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Amerika gegen China : Jetzt also doch der Handelskrieg?

Auf der chinesischen Mauer: Die Spannung zwischen Peking und Washington wächst offenkundig. Bild: Reuters

Der Ton wird rauer zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Donald Trump droht Peking eine gewaltige Geldbuße an. Doch das Verhältnis zwischen den Supermächten ist hochkompliziert – nicht nur wirtschaftlich.

          Die Wirtschaft läuft rund, in Deutschland, Europa, Amerika und Asien. Der stellvertretende Chef des Internationalen Währungsfonds hat gerade sogar gesagt, dass seine Fachleute noch zuversichtlicher geworden sind und auch dieses Jahr für die globale Ökonomie insgesamt gut werden wird. Das liegt auch daran, was Donald Trump bislang gemacht hat – oder eher: was er nicht gemacht hat. Dazu zählt an vorderer Stelle, einen Handelskrieg mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt – China – loszutreten.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch während des Präsidentschaftswahlkampfes wütete er regelmäßig in Richtung der Volksrepublik; sagte, das Land beute die Vereinigten Staaten aus. Und kündigte ganz konkret an, schon an seinem ersten Amtstag China offiziell zum Währungs-Manipulator zu erklären - was seiner Regierung ermöglichen würde, bestimmte Sanktionen einzuleiten. Geschehen ist das nicht. Trump lud den chinesischen Staatschef Xi Jinping in sein Golfressort in Florida ein und besuchte ihn kürzlich während seiner ersten Asienreise in Peking. Die regelmäßigen Wirtschaftsgespräche zwischen beiden Ländern stocken zwar – harte Maßnahmen blieben allerdings aus. Bis jetzt.

          Nun ist der Ton offenkundig rauer geworden, was sich gleich mehrfach in den vergangenen Tagen zeigte. Zunächst kam aus Peking die Nachricht, China würde künftig weniger amerikanische Staatsschuldtitel kaufen. Obwohl sie kurz danach wieder dementiert wurde, bleibt sie natürlich in Erinnerung. Dann stufte die chinesische Ratingagentur Dagong die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herab – auf dasselbe Niveau, auf dem sich derzeit Peru und Turkmenistan befinden.

          Der größte Gläubiger

          Nun hat Donald Trump regelrecht ausgeholt zu einem verbalen Schlag gegen das Reich der Mitte: Im Gespräch mit dem Finanzdienst Reuters warf er China, das geistige Eigentum amerikanischer Unternehmern geklaut zu haben. Und er drohte eine Geldbuße an, untermauert mit dem Satz: „Wir sprechen über einen hohen Schadensersatz. Wir sprechen über Zahlen, über die Sie noch nicht einmal nachgedacht haben.“ Wenn er am 30. Januar die Rede zur Lage der Nation halten wird, wolle er darauf eingehen. Auf die Nachfrage der Journalisten, ob nun doch ein Handelskrieg ausbrechen könnte, schloss Trump das ausdrücklich nicht aus. „Ich denke nicht, ich hoffe nicht. Aber wenn es so ist, dann ist es so“, sagte er.

          Damit steht die Frage wieder im Raum: Eskaliert das Wirtschaftsverhältnis zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt? Die Folgen wären gravierend. Und die Situation ist verzwickt, denn die Beziehungen der beiden Länder sind hochkompliziert. Politisch sind die Vereinigten Staaten Weltmacht und in allen Regionen irgendwie involviert. Chinas Einfluss wiederum hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, zumal in aufstrebenden Volkswirtschaften (Stichwort „Neue Seidenstraße). Ein Dauerbrennpunkt ist zum Beispiel das südchinesische Meer, in dem Peking Besitzansprüche anmeldet, die mit denen anderer Staaten in der Region kollidieren. Außerdem ist der Umgang mit Nordkorea ein wichtiger Streitpunkt.

          Technologischer kalter Krieg

          Wirtschaftlich wiederum sind Amerika und China eng verflochten miteinander. Amerikanische Unternehmen lassen in China Produkte fertigen, etwa der iPhone-Hersteller Apple in Fabriken des Technologieunternehmens Foxconn. Zugleich ist China für viele von ihnen ein zunehmend wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste (Massen-)Markt auf der ganzen Welt mit eben ungefähr 1,4 Milliarden möglichen Kunden. Umgekehrt liefern chinesische Hersteller Waren in großem Umfang in die Vereinigten Staaten – im vergangenen Jahr betrug alleine das Handelsbilanzdefizit, also die Differenz zwischen Einfuhren und Ausführen, aus der Sicht der Vereinigten Staaten 278 Milliarden Dollar.

          Darüber hinaus, auch das heikel, ist China der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten. Kein anderes Land hält höhere Dollar-Währungsreserven und erwarb hierfür mehr amerikanischen Staatsanleihen als die Volksrepublik. Der Grund dafür ist schließlich auch von gewisser Brisanz: China kaufte die Titel, um zumindest in den ersten zehn Jahren nach der Jahrtausendwende zu verhindern, dass der Yuan stärker gegenüber dem Dollar aufwertet.

          Die wirtschaftliche Verwobenheit ist denn auch ein Grund, warum viele Fachleute einen ausgewachsenen Konflikt mit schlimmen Folgen doch eher für unwahrscheinlich halten - weil für beide Seiten schlicht zu viel auf dem Spiel steht. „Die Auseinandersetzung wird nicht rein ökonomisch sein, weil es in diesem Bereich große Abhängigkeiten gibt und beiderseitige Vorteile“, sagte der Politologe Ian Bremmer, einer der profiliertesten Fachleute, unlängst im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Spannung ergibt sich schlussendlich aus den Fortschritten in der Hochtechnologie. In den Vereinigten Staaten wie in China gibt es international aufgestellte Tech-Konzerne (Google, Facebook, Amazon, Alibaba, Baidu, Tencent), die ähnliche Angebote machen. Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz haben dazu geführt, dass mittlerweile gelegentlich von einem technologischen Kalten Krieg zwischen China und Amerika die Rede ist. Peking hat im Sommer einen nationalen KI-Plan auf den Weg gebracht und unlängst einen großen Technologiepark in der Hauptstadt angekündigt.

          Die Frage, welche Führung für diesen Wettstreit besser gerüstet ist, beantwortet Bremmer denn auch so: „Wenn es um die tatsächlichen Regierungen geht, dann ist es klar China: Peking setzt stark auf Künstliche Intelligenz und Big Data, während Washington auf traditionelle Industrien fokussiert – was wahrscheinlich ein Fehler ist.“

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