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Verdienste In den Konzernen klafft eine Gehaltslücke

15.03.2010 ·  Von den Bezügen der Top-Manager sind die Führungskräfte auf den folgenden Hierarchieebenen weit entfernt. Das zeigt eine bislang unveröffentlichte Untersuchung von Towers Watson. Die Chefs der 30 Dax-Unternehmen verdienen danach fast zwanzigmal so viel wie Abteilungsleiter.

Von Julia Löhr
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Die Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Unternehmen verdienen knapp zwanzigmal so viel Geld wie ihre Abteilungsleiter. Das ergibt sich aus einer bislang unveröffentlichten Untersuchung von Towers Watson. Die Beratungsgesellschaft wertete die Bezüge von 3600 Bereichs- und Abteilungsleitern aus Dax- und M-Dax-Unternehmen aus. Von den Millionenbezügen der Top-Manager sind die Führungskräfte auf den folgenden Hierarchieebenen demnach weit entfernt.

Bereichsleiter in einem Dax-Konzern - die erste Ebene unterhalb des Vorstands - kommen aktuell auf ein Vergütungspaket von durchschnittlich 442.000 Euro im Jahr, Abteilungsleiter - die zweite Ebene unterhalb des Vorstands - auf 199.000 Euro. Darin enthalten sind das Grundgehalt, der in Aussicht gestellte Bonus, langfristige Vergütungselemente und die Beiträge zur Altersvorsorge. Zum Vergleich: Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne erhielten zuletzt ein Vergütungspaket von durchschnittlich 3,85 Millionen Euro, die übrigen Vorstandsmitglieder kamen auf 2,28 Millionen Euro.

„In Frankreich und Großbritannien ist der Abstand deutlich größer"

Diese Unterschiede zwischen den Hierarchiestufen klingen hoch, sind aber durchaus angemessen", sagt Olaf Lang, Leiter der Vergütungsberatung von Towers Watson. "In Frankreich und Großbritannien ist der Abstand deutlich größer."

Er führt die Abstände vor allem auf die unterschiedlichen Gehaltsstrukturen zurück. Auf Vorstandsebene sind im Schnitt rund 60 Prozent der Bezüge variabel. "Erwirtschaftet ein Unternehmen einen hohen Gewinn oder schlägt sich besser als seine Konkurrenten, treibt das die Verdienstchancen in die Höhe", erklärt Lang. Auf den unteren Hierarchiestufen spielt der variable Anteil dagegen eine geringere Rolle. Auf Bereichsleiterebene ist mehr als die Hälfte der Vergütung fix, auf Abteilungsleiterebene zwei Drittel.

„Das sind keine Leistungspreise“

Der Psychologe Rüdiger Hossiep hält die Gehaltslücke trotz solcher Argumente für zu hoch. Er forscht an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Führungsverhalten. Mit der Leistung habe der Abstand wenig zu tun, sagt Hossiep. Ginge es allein um die höhere Qualifikation, das höhere Arbeitspensum und die höhere Verantwortung, dürfte ein Vorstandschef seiner Ansicht nach allenfalls das Doppelte oder Dreifache eines Abteilungsleiters verdienen, nicht aber das Zwanzigfache. "Das sind Marktpreise, keine Leistungspreise." In der Vergütung von Vorständen hätten sich Millionensummen eingebürgert, nun wolle niemand davon abweichen.

Je kleiner das Unternehmen, desto kleiner die Bezüge: In M-Dax-Unternehmen sehen die Verträge von Bereichsleitern ein durchschnittliches Vergütungspaket von 286.000 Euro vor, bei Abteilungsleitern sind es 152.000 Euro, schreibt Towers Watson. Zum Vergleich: Vorstandschefs dieser Unternehmen erhalten im Schnitt 1,99 Millionen Euro, hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ausgerechnet.

Der Blick auf die Gehaltsabstände ist für die Unternehmen deshalb von Bedeutung, weil sie seit dem vergangenen Sommer gesetzlich verpflichtet sind, bei der Festlegung der Vorstandsbezüge sowohl das Vergütungsniveau in anderen Unternehmen, aber auch das interne Gehaltsgefüge zu berücksichtigen. Gerade Letzteres hatten sie in der Vergangenheit nur selten getan.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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