26.01.2012 · König Kunde: Bei der Deutschen Bahn werden die Vergütungen des Vorstands künftig auch an die Zufriedenheit der Fahrgäste gekoppelt. Trotzdem kündigt der Konzern an, dass in den nächsten Monaten weniger Züge pünktlich kommen werden.
Von Kerstin SchwennDie Vergütungen des Vorstands der Deutschen Bahn AG werden künftig auch an die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern gekoppelt. Bahnchef Rüdiger Grube nannte die Verknüpfung der Bonuszahlungen mit der Zufriedenheit der Kunden als Beleg dafür, wie wichtig der Bahnführung das „Brot- und Butter-Geschäft“ sei. „Jeder Konzernvorstand spürt ab sofort die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit im Portemonnaie“, sagte Grube in Berlin. Die Bezahlung orientiere sich dabei an „messbaren, nachvollziehbaren Werten“. Die Bahn ermittelt die Zufriedenheit ihrer Fahrgäste seit Jahren durch wöchentliche Befragungen in den Zügen. Hier gebe es „valide Daten“, heißt es. Die Zufriedenheit der knapp 300.000 Bahnmitarbeiter soll vom Herbst an ebenfalls regelmäßig erfragt werden. Hierzu werden derzeit die Vorbereitungen getroffen.
Die variablen Anteile, die sich bislang vor allem am finanziellen Erfolg des Unternehmens orientierten, machen in der Regel den größeren Teil der Einkünfte der Bahnvorstände aus. Das Festgehalt hatte 2010 daran nur einen Anteil von einem Drittel. Offenbar soll der Aspekt „Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern“ den Bonus künftig zur Hälfte beeinflussen, so dass er ein Drittel der Gesamteinkünfte ausmachte. Wie aus dem Unternehmen zu hören ist, zeigen sich die Bahnkunden in jüngster Zeit zufriedener mit dem Konzern als noch vor einigen Monaten.
Ursache für den Stimmungsumschwung dürfte vor allem die wachsende Pünktlichkeit im Fern- und Nahverkehr zum Jahresende sein. Hier wirkten sich der milde Winter und die abnehmende Zahl von Baustellen positiv aus. Im Dezember war die Pünktlichkeit, bei der eine Verspätung von weniger als sechs Minuten zählt, im Nahverkehr auf 94 Prozent gestiegen und im Fernverkehr um rund 8 Punkte auf 84,5 Prozent. Die Bahn hat indes schon gewarnt, dass sich die guten Pünktlichkeitswerte in den nächsten Monaten voraussichtlich nicht halten ließen, weil der Baubetrieb wieder zunehme. Im gesamten Jahr 2011 waren nach Grubes Angaben vier von fünf Fernzügen pünktlich (2010: 72,4 Prozent), im Nahverkehr stieg die Pünktlichkeit von 90,9 auf 92,9 Prozent.
Grube kündigte ferner an, die Bahn werde in den nächsten fünf Jahren 49,5 Milliarden Euro in den Bahnverkehr in Deutschland investieren. Zwei Drittel davon sollten in die Infrastruktur gehen, der Rest in Fahrzeuge und Qualitätsverbesserungen. Zuletzt war von 46 Milliarden Euro bis 2016 die Rede gewesen.
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