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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Urheberrechtsdebatte in der Piratenpartei Wenn Kunst und Kommerz sich küssen

 ·  Wir steigen den „Verwertern“ aufs Dach. Sagen die Piraten und wettern gegen das Urheberrecht. Ihren Behauptungen fehlt dabei das Fundament. Höchste Zeit, ein paar Dinge gerade zu rücken.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (29)

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Bastian Porzner
Bastian Porzner (BaPo) - 01.05.2012 12:39 Uhr

Wann haben die Piraten gesagt sie wollen das Urheberrecht abschaffen!?

Dieser schlecht recherchierte Artikel hat mich nun letztendlich dazu veranlasst, mich doch mal bei faz.net anzumelden um hier einen Kommentar abgeben zu können. Schlecht zum einen deshalb, da ich Hisako Garanda vollkommen recht geben muss was den Markzugang angeht. Schlecht zum zweiten deshalb, weil 5min auf der Homepage der Piraten ausreichen um zu bemerken, dass der Autor, Herr Hank, nicht verstanden hat worum es den Piraten überhaupt geht. Ich zitiere von der Piraten Homepage:
"Anstatt in einer völlig veränderten Welt an der Vergangenheit festzuhalten, müssen neue Lösungen gefunden werden. Damit es einmal klargestellt ist: Wir Piraten möchten das Urheberrecht nicht abschaffen, sondern vielmehr schützen. Die Erfolge von iTunes, Amazon und netflix beweisen, dass die Nutzer legale Portale wünschen, die den Urheber besser stellen als klassische Vertriebswege."
Wo findet man darin das von Hernn Hank und vielen Künstlern so heftig kritisierte Abschaffen der Urheberrechts!? Im Gegenteil!

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Tobias Metzger

Beseitigung von Knappheit oder Maximierung der Macht?

Beides kann als Prinzip des Wirtschaftens betrachtet werden: Daher ist auch die Beurteilung der Urheberrechtsdebatte abhängig von dem grundsätzlichen Verständnis von gutem "wirtschaften".
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Sämtliche Vergleiche des Urheberrechts mit realen, materiellen Gegenständen sind falsch: Wenn ich einen Diebstahl begehe steht das physische Gut, wofür Grenzkosten entstehen, nicht mehr einem anderen Nutzer zur Verfügung. Die geklaute CD, wofür jemand "bezahlen" musste (in der Hoffnung auf Erlös), wurde entweded, gestohlen oder "geraubt" (bei Androhung von Gewalt).
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Eine Raubkopie hingegen - welch ein dummes Wort: wem wurde "Gewalt" angetan? - schränkt die Nutzung keines anderen Menschen ein. Es entstehen auch keine Grenzkosten.
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Worüber allerdings diskutiert werden muss ist die Anreizwirkung - wenn mit Software etc. kein Geld mehr verdient werden kann, dann werden auch keine Gewinngetriebenen Investitionen mehr getätigt. Ev. entsteht hier ein ähnl. Problem wie in der Grundlagenforschung

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Hisako Garanda
Hisako Garanda (Hisako) - 29.04.2012 10:54 Uhr

Ein bißchen widersprüchlich ist das schon,

einerseits wird das was die Piraten vorschlagen damit kritisiert dass dies den Künstlern kaum die Suppe gönnt, andererseits wird der momentane Zustand wo Nachwuchskünstler froh sein müssen unterzukommen mit "So ist halt der Markt!" gefeiert.

Da stehen sich wohl zwei extreme Seiten ggü. Die einen wollen alles umsonst, die anderen wollen absahnen. Und jeder hat so seine Rechtfertigungen dafür ...

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Franz Holzinger

auch private Fernsehsender sind Verwerter

In der Debatte um die von der Piratenpartei geforderte Beseitigung der "bösen" Verwerter der Medien wird übersehen, daß auch die privaten Fernsehsender Verwerter sind.
Das Privatfernsehen sendet Filme und Musik und ist auf Einschaltquoten angewiesen. Erst dann können sie Werbeeinblendungen verkaufen und damit Geld verdienen. Das Geld wird für den Sendebetrieb und die Bezahlung der Filmhersteller verwendet.
In der Folge der drohenden Zwangsenteignungen werden diese Fernsehsender kaum noch Zuschauer finden, wenn das Internet mit kostenlos erhältlichen Filmen überschwemmt wird. ARD und ZDF dürfen sich also freuen, wenn die privaten Sender allmählich verschwinden und die ÖR Sender den Fernseh-Markt wie in früheren Zeiten beherrschen können.

Und als weitere Verwerter gibt es noch die Online Videohändler, die DVD Verleiher und die DVD Händler. Der Gewinner der Piratenpartei wird dann vor allem Facebook heißen. Denn nun muss jeder viele Freunde haben, um gratis Filme sehen zu können.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 13:04 Uhr
Hisako Garanda
Hisako Garanda (Hisako) - 29.04.2012 13:04 Uhr

Schauen Sie mal auf

auf die southpark Webseite.

Privates, werbefinanziertes Fernsehen im Internet.

Es werden nicht nur die Privatsender verschwinden, in 20 Jahren werden auch die ÖR gehörig zusammenschrumpfen.
Auch DVD-Händler wird es nur noch im selben Maß geben wie heute Schallplattenhändler.

Hat aber nichts mit anderen Rechtemodellen oder Piraterie zu tun, sondern schlicht mit dem Stand der Technik - Bindung von Content an feste Medien bzw. Senden zu festen Zeitpunkten sind technische Beschränkungen die bereits gefallen sind, nur weil die große Mehrheit der Konsumenten noch die altmodische Weise gewohnt ist gibt es überhaupt noch einen Fernsehmarkt im herkömmlichen Sinn.
Wie gesagt, dass hat nichts mit Kostenlos-Mentalität zu tun, dass ist einfach Stand der Technik und muss getrennt betrachtet werden von der Bezahl-Frage. Leider wird das aber oft gleichgesetzt.

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Matthias Ulmer
Matthias Ulmer (mulmer) - 29.04.2012 09:59 Uhr

Falsch bleibt falsch

Auch durch dauerndes Wiederholen wird diese Dummheit nicht richtig. Zunächst ist es seit Jahrhunderten so, dass ein Wissenschaftler öffentlich bezahlt wird, der Druck gefördert und die Literatur dann von Bibliotheken gekauft, ein Ergebnis des aktuellen Urheberrechts ist das also nicht.
Dann wird hier auch nichts drei Mal bezahlt, sondern drei Drittel machen Eins und nicht Drei. Die Gesamtkosten werden auf unterschiedlichem Weg finanziert.
Und drittens haben Sie durch die Steuerfinanzierung eines Gehalts noch kein Anrecht auf den Menschen. Die Sklaverei wurde abgeschafft und es ist skurril, dass Piraten und Informationskommunarden die Sklaverei wieder einführen wollen, bloß weil sie zu geizig zum Zahlen sind.

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Frank Fischell

Schlechtes Beispiel Musikindustrie

Unabhängig davon, ob eventuell Teile des Urheberrechts volkswirtschaftlich vorteilhaft sind, im Falle der Musikindustrie sind sie es wahrscheinlich nicht. Weder ist ist ein Schaden durch Filesharing für die Verwerter belegbar, Verluste scheinen durch Werbeeffekte aufgewogen zu werden, noch scheinen Künstler Nachteile davonzutragen. Im Gegenteil, es gibt durchaus Hinweise darauf, dass die Künstler durch das Internet erheblich profitiert haben (siehe z.B.: Oberholzer-Gee&Strumpf 2009 oder Andersen&Frenz 2007).

Dazu kommt noch ein Missverständnis über volkswirtschaftlichen Nutzen. Es ist dazu nicht nötig, dass jemand Geld verdient. Auch der Konsum eines nicht bezahlten Produktes (gleich ob geschenkt oder geklaut) stellt einen solchen volkswirtschaftlichen Nutzen dar. Entgegen allen Euphemismen steht dem in der digitalen Welt kein Schaden entgegen.

Volkswirtschaftlich kann nur eine dramatische Reduktion der Verwerterrechte die logische Folge sein. Dazu braucht es aber keine Piraten.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 13:10 Uhr
Alex Merck
Alex Merck (AlexM3) - 29.04.2012 13:10 Uhr

Unsinn - und sie zitieren hier eine schon häufig widerlegte Mindermeinung

Ich kenne mehrere Urhberbranchen in mehreren Funktionen sehr gut - und kann nur sagen, das der FAZ-Artikel völlig richtig liegt. Leider müsste man auch aufgrund der verschiedenen Geschäftsmodelle für verschiedene Urheberrechte/Produkte eigentlich noch sehr ausführlicher diese Themen separat behandeln. Zu den Thesen einiger anderer Gast-Kommentare, das ja auch dieser FAZ-Beitrag und die Leserkommentare kostenlos seine, muss man feststellen, das sie nicht kostenlos sind, sondern werbefinanziert wie diverse TV- , Radio- und Internetplattformen. Wenn die Autoren nicht vom Recht des Verschenkens Gebrauch machen bzw. nicht bezahlt werden, ist es illegal. Ansonsten werden sie an dem Ertrag beteiligt. Bei Musik-Kompositionen (nicht bei Musik-Aufnahmen) ist das im Gegensatz zu Artikeltexten nach tausenden von internationalen Diskussionen schon lange sauber geklärt.

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Benjamin Leutner

eine frage bleibt offen:

warum konnte ich diesen artikel umsonst lesen?

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Nicolas Neuß
Nicolas Neuß (nneuss) - 28.04.2012 21:24 Uhr

Erste Annäherung

Die Autoren sagen: "Urheberrechte bestehen 70 Jahre nach dem Tod des Autors, Patente werden 20 Jahre gewährt. Zugegeben, das ist ein bisschen willkürlich."
Nun gut, da gibt es ja offensichtlich ein Problem, das sowohl den Piraten als auch Ihnen aufgefallen ist. Also, lösen wir es. Wie wäre es mit: Beides ist 25 Jahre nach Veröffentlichung geschützt, danach für die Allgemeinheit frei verfügbar. Damit könnten wahrscheinlich alle gut leben.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 30.04.2012 03:01 Uhr
Eduardo Preuß
Eduardo Preuß (windei) - 30.04.2012 03:01 Uhr

Leider nein

Das Problem ist, daß von einem kurzen Urheberrecht nur die profitieren, die die Werke verramschen. D.h. mit viel Macht, schnell auf den Markt drücken.
Wenn ein Bild z.B. bei Ikea in der Posterecke ist, wird es schnell zigtausendfach weltweit verkauft (sofern es ansehnlich ist), auch wenn es kostenlos im Web zu haben wäre. Ikea macht trotzdem (Zig-)Tausende Euro Gewinn. Allein schon, weil sie in der Auflage für ein paar Cent pro Stück produzieren können.
Wenn ein kleiner Urheber hingegen versucht seine Poster zu verkaufen, wird in kleiner Auflage der Preis häufig über dem Verkaufspreis von Ikea liegen. Druck er in einer höheren Auflage, muss er Tausend(e) Euro vorschiessen und hat dann so viele Bilder, die er selbst in 25 Jahren kaum verkauft bekommt, allein weil er schon nicht den Vertrieb hat.
Daß Patente nur 20 Jahre gelten hat übrigens den Grund, daß sie die Entwicklung der Menscheit behindern können, eine Sache, die man von einem Kunstwerk selbst optimistisch kaum behaupten kann

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Karl Dietrich Naumann

Stopp !

Dazu gehört natürlich auch die Prüfung , handelt es sich um einen Urheber oder um
ein Original. Es kann doch nicht sein, dass nur unliebsame Politiker geprüft werden
ob sie abgeschrieben haben. Ohne das ist es mit Patenten nicht vergleichbar und auch ein Schutz von 25 Jahren noch zuviel !

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Helge Hildebrandt

Gleiches Problem bei Urteilen ...

Nach deutschem Urheberrecht sind Gerichtsentscheidungen in Deutschland “gemeinfrei”, d.h. jeder darf sie kostenlos kopieren und veröffentlichen. Denn die Urheber der Urteile – die Richter – werden für ihre Arbeit von der Solidargemeinschaft der Steuerzahler bezahlt. In der Praxis wird der Zugang zu Judikaten über das Internet in Deutschland allerdings erheblich erschwert: Bund und Länder haben mit Datenbankbetreibern – allen voran der Juris GmbH – exklusive “Lieferverträge” abgeschlossen. Kaum ein Anwalt kann und erst Recht kein Bürger wird sich einen Datenbankzugang leisten (wollen). Hierüber hat jüngst der SPIEGEL ausführlich und gut recherchiert berichtet (Jura-Datenbanken: So verdienen Finanzinvestoren am Verkauf deutscher Urteile). Wer sich weiter informieren will, dem sei der Beitrag im Blog De Legibus “Juris im Spiegel des SPIEGEL” mit zahlreichen weiterführenden Links empfohlen.

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Martin Hofmann-Apitius

Dieser Beitrag ...

.. ist äußerst einseitig. Er blendet vollkommen aus, welchen fatalen Effekt das aktuelle Urheberrecht auf die Wissenschaft hat. Dort ist es so, dass der Steuerzahler den Wissenschaftler dafür bezahlt, neues Wissen zu generieren. Dann schreibt dieser Wissenschaftler seine Ergebnisse auf und reicht die Publikation bei einem Wissenschaftsverlag ein. Andere Wissenschaftler begutachten dann diese Publikation - ohne Honorar. Die Verlage gehen selbstverständlich davon aus, dass die anderen Wissenschaftler ("wegen der wiss. Qualität") diesen Mehrwert-schaffenden Job auf Kosten des Steuerzahlers machen. Anschließend druckt der Verlag die Publikation bzw. macht sie online zugänglich. Allerdings muss hier der Steuerzahler schon wieder zahlen (und das bei Subskriptionen JEDES JAHR wieder!), um den von ihm selbst finanzierten "content" überhaupt verfügbar zu machen (über Bibliotheken).
Wissenschaftsverlage behindern den Zugang zu Wissen. Sie behindern den Fortschritt der Wissenschaft. Jeden Tag.

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 12:53 Uhr
Martin Haas

Hisako Garanda

Dafür gibt es ja die Privatkopie. Wenn sie befürchten, dass Ihre CD kaputt- oder verlorengeht, dürfen Sie sich, völlig legal, Privatkopien davon anfertigen, auch fürs Auto.

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Jan Haubrich

Wissenschaft, Forschung und Urheberrecht.

Sie scheinen sich leider im wiss. Betrieb nicht so sehr auszukennen, aber ich versuche Ihnen einmal an einem Beispiel das Problem zu erläutern.

Als Wissenschaftler gilt "publish or perish", und publizieren sollte man immer in Journalen mit "hohem Impact Factor". Dahinter steckt die Logik, dass in angeseheneren Journalen die "Peer Review" Gutachter kritischer urteilen und nur beste Artikel zulassen, was sich aber bereits häufig als unwahr gezeigt hat. Der Klüngel hat aufgrund von gestiegenem Erfolgs- und Föderungsdruck stark zugenommen, und solche Faktoren sind, nüchtern betrachtet, eher sinnlos.

Das Problem ist, dass dies Gutachertätigkeit und genauso wie die Forschung selbst ausschießlich aus öffentlichen Mittel gezahlt werden (nicht vom Verlag), aber die Ergebnisse von den Verlagen sehr teuer verkauft werden und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Viele Unbibliotheken müssen Journale abbestellen, was die Forschung erschwert und zu Fehlern führen kann und muss. Sinnvoll?

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Hisako Garanda
Hisako Garanda (Hisako) - 29.04.2012 11:10 Uhr

Ja, aber was haben Sie denn gekauft?

1000 Stück CDs - was wenn eine kaputt geht?

Dann müßten Sie nach bisherigem Verständnis nochmal ehrlich eine kaufen - andererseits kann man argumentieren dass der Künstler Ihnen ja nicht die CD als solche verkaufte, sondern das Recht darauf die Lieder zu hören.
Das war bisher kein Thema, weil der Aufwand der Kopie so groß war dass Musik usw. stark ans physikalische Medium gebunden waren und es jeder für selbstverständlich hielt dass man ein Buch kauft wie eine Lampe oder sowas.

Nur sind halt durch den technischen Fortschritt die Realitäten anders geworden - die Kopie des geistigen Werks kostet nichts mehr. Nur das geistige Werk als solches bzw. der Vermarktungsaufwand kann noch als Kostenfaktor gelten.

Daher stehen wir heute vor der Herausforderung neu zu klären was es denn heißt Sie haben Musik "ehrlich" gekauft.

Ihr Neffe liegt sicher falsch, er bezahlt gar nichts.
Aber wäre es denn richtig dass Sie die CD bei Verlust ein zweitesmal bezahlen - oder auch nur fürs Auto?

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Rainer Brombach

Wo ist das Problem?

Auch Wissenschaftler wollen Geld verdienen. In unserem heutigen System verdienen sie durch ihr moderates Gehalt und Zusatzeinnahmen aus der Veröffentlichung von Urheberrechtswerken. Sie kritisieren daher nichts anderes, als dass publizierende Wissenschaftler zu hohe Einkommen haben.

Dann sollten Sie aber fairerweise laut und deutlich für Lohnkürzungen eintreten.

Oder meinen Sie, dass sich an der Kostenbelastung des Steuerzahlers etwas entscheidendes ändert, wenn die Gehälter der Wissenschaftler angehoben werden, der Staat dafür aber die Nutzungsrechte für ihre wissenschaftlichen Werke kostenlos erhält?

Das derzeitige System hat übrigens den Vorteil, dass es gute wissenschaftliche Leistungen belohnt. Abhandlungen über bahnbrechende Forschungen verkaufen sich nunmal deutlich besser, als Wiederholungen von Altbekanntem. Dadurch erhalten Spitzenforscher ein höheres Einkommen als durchschnittliche Wissenschaftler. So soll es eigentlich auch sein, oder etwa nicht?

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Achim Koch
Achim Koch (docarpad) - 29.04.2012 02:23 Uhr

Meine Güte ...

was für eine naive Vorstellung vom Wissenschaftsbetrieb. Ohne dieses System gibt es gar keinen Grund mehr überhaupt noch zu publizieren. Aber die Zahl derjengigen, die Copy & Paste für Wissenschaft halten nimmt offensichtlich immer mehr zu

Das ist das Problem an der ganzen Debatte: ich habe mir im Laufe meines Lebens eine Bibliorhek von wissenschaftlicher und natürlich auch anderer Literatur und mehr als 1000 CDs ehrlich zusammengekauft. Mein 19-jähriger Neffe hält das für völlig bescheuert. "Onkel, ich habe gerade 10.000 Songs umsonst von meinem Kumpel auf die Festplatte kopiert. Du bist doch blöde, wenn du dafür Geld bezahlt hast." Wenn ich Dann sage, dass Küstler auch von was leben müssen, schaut er nur verständnislos und meint: "Madonna hat doch schon genug Kohle." Es geht aber nicht um Madonna. Es geht um Bob Dylan, Alvin Lee, Pink Floyd und wen auch immer. Aber da schaut er nur verständnislos. Die sind doch nicht wichtig, denn die sind auch nicht in den aktuellen Charts. :-)

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Harald Berlin

In Deutschland wird das Internet zensiert...

In Deutschland wird das Internet zensiert. Mehr muss ich nicht wissen über die Urheberrechtsdebatte. Ich finde das so dermaßen schockierend und skandalös, dass ich alleine deshalb schon die Piraten wähle.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 09:02 Uhr
Rainer Brombach

Im Gegenteil

Im Gegenteil haben Sie in Deutschland unbeschränkten Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken. Soweit diese legal im Netz veröffentlicht wurden, dürfen sie sich für private Zwecke sogar eine Kopie ziehen, und zwar kostenlos. Ansonsten müssen Sie einfach nur den üblichen Preis bezahlen.

Nach Ihrer Logik wäre die "Zensur" nicht auf das Netz beschränkt. Auch die Papierausgabe der FAZ oder ihrer Mitbewerber und sämtliche Bücher wären von Zensur betroffen. Denn sie bekommen nichts davon umsonst, sondern müssen überall den Kaufpreis entrichten.

Das Internet wäre somit weit weniger zensiert als die reale Welt. Immerhin gibt es hier jede Menge kostenloser Zeitungsangebote. Während Sie in ihrem Briefkasten kostenlos allenfalls irgendwelche Anzeigenblätter erhalten.

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Dietmar Blum

Mit Verlaub

...Zensur, wenn Jemand sein Eigentum schützt?

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Ronny Schaffer

Die Wahrheit ist wohl wieder mittig

Auf der einen Seite: anarchische Piraten, die im kollektiven Bewusstsein zu Hause sind und dort eine Art geistigen Sozialismus ausbauen, zusätzlich konditioniert durch die Aversion gegen eine Wiederverwertungs- und Rekombinationsindustrie, die immer mehr weg von Kunst zu rechtlich geschütztem Konsumentertainment tendiert.
Auf der anderen Seite: Verfechter des strengen Rechts und dem zu schützenden individuellen geistigen Output in marktwirtschaftlichem Rahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts und des Erhalts einer Kunst-als-Ware-Kultur. Wie jedes andere Produktionsmittel auch, wird die Materialisierung einer Idee in "künstlerischer" Form zum schützenswerten Objekt, dass gegen schnorrerhafte Selbstbedienung abgesichert werden muss.

Die Wahrheit liegt wohl wieder in der Mitte. Ein 70 Dekaden dauerndes Urheberrecht der heutigen hektischen Zeit hat ist genauso extrem wie eine unverbindliche Gratiskultur inmitten einer hochentwickelten Marktwirtschaft, zu der auch ein Künstler gehört.

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Karl Dietrich Naumann

Hybris !

In die Musikszene wird durch die verschiedensten Abzockersysteme viel zu viel Geld gepumpt
und deshalb können sich noch die abstrusesten Typen nach vorne drängeln und den großen
Reibach machen. Wir erleben zur Zeit bestimmt nicht die Blüte der Musikkunst, das war in den Zeiten von Bach, Händel, Mozart , Beethoven, Bruckner, Strawinski u.a. der Fall. Heute ist das Zeitalter der Informationstechnik, die im Vergleich zu vergangenen Zeiten eine wahre Blüte erfährt. Die Vertreten der Musikbranche haben es verstanden mit diesen exponentiell weiter verbreitenten Medien ihre Kassiersystem weitgehend zu erhalten und damit riesige Umsätze zu machen. Die Zeitungen schüren den Neid gegen die Bezahlung von verdienstvollen Managern, die hunderttausende in Lohn und Brot bringen, über die uferlosen Einnahmen von vielen "Schreihälsen" wir noch nicht einmal berichtet. Was ist denn bei diesen "Urhebern"
wirklich schützenswertes Original, das sind weitgehend "Gutties", es prüft ja keiner wie Patente!

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Hagion Pneuma

Der letzte Absatz sagt alles

Wer in der Verteidigung des sog. "geistigen Eigentums" nicht mehr weiter weiss, kommt immer mit unpassenden Vergleichen mit der materiellen Welt. Sonst koennte er ja auch keine Empoerung hervorrufen. Wer meint, es waere mit "besseren Detektiven" getan, hat von der Entwicklung des Filesharings von Napster ueber eDonkey und Bittorrent zu Filehostern nichts mitbekommen. Jeder Angriff der Content-Industrie gegen das Internet fuehrt nur zu einer Verlagerung des Traffics.

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Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 30.04.2012 03:15 Uhr
Eduardo Preuß
Eduardo Preuß (windei) - 30.04.2012 03:15 Uhr

Leider falsch

Man muss nicht lückenlos überwachen, um eine Steuerfunktion zu erhalten. Diese bekommt man auch mit stichprobenartigen Kontrollen hin. Siehe Strassenverkehr.
Überhaupt, wäre das nicht eine interessante Lösung? Einführung von "Bussgeldkatalogen", wie im Strassenverkehr, aber nicht mit Geldstrafen und Punkten, sondern mit abzuleistender sozialer Arbeit. Erstverstoss Urheberrechtsverletzung, ein Film, das macht laut Katalog 10 Sozialstunden. Bei schwereren Verstößen und Wiederholungen eben mehr. Wer versucht hat, seine Tat zu "verschleiern", der wird gleich härter bestraft.
Gegen den Bescheid kann (wie beim Strassenverkehr) Einspruch eingelegt werden, dann geht es vor Gericht.
So würde zum einen die Abmahnungsabzockerei beseitigt, zum Anderen solche Taten grundsätzlich bestraft, es ist keine lückenlose Überwachung nötig und die sozialen Einrichtungen freuen sich auch über Hilfe, wobei die Täter vielleicht sogar etwas soziale Verantwortung lernen.

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Lars Tragl

Ganz einfach...:

Wenn die Möglichkeiten des Downloads von Musik, Filmen, Programmen, etc. eingeschränkt werden, findet sich ein anderer Weg, um an das Gewünschte zu kommen. Für jede Tür, die das Warenhaus dem Dieb verschließt, öffnen sich mehrere neue. Stellen Sie sich das Internet wie ein großes Gebäude vor, in das man unendlich viele Zugänge einbauen kann. Das läßt sich durch Detektive nicht überwachen, diese Argumentation geht leider an der praktisch-technischen Wirklichkeit vorbei.

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Rainer Brombach

Freiheit im Netz ohne Regeln?

Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ein freies Netz funktionieren kann ohne Regeln, deren Einhaltung kontrolliert wird.

Ein Gutteil dieser Urheberrechtsdiskussion resultiert aus der grundsätzlich falschen Behauptung, der Staat sei der Feind eines freien Internets. Ein freiheitlicher Staat ist aber der Garant eines freien Netzes und nicht umgekehrt. Ermittlungsbehörden garantieren die Freiheit des Einzelnen im und außerhalb des Netzes. Ohne diesen Staat ist das Individuum Verleumdungen, Betrügereien oder Spionageangriffen im Netz hilflos ausgeliefert. Ein Netz ohne Ermittlungsbehörden ist daher kein Paradies der Freiheit, sondern ein Tummelplatz für Verbrecher, indem die 5% Skrupellosesten die anderen 95% nach Strich und Faden über den Tisch ziehen.

Kino.to wurde fast ausschließlich über die Werbung für Abofallen finanziert. Wer sich auf diese Seiten begab, war den Kriminellen schutzlos ausgeliefert.

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Dietmar Blum

Das heißt für den Laien?

Gibts eine deutsche Übersetung im Netz?
Kostenlos natürlich!

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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