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Unternehmenssanierung Feuerwehreinsätze für Berater

18.08.2008 ·  Gewinneinbrüche, Einstellungsstopps, milliardenschwere Abschreibungen - es gibt eine Berufsgruppe, die sich über Negativschlagzeilen aus der Unternehmenswelt freut: Restrukturierungsberater. Doch ob die Sanierungsspezialisten ihre Honorare wert sind, ist umstritten.

Von Julia Löhr
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Gewinneinbrüche, Einstellungsstopps, milliardenschwere Abschreibungen - es gibt eine Berufsgruppe, die sich über Negativschlagzeilen aus der Unternehmenswelt freut: Restrukturierungsberater. Ihre Stunde schlägt, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, wenn die Verantwortlichen der Unternehmen nicht mehr über Wachstumsstrategien sinnieren, sondern den Rotstift zücken.

Entsprechend zufrieden hören sich die Berater derzeit an, wenn man sie nach ihrer Auftragslage fragt: „Die Nachfrage hat sich deutlich erhöht“, sagt etwa Roman Zeller, Geschäftsführer von Alix Partners. „Unser Geschäft verdoppelt sich in einem Zeitraum von zwei Jahren“, sagt Peter Briggs, Geschäftsführer von Alvarez & Marsal.

Unternehmensberater in Führungspositionen

Von klassischen Unternehmensberatern unterscheiden sich die Restrukturierer dadurch, dass sie nicht nur hochglänzende Präsentationen erstellen, sondern auch für begrenzte Zeit Führungspositionen in Unternehmen besetzen. Interimsmanagement heißt diese Dienstleistung.

Die angelsächsisch geprägten Gesellschaften Alix und Alvarez & Marsal nehmen eine Vorreiterrolle ein, was solche Feuerwehreinsätze auf Führungsetagen angeht. Sie sind seit fünf Jahren auf dem deutschen Markt aktiv. Einer der Partner von Alix, Michael Baur, ist beispielsweise seit Juli als Geschäftsführer für den Frankfurter Versandhändler Neckermann.de im Einsatz. Es ist nicht Baurs erste Aufgabe dieser Art; er arbeitete unter anderem schon als Interimsmanager für Karstadt-Quelle.

Ihre Aufträge erhalten die Krisenberater häufig von Finanzinvestoren und Beteiligungsgesellschaften, die sich an angeschlagenen Unternehmen beteiligen und diese möglichst schnell möglichst gewinnbringend verkaufen wollen. Gelegentlich kommen die Anrufe auch direkt von Konzernen und Mittelständlern, in denen ehrgeizige Manager nach bisher unentdeckten Sparmöglichkeiten fahnden.

Nicht immer sind die Ergebnisse zufriedenstellend

Im Moment steige besonders die Nachfrage von Finanzinvestoren und von den Unternehmen selbst, berichten die Beratungsgesellschaften. Was Unterschiede in der Herangehensweise mit sich bringt: „Anfragen von Unternehmen kommen in der Regel in einem frühen Stadium“, sagt Alvarez-&-Marsal-Mann Briggs. „Wenn uns Finanzinvestoren ansprechen, ist häufig schon die Liquidität knapp.“

Doch die Dienste der Sanierer sind umstritten, immer wieder wird Kritik an der Beratungsindustrie rund um kriselnde Unternehmen laut. So wurde erst kürzlich bekannt, dass der Modellbahnhersteller Märklin von Alix angeblich eine siebenstellige Summe zurückfordern soll, aus Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Berater. Märklin will sich dazu nicht äußern, und auch Alix hüllt sich in dieser Frage in Schweigen.

Schon vor einigen Monaten stand Alix in der Kritik, auch damals ging es um angeblich siebenstellige Honorare, die Alix dem Möbelhersteller Schieder in Rechnung gestellt haben soll. Schieder meldete im vergangenen Sommer Insolvenz an.

Erfolgsabhängige Honorare senken das Konfliktpotential

Wie hoch ihre Tagessätze sind, dazu äußern sich die Berater nicht. Die kolportierten Wochensätze von zum Teil mehr als 17 000 Euro „entsprechen sicherlich dem international üblichen Niveau“, sagt Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Er sieht in den Restrukturierungsberatungen keine schwarzen Schafe der Branche, sondern verteidigt deren Konzept, Berater als Manager in für sie bisher fremden Unternehmen einzusetzen: „Meistens ist es sinnvoll, jemanden von außen zu nehmen, der sich die Sache nüchtern ansieht.“

Eine Möglichkeit, das Konfliktpotential zwischen Beratern und Beratenen zu senken, sind erfolgsabhängige Honorare. Alix bietet nach eigener Aussage fast in jedem Projekt eine erfolgsabhängige Komponente an, rund die Hälfte der Honorarvereinbarungen sei ein Mix aus festen und variablen Bestandteilen, sagt Alix-Geschäftsführer Zeller. Erfolgsabhängige Honorare sind im Segment der Restrukturierungsberatung verbreiteter als in anderen Zweigen der Beratungsbranche. Zum einen, weil der Druck auf die Berater größer ist. Zum anderen, weil sich ihre Arbeit oft um die Verbesserung von Finanzkennzahlen dreht, so dass sich der Erfolg vergleichsweise gut nachprüfen lässt.

Stellenwert wird steigen

Wenn die Besitzer angeschlagener Unternehmen Hilfe suchen, verschaffen sich die Berater einen Überblick über die liquiden Mittel, schulden Kredite um, treiben offene Rechnungen ein - oft gemeinsam mit Investmentbanken und Rechtsanwälten. Der Stellenwert von solchen Finanzfragen wird nach Einschätzung von Alvarez-&-Marsal-Geschäftsführer Briggs noch steigen. In vielen Unternehmen werde sich die finanzielle Situation verschärfen: „Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland im kommenden Jahr eine Kreditklemme geben wird.“

Alix und Alvarez & Marsal sind nicht allein auf weiter Flur. Auch klassische Unternehmensberatungen bieten Hilfe im Krisenfall an, allen voran Roland Berger Strategy Consultants, die hierzulande als die Restrukturierungsexperten unter den großen Beratungsmarken gelten. Etliche Alix-Berater haben früher für Roland Berger gearbeitet. Seit einiger Zeit bieten auch Roland-Berger-Partner Zeitarbeit in Managementpositionen an, zu diesem Zweck wurde eigens die Tochter Turnround Management gegründet.

Viele Unternehmen haben zu kämpfen

Aufgerüstet hat auch die mittelständische Beratungsgesellschaft Droege International aus Düsseldorf. Seit Anfang April leitet dort Derrick Noe, ehemaliger Finanzvorstand des Holzwerkstoff-Herstellers Pfleiderer, den Bereich Sanierung und Restrukturierung sowie die Aktivitäten im Interimsmanagement, eine Position, die Droege neu geschaffen hat. Seit Anfang August verstärkt außerdem Gustavo Möller-Hergt diesen Bereich. Er war bis September vergangenen Jahres Chef der Brauerei Warsteiner.

Ähnlich wie seine Kollegen glaubt auch Noe nicht, dass ihm so schnell die Arbeit ausgeht, registriert auch Noe einen deutlichen Anstieg der Aufträge. „Zu kämpfen haben vor allem Unternehmen mit starkem Amerika-Bezug, Autozulieferer und die Konsumgüterindustrie“, beobachtet er. Dass die Unternehmen angesichts der vielen schlechten Zahlen in diesen Tagen frühzeitiger gegensteuern, glaubt Noe nicht. „Die wenigsten handeln proaktiv“, lautet seine Erfahrung. Da könnten die Nachrichten noch so schlecht sein.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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