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Verbraucherschützer warnen : Fahrrad-Wahn in unseren Innenstädten

Der Preiskampf ist hart

Bei der Finanzierung der Mieträder wird man ohnehin stutzig. Ein Euro pro halbe Stunde – davon kann sich kein Verleiher langfristig über Wasser halten. Der Preiskampf ist hart. Byke bietet seine Räder schon für die Hälfte an und verlangt keine Kaution. Obike macht vermutlich vor allem Kasse mit der Kaution in Höhe von 79 Euro, die der Kunde bei der ersten Anmeldung hinterlegen muss. Solange die Mieter diese Kaution nicht zurückfordern, kann das Unternehmen damit wirtschaften.

Hinter den meisten Verleihern aus Asien stecken mächtige Investoren. So ist der Apple-Zulieferer Foxconn beispielsweise mit mehreren Millionen in Mobike investiert, auch die chinesischen Megakonzerne Alibaba und Tencent sind Anteilseigner von Radvermietern wie dem chinesischen Start-up Ofo. Warum interessieren sich Tech-Firmen für das Vermieten von Rädern? Natürlich schreiben sie sich auf die Fahnen, dass sie in Zeiten zunehmender Mobilität die Städte entlasten und die Lebensqualität der Bürger verbessern wollen. In Wahrheit geht es aber um die Daten der Kunden, die sie selbst nutzen oder für viel Geld an andere Firmen weiterverkaufen können. Einige der Apps fordern bei der Installation, den Standort auch dann übermitteln zu dürfen, wenn die App gerade nicht genutzt wird.

Leihräder lehnen in Frankfurt an einem Auto.

Aus den Daten von Millionen chinesischer Nutzer wurden so Angebote in der Werbung personalisiert; selbst eine Bonitätsbewertung kann anhand der Daten vorgenommen werden. Die Unmengen Daten könnten auch für öffentliche Verwaltungen einen großen Vorteil haben. In anonymisierter Form wären sie für Städte äußerst hilfreich bei der Planung von Radwegen – und kämen dann auch den Nutzern zugute. Doch an die Städte werden die Daten nicht weitergegeben, angeblich aus Datenschutzgründen.

Nachhaltige Strategie von Nextbike

Die Strategie des Start-ups Nextbike erscheint nachhaltiger. In vielen Städten arbeiten die Leipziger mit den Verkehrsbetrieben zusammen. In Potsdam können Besitzer einer Monats- oder Jahreskarte für den städtischen Nahverkehr die Fahrräder zwei Stunden am Tag kostenlos nutzen. Dafür geht ein Teil der Abo-Einnahmen direkt an das Unternehmen. Auch mit Studentenwerken arbeitet Nextbike zusammen: In Wiesbaden oder Bochum zahlen die Studenten wenige Euro mehr Semesterbeitrag und können dafür umsonst Rad fahren. Zudem nutzt Nextbike die Räder als Werbefläche für Banken oder Kreditkartenunternehmen und generiert so weitere Einnahmen. Als Mieter darf man sich dann nur nicht daran stören, eine fahrende Reklame zu sein.

Fahrrad-Salat in der Frankfurter Innenstadt

Trotz aller Liebe zum Radeln gibt es derzeit zu viele wild abgestellte Räder. Sie blockieren die Zugänge zur U-Bahn, verstopfen die Gehwege und ärgern Fußgänger, die ohnehin das schwächste Glied im Verkehrsgefüge sind. In München gab es eine regelrechte Protestwelle gegen Mieträder: Sie wurden als Werbefläche für Wohnungssuchende zweckentfremdet, in Astgabeln von Bäumen aufgehängt oder man durchschnitt die Bremskabel.

Um ihr Ansehen aufzupolieren, gehen die Rad-Verleiher inzwischen behutsamer vor. Obike hat eine Hotline eingerichtet und kontrolliert per GPS-Ortung, ob die Räder ordnungsgemäß abgestellt wurden. Wenn ein Mieter ein Rad nicht pfleglich behandelt, erhält er eine schlechte Bewertung – und muss bei der nächsten Ausleihe mehr bezahlen. Gerade in München und Berlin waren Räder ramponiert in Grünanlagen oder Isar und Spree abgelegt worden. Höchste Zeit für die Politik, sich verbindliche Regeln auszudenken. Schließlich darf der Bürgersteig sonst auch nicht einfach blockiert werden. Cafés zum Beispiel benötigen für die Nutzung des öffentlichen Raumes in Fußgängerzonen eine Sondernutzungsgenehmigung. So etwas wäre durchaus auch für die Vermieter der bunten Flitzer denkbar. Doch dafür müsste es eine Stadt auf einen weiteren Gerichtsprozess ankommen lassen.

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