http://www.faz.net/-gqe-9bcrv

Verdi beklagt Personalmangel : „Pflegekräfte werden regelrecht verschlissen“

  • Aktualisiert am

Eine Pflegekraft (l) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims beim Gang über den Flur. Bild: dpa

In der Pflege fehlen Zehntausende Mitarbeiter. Die Pläne des Gesundheitsminister seien da nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, klagt Verdi. Ist eine bessere Bezahlung die Lösung?

          In den bundesdeutschen Kliniken fehlen laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi etwa 80.000 Krankenpflegekräfte. Ein Belastungscheck habe ergeben, dass das Personal derzeit nur bis zum 25. eines Monats ausreiche, erklärte das für den Bereich Gesundheit zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler am Montag vor Journalisten in Düsseldorf. Deshalb müssten mindestens 22 Prozent mehr Pflegestellen in den Krankenhäusern geschaffen werden. Ähnlich alarmierend sei der Personalmangel in der Altenpflege. Hier fehlten bundesweit etwa 63.000 Pflegekräfte.

          Die Personaldecke sei „erschreckend kurz“, sagte Bühler. Unter diesen Bedingungen sei eine „würdevolle Pflege“ weder für den Patienten noch für die Pfleger möglich. Das System funktioniere nur, weil die Beschäftigten vielfach über ihre Belastungsgrenzen gingen. Pflegekräfte würden „regelrecht verschlissen“. Bei einer Nachtschicht sei eine einzige Pflegekraft mitunter für 30 bis 40 Patienten zuständig. An dem stichprobenartigen Belastungscheck von Verdi hatten sich vom 1. März bis 30. Mai 166 Krankenhäuser mit 590 Stationen und 13.000 Beschäftigten beteiligt.

          Zur Gesundheitsministerkonferenz der Länder an diesem Mittwoch in Düsseldorf ruft Verdi die Kranken- und Altenpfleger zu einer Demonstration auf. Neben bundesweit gesetzlichen Vorgaben für die Personalausstattung in Krankenhäusern und Altenheimen verlangt die Gewerkschaft eine spürbare Entlastung der Beschäftigten. Alleine in den deutschen Kliniken schiebe das Personal einen Berg von 35,7 Millionen Überstunden vor sich her, erklärte Bühler. Dies entspreche 32,5 Überstunden pro Beschäftigtem. Zudem fordert die Gewerkschaft eine bessere Bezahlung in der Altenpflege.

          Weniger als 2000 Euro im Monat

          Die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Aussicht gestellten 13.000 Stellen in der Altenpflege seien „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, kritisierte Verdi. Um alle Bundesländer „auf das bisher beste, aber noch nicht ausreichende“ Pflegeniveau in Bayern anzuheben, seien zusätzlich 63.000 Stellen notwendig. Derzeit arbeiteten in Deutschland etwa eine Million Beschäftigte in der Pflege, davon 450.000 in knapp 14.000 stationären Einrichtungen.

          Die Durchschnittsbezahlung einer Altenpflegekraft liegt laut Verdi bei monatlich 2600 Euro. Es gebe aber starke regionale Unterschiede, betonte Bühler. In Ostdeutschland verdiene ein Altenpfleger oft weniger als 2000 Euro im Monat. Darauf müsse der Staat endlich reagieren. In den Krankenhäusern mit einer weitaus stärkeren Tarifbindung liege der Durchschnittsverdienst für Pflegekräfte bereits heute bei 3200 Euro monatlich.

          Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz appellierte an die Gesundheitsminister, eine klare Antwort auf den Mangel an Pflegekräften zu geben. Notwendig seien verbindliche und patientenorientierte Personalschlüssel für alle Abteilungen in Kliniken, sagte Vorstand Eugen Brysch.

          Weitere Themen

          Zwei Billionen Bilder

          Fotorevolution 2.0 : Zwei Billionen Bilder

          Die Menschen weltweit fotografieren mehr als je zuvor. Davon profitiert allerdings nicht die traditionsreiche Fotobranche – Gewinner sind Internetkonzerne. Was heißt das für die Fotografie?

          Topmeldungen

          „So gut wie immer sind Alkohol und Frauen im Spiel“, sagt der Geschäftsführer einer Agentur.

          Junggesellenabschiede : Das organisierte Erbrechen

          Junggesellenabschiede werden immer beliebter. Für Agenturen sind sie ein gutes Geschäft. Hinsichtlich der Vorlieben von Frauen und Männern stellen sie große Unterschiede fest.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.