrise passiert sei. „Ich sage dann immer: Wir tun doch Gutes für die Unternehmen“, sagt Studentin Willms. „Wir helfen ihnen beim Wachsen, bei Zusammenschlüssen und beim Finanzieren. Die Unternehmen brauchen uns doch.“

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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