http://www.faz.net/-gqe-71w24

Verdacht auf Marktmanipulation : Im Wiedeking-Prozess ist noch alles offen

  • Aktualisiert am

Vor drei Jahren musste Wendelin Wiedeking Porsche verlassen Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ihre Ermittlungen gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand Holger Härter weitgehend abgeschlossen. Bis Oktober soll feststehen, ob Anklage erhoben wird.

          Vier Jahre nach der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand Holger Härter nahezu abgeschlossen. Die Anwälte hätten alle Akten erhalten und nun bis Ende Oktober Zeit, dazu Stellung zu nehmen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Montag. Erst dann werde entschieden, ob Anklage erhoben wird.

          Im Rahmen von Ermittlungsverfahren gebe es die Möglichkeit der Anklageerhebung oder der Einstellung, sagte der Sprecher weiter. Er widersprach damit einem Bericht des Magazins „Spiegel“, nach dem die Ermittler Anklage gegen Wiedeking und Härter erheben wollen. Zu konkreten Ermittlungsergebnissen äußerte sich der Sprecher nicht.


          Wiedeking und der frühere Porsche-Finanzchef Härter sollen den Finanzmarkt durch falsche Informationen oder das Verschweigen von Informationen über die Porsche-Pläne beim VW-Einstieg getäuscht haben. Im Zuge des später gescheiterten Übernahmeversuchs von VW durch Porsche vor vier Jahren sahen sich Anleger über die wahren Absichten des Sportwagenbauers getäuscht und erlitten starke Verluste. Sie hatten auf sinkende Kurse der VW-Stammaktie gewettet - tatsächlich schoss der Wert der Papiere in die Höhe.

          Wiedeking und sein Finanzchef Härter mussten Porsche im Sommer 2009 verlassen. Um ihre damalige Arbeit drehen sich inzwischen auch zahlreiche nationale und internationale Investorenklagen. Anlager fühlen sich rückblickend fehlinformiert und betrogen.

          VW hatte damals den Spieß umgedreht und die Übernahmeschlacht gewonnen. Seit vergangener Woche gehört die Stuttgarter Sportwagenschmiede vollständig zu Europas größtem Autokonzern. Volkswagen übernahm für rund 4,5 Milliarden Euro die restlichen 50,1 Prozent der Anteile an der Porsche AG von der Dachgesellschaft Porsche SE (PSE). Der ursprüngliche Plan von VW, mit der PSE zu fusionieren, war an rechtlichen Risiken gescheitert.

          Härter wegen Kreditbetrugs vor Gericht

          Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass Härter infolge des spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen wegen Kreditbetruges vor Gericht muss. Härter und zwei seiner Spitzenkräfte aus der Finanzabteilung der Porsche-Holding sollen während des Übernahmekampfs mit VW bei Verhandlungen für Kreditgeschäfte eine Bank falsch informiert haben. Härter hatte die Anschuldigungen als haltlos bezeichnet.

          Bis dato liefen gegen Härter und Wiedeking Prüfungen, die sich neben dem Vorwurf der Marktmanipulation auch auf möglicher Untreue bezogen.
           

          Weitere Themen

          Die Sonntagsfrage Video-Seite öffnen

          Quiz : Die Sonntagsfrage

          Testen Sie, wie wach Sie das wirtschaftliche Geschehen verfolgt haben. Für jede Frage ist eine Lösung richtig.

          Topmeldungen

          Ralph Brinkhaus : „Kein großes Drama“

          Der neue Unionsfraktionschef stellt sich nach seiner überraschenden Wahl hinter Angela Merkel: „Ich habe den Willen, sie zu unterstützen.“ Politologen sprechen von einem Misstrauensvotum gegen die Kanzlerin.
          Unser Sprinter-Autor: Thomas Holl

          FAZ.NET-Sprinter : Ein unbürgerliches Trauerspiel

          Volker Kauders Abwahl ist der letzte Akt im Stück „Die bizarre Causa Maaßen oder die entrückte Koalition“. Fällt der Vorhang für Angela Merkel nun endgültig? Der Sprinter ab heute in neuem Gewand.

          3D-Druck : Die Waffe aus dem Drucker

          Cody Wilson erklärte den Amerikanern, wie sie Schusswaffen zuhause selbst herstellen können. Nach jahrelanger Debatte errang er juristische Siege. Nun droht ihm trotzdem eine Haftstrafe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.