13.05.2007 · Reaktion auf Verkaufsdrohung von Vorstandschef Obermann
BERLIN/ROSTOCK, 13. Mai (dpa). Im Arbeitskampf bei der Deutschen Telekom verschärft sich der Ton. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigte für diesen Montag an, der Streik werde deutlich ausgeweitet. Das sei eine Reaktion "auf das ungeheuerliche Verhalten" des Unternehmens, sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm am Sonntag in Berlin. Deutsche-Telekom-Vorstandschef René Obermann hatte die Gewerkschaft zuvor aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, sei der Verkauf von Service-Sparten nicht ausgeschlossen.
Die Streik-Schwerpunkte sollen in den Bundesländern Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen liegen. Betroffen seien auch die Vorbereitungen für die Telekommunikation bei dem Gipfel der acht großen Wirtschaftsnationen (G 8) vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm. Nach Verdi-Angaben sind für Montag von 6.00 Uhr an bundesweit 14 000 Beschäftigte zum Streik aufgerufen. Am Sonntag gingen in Berlin und Frankfurt (Oder) rund 30 Beschäftigte in den Ausstand. In Rheinland-Pfalz hatten rund 100 und in Bayern 50 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. In Bremen wollten etwa 500 Beschäftigte mit ihren Familienangehörigen demonstrieren.
Verdi teilte mit, die Deutsche Telekom habe Streikenden mit Kündigungen gedroht. Zudem hätten Führungskräfte "vermeintliche Noteinsätze" angeordnet, die gegen bestehende Regelungen verstießen. Darüber hinaus werde versucht, "Streikbrechereinsätze über Leih- und Zeitarbeitnehmer zu organisieren". Wilhelm sagte: "Wir haben die Telekom vor dieser Form von Eskalation gewarnt. Jetzt wehren sich die Beschäftigten auf ihre Weise." Auf die Drohung von Obermann, notfalls Service-Sparten zu verkaufen, reagierte Verdi-Bundesvorstand und Verhandlungsführer Lothar Schröder mit Unverständnis: "Mit so einer Aussage trägt Herr Obermann nicht gerade zur Entschärfung des Konflikts bei", sagte Schröder der "Welt am Sonntag". "Wir sind auf eine lange Auseinandersetzung vorbereitet." Obermann rief Verdi dazu auf, den G-8-Gipfel nicht zu "sabotieren". "Ich gehe davon aus, dass Verdi hier letztlich Verantwortung zeigt." Gleichzeitig betonte er: "Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um alle Dienstleistungen für ein Gelingen des Gipfels sicherzustellen." Am ersten Streiktag waren am Freitag bundesweit mehr als 11 000 Telekom-Mitarbeiter in den Ausstand getreten. Mit den Arbeitsniederlegungen protestierten sie gegen die geplante Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen in Service-Gesellschaften. Dort sollen die Betroffenen für weniger Geld länger arbeiten.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
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