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Vergütung Der Lohn der Manager

Zwei Drittel der Schweizer wollen überzogenen Managergehältern ein Ende machen. Sie haben damit eine Lawine losgetreten, die Europa überrollen könnte. Es ist richtig, Aktionäre über das Gehalt von Vorständen abstimmen zu lassen. Eine Analyse.

© dpa Vergrößern Wer wie manche Banker im sechsten Jahr der Krise noch immer nicht verstanden hat, darf sich nicht wundern, wenn die EU die Boni begrenzen will.

Deutsche Manager erzählen gern, ihre Gehälter seien wegen der Transparenz so stark gestiegen. Der Gesetzgeber sei schuld, der Zwang zur Veröffentlichung habe die Vergütung nach oben getrieben. Das ist Unsinn. Richtig ist vielmehr, dass Transparenz und öffentliche Debatte über die Auswüchse der Entlohnung von Angestellten in der Wirtschaft manche Führungskraft erst wachgerüttelt haben. Nur aus Angst vor Entdeckung behielt die Deutsche Bank die Hälfte der Bonuszahlung von 80 Millionen Euro für den Geldhändler Bittar ein, der den Referenzzins Libor manipuliert haben soll. Allein der öffentliche Protest brachte den Novartis-Chef Vasella dazu, auf seine Abschiedsprämie in Höhe von 72 Millionen Franken zu verzichten. Nicht nur seinen Schweizer Kollegen erwies der Pharmamanager damit einen Bärendienst. Seine Raffgier gab der Volksabstimmung über Abzocker den letzten Kick. Zwei Drittel der Schweizer wollen jetzt der Abzocke ein Ende machen. Sie haben damit eine Lawine losgetreten, die Europa überrollen könnte.

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Deutsche Manager erzählen auch gern das Märchen von einem globalen Markt für ihre Dienste. Das ist ebenfalls Unsinn. Als Beleg für Nachfrage nach deutschen Managern in Amerika kann allenfalls der gescheiterte Siemens-Chef Kleinfeld herhalten, der nun Alcoa erfolgreich führt. Eine Managerwanderung nach Amerika sieht anders aus. Dennoch gilt unter Vorständen Amerika weiter als Vorbild für unbegrenzte Verdienstmöglichkeiten. Dort werden noch immer Abfindungen wie aktuell 213 Millionen Dollar für den Chef von Heinz Ketchup aufgerufen. Die bisherige Rekordsumme zum Abschied eines Managers kassierte in Amerika der legendäre Jack Welch. Die 420 Millionen Dollar für den ehemaligen Chef von General Electric kamen aber erst durch seinen Scheidungsprozess ans Tageslicht.

Der Aktionär haftet, also sollte er über das Gehalt abstimmen

Manager reden gern von der Selbstregulierung der Wirtschaft. Doch je mehr sie den Kulturwandel predigen und je länger der auf sich warten lässt, desto weniger glaubt man ihnen. Erst der Protest der Öffentlichkeit zwingt die Familien Porsche und Piëch im Aufsichtsrat von Volkswagen dazu, eine Gehaltsgrenze für den erfolgreichen VW-Chef Winterkorn einzuführen. Warum ist der Aufsichtsrat nicht selbst aktiv geworden, zumal es nach den 72 Millionen Euro für Wiedeking, den an der Übernahme von VW gescheiterten Porsche-Chef, schon einmal große Aufregung über fehlende Gehaltsdeckel gab? Wieso bildet Daimler für den wenig erfolgreichen Vorstandschef Zetsche eine Pensionsvorsorge von 39 Millionen Euro? Wer wie manche Banker im sechsten Jahr der Krise noch immer nicht verstanden hat, darf sich nicht wundern, wenn die EU die Boni begrenzen will. Die Vorschrift, im Bankwesen künftig das Verhältnis von variablen zu fixen Gehaltsteilen in der Waage zu halten, wird Exzesse nicht verhindern. Das ist kaum mehr als ein Placebo für des Rettens müde Steuerzahler. Der Stabilität der Finanzmärkte ist damit nicht gedient. Wollten die Regierungschefs wirklich stabilere Finanzmärkte, müssten sie die Banken zwingen, viel mehr Eigenkapital als Risikopuffer vorzuhalten, als die neuen Baseler Kapitalvorschriften vorsehen. Leider knicken hierbei Regierungen vor Banken ein, weil schuldensüchtige Staaten das Zudrehen des Kredithahns fürchten.

Kommen nun schweizerische Verhältnisse auf die Manager zu? Auch hierzulande hat sich ein politischer Konsens gebildet, der die gesetzlichen Zügel anziehen will. Am Ende dürften die Manager noch froh sein, wenn die Gesetzesvorlage der EU-Kommission, worauf die Bundesregierung warten möchte, nur eine Abstimmung über die Gehälter durch die Aktionäre auf der Hauptversammlung vorsieht. Da letztlich weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat, sondern der Aktionär mit seinem Vermögen für Fehler der Manager haftet, sollte auch der Eigentümer das letzte Wort über die Entlohnung seiner Top-Angestellten haben. Ob das einen Wandel bringen wird, dürfte vom Verhalten der Großanleger abhängen. Deutsche Investmentfonds stimmen auf Hauptversammlungen oft im Sinne der Verwaltung. Sie sollten künftig kritischen Worten entsprechende Abstimmungen folgen lassen. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten, wo seit kurzem ähnliche Abstimmungsregeln gelten, haben institutionelle Investoren in einigen Fällen Abzockern einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Gierige Manager werden aber nicht in jedem Fall durch Eigentümer gestoppt. Schließlich sind, auch das lehrt die Krise, Investoren ebenfalls gierig. Selbst Gesetze können Auswüchse nicht unterbinden. In Deutschland gibt es seit 2009 ein „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“, ohne dass bis heute jemand wüsste, was genau angemessen ist. Trotzdem ist es richtig, Aktionäre über das Gehalt von Vorständen abstimmen zu lassen. In unserer demokratischen und marktwirtschaftlichen Ordnung dürfen Eigentümer über ihr Eigentum verfügen. Sie dürfen es der Familie vererben, dem Sportverein spenden, dem Lieblingskünstler oder der Kirche vermachen oder dem Staat schenken. Also dürfen Aktionäre sogar Manager fürstlich entlohnen - gute und schlechte.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.03.2013, 19:29 Uhr

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Von Brigitte Koch

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