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Urteil zu Unisex-Tarifen : Sind Männer selbst an ihrem kurzen Leben schuld?

Bild: F.A.Z.

Männer leben fünf Jahre weniger als Frauen. Weil sie öfter trinken, häufiger rauchen und mehr Stress im Alltag haben. Doch selbst wenn sie gesund leben, sterben sie zwei Jahre früher - das zeigt der Blick ins Kloster.

          Hätten Adam und Eva schon eine Rentenversicherung gehabt, es wäre für die Versicherung ziemlich teuer geworden. Zumindest Adam wurde nämlich steinalt, die Bibel vermerkt 930 Jahre. Evas Alter ist nicht vermerkt, doch wenn es in der Bibel so war wie heute, dann hat sie ihren Mann überlebt. Denn Frauen leben länger. Wenn heute ein kleiner Junge zur Welt kommt, kann er auf eine durchschnittliche Lebenszeit von 77 Jahren hoffen, ein kleines Mädchen allerdings darf sich auf 83 Jahre freuen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch das lange Leben der Frauen ist teuer - zumindest für die Rentenversicherung. Schließlich bekommen Frauen in jedem ihrer zusätzlichen Monate eine Rente ausgezahlt. Private Rentenversicherungen haben das erkannt und verlangen von den Frauen entsprechend höhere Beiträge. Doch das muss sich ändern. Denn der Europäische Gerichtshof hat vergangenen Dienstag entschieden, dass Versicherungen in der Europäischen Union von Dezember 2012 an von männlichen und weiblichen Neukunden die gleichen Beiträge verlangen müssen. Schließlich dürfe niemand diskriminiert werden.

          „Sorglose Lebensweise des Durchschnittsmannes“

          Das Urteil gilt nicht nur für die Rentenversicherung. Es betrifft auch die Autoversicherung (die ist für Männer teurer, weil sie teurere Unfälle bauen). Es betrifft die private Krankenversicherung (die ist für Frauen teurer, weil sie länger leben. Ihre Schwangerschaftskosten müssen schon seit einer Weile von den Männern mitgetragen werden). Und es betrifft die Risiko-Lebensversicherung - die ist für Männer teurer, schließlich muss die Lebensversicherung häufiger zahlen. Am Ende werden viele Männer draufzahlen, weil die Rentenversicherung den größten Batzen der Beitragsveränderungen ausmacht.

          Das freut die Männer nicht. Sie sagen: Es ist nun mal statistisch erwiesen, dass Frauen älter werden als Männer. Daran können wir nichts ändern. Warum also sollen wir das längere Leben der Frauen mitfinanzieren? Frauen dagegen drehen die Argumentation gerne um und sagen: Frauen leben nicht naturgegeben länger. Männer sterben bloß früher, weil sie so unvernünftig und risikofreudig leben. Warum also sollen die Versicherungen von ihnen nicht genauso viel kassieren wie von den Frauen?

          Tatsächlich sagen viele Studien, dass die Männer zumindest an einem Teil ihrer Lebensverkürzung selbst schuld sind. Elmar Brähler von der Universität Leipzig nennt als Grund die „sorglose Lebensweise des Durchschnittsmannes“: Er trinkt mehr Alkohol, isst fettiger, raucht häufiger, geht seltener zum Arzt und noch weniger zu Vorsorgeuntersuchungen. Dadurch verschenken Männer einen Großteil ihrer Langlebigkeit selbst, da sind sich sehr viele Forscher einig. Sie gehörten auch häufiger zu denen, die sich Stress so zu Herzen nehmen, dass er ihr Leben verkürzt.

          Sexualhormon als Ursache

          Zusätzlich - möglicherweise gerade wegen ihrer ungesunden Lebensweise - sind Männer anfälliger für bestimmte Krankheiten, die sie früh das Leben kosten, hat die Bevölkerungswissenschaftlerin Cornelia Lange herausgefunden. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegs- und Verdauungserkrankungen wie die alkoholische Leberkrankheit. Zu alldem kommt, dass Männer häufiger bei Unfällen sterben und eher zum Selbstmord neigen. Für den Schweizer Bevölkerungswissenschaftler François Höpflinger stellt „die markante längere Lebenserwartung moderner Frauen kein unumstößliches Naturgesetz dar“.

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