20.07.2005 · Drei große Konzerne aus Amerika kündigen binnen 48 Stunden den Abbau von bis zu 26.000 Arbeitsplätzen an: Nach IBM und Hewlett Packard verschärft auch Eastman Kodak sein Sparprogramm deutlich.
Mit Eastman Kodak, Hewlett-Packard (HP) und IBM haben drei große international tätige Konzerne aus Amerika binnen 48 Stunden den Abbau von bis zu 26.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Gründe für diesen Aderlaß sind allerdings weniger konjunktureller, sondern eher struktureller, unternehmensspezifischer Natur, sagen Experten. Die Dynamik der Weltwirtschaft hat zwar gegenüber dem Jahr 2004, das das höchste Wirtschaftswachstum seit fast dreißig Jahren bescherte, etwas nachgelassen. Die Wachstumsrate dürfte jedoch nach Schätzungen führender Wirtschaftsforscher auch in diesem Jahr über dem langjährigen Trend liegen.
Eastman Kodak, das am Mittwoch den Abbau von weiteren 7500 bis 10.000 Stellen ankündigte, ist nicht neu auf der Liste der amerikanischen Traditionsunternehmen, die sich einem tiefgreifenden Strukturwandel gegenübersehen. Im Gegenteil, der Konzern tut sich schon seit Jahren mit dem Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie schwer. Im Januar 2004 kündigte das Unternehmen an, 15.000 seiner damals 64.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Diese Zahl wurde jetzt auf bis zu 25.000 angehoben, womit die Belegschaft bis 2007 um fast 40 Prozent verringert wird.
Unerbittlicher Wettbewerb in der Computerbranche
Weniger einschneidend fallen die Zahlen bei Hewlett-Packard aus, das 14.500 Stellen streicht, also jeden zehnten Arbeitsplatz im Konzern. 14.500 Arbeitsplätze sollen auch bei IBM wegfallen, 1500 mehr als bisher geplant, teilte das Unternehmen ebenfalls in dieser Woche mit. Allerdings beschäftigt IBM weltweit deutlich mehr als 300.000 Mitarbeiter. HP und IBM leiden unter dem unerbittlichen Wettbewerb in der Computerbranche, in der schlanke Konzerne wie Dell, aber auch zunehmend asiatische Wettbewerber die Kostenstrukturen und damit auch die Endabnehmerpreise vorgeben. Beide Unternehmen arbeiten zwar im Gegensatz zu Kodak unter dem Strich profitabel. Ihre Aktienkursentwicklung blieb aber zuletzt deutlich hinter der des Gesamtmarktes zurück, weshalb das Management von seinen Aktionären zunehmend unter Erfolgsdruck gesetzt wird.
Daß der Arbeitsplatzabbau von Kodak, HP und IBM kein konjunkturelles Phänomen ist, wird in Amerika durch die weiterhin sinkende Arbeitslosenquote und die jüngsten Quartalszahlen großer amerikanischer Traditionsunternehmen unterstrichen. Mischkonzerne wie General Electric und Honeywell, die gleichzeitig in verschiedenen Industrien operieren, haben für das zweite Quartal jeweils zweistellige Umsatzzuwächse gemeldet. Honeywell hat am Mittwoch sogar die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr nach oben korrigiert. Zu denAusnahmen von der Regel zählt einmal mehr der Autokonzern General Motors, der für das zweite Quartal einen unerwarteten Verlust von fast 300 Millionen Dollar meldet.
Gute Quartalszahlen
Die überwiegend guten Quartalszahlen, aber auch der allgemein wieder zunehmende Konjunkturoptimismus haben die amerikanischen und europäischen Aktienbörsen in dieser Woche auf mehrjährige Hochs klettern lassen. Selbst in Deutschland, wo die Wirtschaft nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank im zweiten Quartal stagniert haben dürfte, keimt wieder Konjunkturoptimismus auf, wie der unerwartet starke Anstieg des ZEW-Konjunkturindex im Juli zeigt (siehe auch: Finanzmärkte unerwartet optimistisch). China meldete am Mittwoch für das zweite Quartal sogar ein Wirtschaftswachstum von auf das Jahr umgerechnet 9,5 Prozent und zeigt damit weiterhin keine Ermüdungserscheinungen. In Amerika rechnet die Federal Reserve jetzt für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Damit hat die Fed ihre Februar-Prognose von 3,75 bis 4 Prozent leicht nach unten korrigiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,43 | −1,20% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2436 | −0,42% |
| Rohöl Brent Crude | 105,06 $ | −1,68% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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