Home
http://www.faz.net/-gqe-10qk8
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vergleich abgelehnt Fraspa will Urteil zu Lehman-Zertifikaten

24.10.2008 ·  Im ersten Anlegerprozess um Zertifikate der insolventen Investmentbank Lehman-Brothers lehnt die Frankfurter Sparkasse einen Vergleich mit Anlegern ab. Das Institut besteht auf einem Urteil, das Ende November erfolgen könnte. Insgesamt sind 5000 Fraspa-Kunden von der Lehman-Pleite betroffen.

Von Helmut Schwan
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Die Hoffnung der Anleger, die in Wertpapiere der insolventen amerikanischen Bank Lehman Brothers investiert hatten, vor Gericht ihr verlorenes Kapital ganz oder teilweise zurück zu erhalten, ist seit zumindest nicht größer geworden. Der Anwalt der verklagten Frankfurter Sparkasse, die wie andere Finanzinstitute nach eigenen Angaben an mehrere Tausend Kunden Zertifikate dieser Provenienz vertrieben hatte, lehnte vor dem Frankfurter Landgericht in dem bundesweit ersten Fall dieser Art Vergleichsverhandlungen ab. Seine Mandantin wolle angesichts der zu erwartenden weiteren Auseinandersetzungen ein Urteil.

Die Bank selbst ließ lediglich wissen, man nehme grundsätzlich zu laufenden Verhandlungen und den Engagements einzelner Kunden keine Stellung. Jedoch sei man mit dem Verlauf der Verhandlung zufrieden.
Richter Gebhardt kündigte für den 28. November eine Entscheidung an. Er ließ Zweifel erkennen, ob die Bank in Regress genommen werden könne. Das Rentnerehepaar aus dem Taunus verlangt wegen mangelnder Aufklärung über die Risiken der Anlage und wegen angeblicher Fehler im Verkaufsprospekt den gesamten Einsatz von 12.000 Euro als Schadensersatz zurück. Der 76 Jahre alte Kläger Horst W. sprach nach der Verhandlung davon, er fühle sich von der Sparkasse „über den Tisch gezogen“.

„Alpha-Expresszertifikat“ lief gen Süden

Allerdings war die weltweite Finanzkrise, der Lehman vor einigen Wochen zum Opfer fiel, im Dezember 2006, als er und seine Frau sich zum Kauf entschlossen, noch nicht in Sicht. Auf Anraten des Sparkassen-Mitarbeiters hatten sie zuvor die Anteile an einem Aktienfonds mit einem satten Gewinn von an die vierzig Prozent veräußert. Neun Tage dachten sie über den Vorschlag des Vermögensberaters nach, das Geld in ein Papier neu anzulegen, das als prototypisch für die Kapriolen gelten kann, in die sich die sogenannte Finanzindustrie selbst getrieben hatte: Es spekulierte darauf, dass sich ein Index europäischer Spitzenaktien besser entwickeln werde als der deutsche Leitindex Dax.

Schon bald zeigte sich, dass diese Hoffnung getrogen hatte. Das „Alpha-Expresszertifikat“ verlor kontinuierlich an Wert. Gleichzeitig wuchs bei Horst W. die Skepsis, ob wenigstens die Zusage gelte, nach Ende der Laufzeit in vier Jahren das eingesetzte Kapital wieder ausgezahlt zu bekommen. Seiner Darstellung nach scheitere im April 2007 der Versuch, das Wertpapier abzustoßen. Das galt erst recht, als sich die Pleite von Lehman Brothers abzeichnete und schließlich eintrat.

Rechtsanwalt Ernst Hruby verwies für die Sparkasse darauf, in dem sogenannten Flyer zum „neuen Star Bond“ sei, wenn auch nur in einer Fußnote, auf einen möglichen Totalverlust aufmerksam gemacht worden. Das bestritt der Rechtsvertreter von Horst W.: Sein Mandant verfüge nicht über die Erfahrung als Anleger, dies dem Hinweis zu entnehmen, der Wert des Papiers hänge von der „Bonität des Emittenten“ ab. Vielmehr sei in der „Gesamtschau“ der Eindruck vermittelt worden, das Papier sei sicher und als Altersvorsorge geeignet.

Richter will „in Ruhe nachdenken“

Überdies ist von Bedeutung, ob die Anleger ausreichend informiert worden waren, dass die Sparkasse an der Vermittlung des Lehman-Papieres verdient hat. Den allgemeinen Hinweis auf eine Provision hält Klägeranwalt Ralf Plück für nicht ausreichend. Richter Gebhardt will auch darüber „in Ruhe nachdenken“.

Etwa 5000 der 800.000 Kunden der Frankfurter Sparkasse haben über dieses Haus Zertifikate der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers erworben. Die meisten Kunden haben durch die Insolvenz der Investmentbank zwischen 10.000 und 15.000 Euro verloren, einige wenige sogar einen sechsstelligen Betrag. Alles in allem liegt das Volumen der Zertifikate nach Angaben des Instituts „im höheren zweistelligen Millionenbereich“. Die Frankfurter Sparkasse hob hervor, unter den Geschädigten sei auch eine größere Zahl eigener Mitarbeiter. Vergleichsverhandlungen soll es Unternehmenskreisen zufolge bislang nicht gegeben haben.

In Hamburg hatte sich die Dresdner Bank vor einem Prozess verpflichtet, einer Anlegerin 21.000 Euro zu zahlen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge

Einknicken der Euro-Retter

Von Holger Steltzner

Das Leben auf Pump geht weiter: Der Süden druckt einfach das Geld, das er für Rechnungen braucht. Warum soll sich Griechenland ändern, wenn es doch immer wieder neue Kredite gibt? Mehr 58 154

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%