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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Unternehmensführung Amerikanische Experten geben deutschen Firmen schlechte Noten

 ·  Die Unternehmensführung deutscher Großkonzerne ist im weltweiten Vergleich nur Mittelmaß. Das ist das Ergebnis einer Studie. Bestes deutsches Unternehmen war Siemens.

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Die Unternehmensführung deutscher Großkonzerne ist im weltweiten Vergleich nur Mittelmaß und hängt amerikanischen und britischen Aktiengesellschaften hinterher. Das ist das Ergebnis einer Studie der unabhängigen amerikanischen Agentur Governance Metrics International (GMI). Nach Informationen dieser Zeitung schnitt dabei unter den im Aktienindex Dax abgebildeten Gesellschaften der Elektrokonzern Siemens am besten ab. Die Deutsche Telekom war das Schlußlicht.

Die Agentur GMI hat die Führung (Corporate Governance) von 2100 Unternehmen aus zwanzig Nationen anhand zahlreicher selbst gewählter Faktoren bewertet. Dazu gehören die Information der Anleger, die Vergütung der Spitzenmanager, interne Kontrollmechanismen, Aktionärsrechte, Vorkehrungen gegen Übernahmeversuche oder die Zusammensetzung des Verwaltungs- oder Aufsichtsrats des Unternehmens.

Kanadier auf dem Spitzenplatz

Die 34 bewerteten deutschen Unternehmen, darunter alle Dax-Mitglieder, kamen auf einer Skala von 1 bis 10 nur auf einen Durchschnittswert von 5,5. Weltweit liegt Deutschland damit gemeinsam mit Schweden auf dem achten und im europäischen Vergleich auf dem fünften Platz. Das beste Ergebnis wiesen kanadische Unternehmen mit einer Durchschnittsnote von 7,6 aus. Darauf folgten amerikanische (7) und australische Unternehmen (6,9). Die Briten kamen als beste Europäer mit der Note 6,7 im weltweiten Vergleich auf Rang vier.

"Es wäre aber ein Fehler, daraus zu schließen, daß es in diesen Märkten nur geringe Governance-Risiken gebe", sagte Gavin Anderson, der Vorstandschef von GMI. Auch dort gebe es weiterhin Unternehmen, deren Praktiken Investoren Anlaß zur Sorge geben müsse. Den letzten Platz im globalen Vergleich bekleideten japanische Unternehmen mit der Durchschnittsnote 3.

Mehr Gewinne, höhere Dividende, risikoärmer

Die Diskussion um Corporate Governance war seit den amerikanischen Bilanzskandalen um Enron lauter geworden. In Europa hat sie durch den jüngsten Skandal um Parmalat an Aktualität gewonnen. Für Anleger ist das relevant, weil es einen generellen Zusammenhang zwischen Aktienkurs und guter Führung zu geben scheint.

Eine Studie der Georgia State University kam zum Ergebnis, daß Unternehmen mit höheren Standards bei der Unternehmensführung eine bessere Aktienkursentwicklung aufweisen, mehr Gewinne machen, höhere Dividenden zahlen und risikoärmer sind.

Kein Ersatz für fundamentalte Aktienbewertung

Eine Untersuchung des Fondsinformationsdienstes Lipper befand, daß über einen Zeitraum von drei und fünf Jahren Investmentfonds besser abschneiden, die Unternehmen mit überdurchnittlichen Governance-Werten im Portfolio haben. GMI-Chef Anderson weist aber darauf hin, daß Governance-Bewertungen kein Ersatz für fundamentale Aktienbewertungen sein können. Unternehmensführung sollte aber in das Gesamtbild mit einfließen.

General Electric, General Motors und Vodafone

Zu den 22 Unternehmen, die in der GMI-Studie die Bestnote 10 erhalten haben, gehören der amerikanische Mischkonzern General Electric, der Autohersteller General Motors und das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone. "Wir kommen zu diesen Ergebnissen, indem wir die Unternehmen miteinander vergleichen", erläutert Anderson. Daher handele es sich bei der Note 10 auch nicht um einen theoretischen Goldstandard. Diese Unternehmen hätten einzig im Verhältnis zu den anderen die beste Unternehmensführung.

Siemens erhielt als bestes deutsches Unternehmen die Note 7. "Siemens bietet Anlegern einen hohen Grad an Transparenz", sagte Anderson. Siemens folgen sieben Unternehmen mit einem Wert von 6,5, zu denen der Pharmakonzern Bayer gehört.

Ganz am Ende: RTL Group

Das schlechteste Ergebnis (2) wies der nicht im Dax vertretene Medienkonzern RTL Group auf. Die Deutsche Telekom war mit der Note 3,5 insgesamt das Unternehmen mit der zweitschlechtesten Governance. Bei der Telekom war ein großer Kritikpunkt, daß sie wegen der hohen Beteiligung der Regierung vor einer versuchten Übernahme sicher ist. Derart spezifische Punkte sind allerdings nicht ausschlaggebend. "Das gesamte Bewertungssystem ist darauf angelegt, ein Gesamtbild über die Führung zu geben", sagte Anderson.

Deutschland überdurchschnitt bei Umweltfragen und Mitarbeiterführung

Generell erhielten deutsche Unternehmen überdurchnittliche Noten beim Verhalten gebenüber Mitarbeitern oder bei Umweltfragen. Positiv ging in die Bewertung auch ein, daß die Konzerne allgemein kaum über Abwehrmechanismen gegen Übernahmen verfügen. Allerdings gab es schlechte Werte bei der Offenlegung von Gehältern oder Finanzinformationen. Deutsche Unternehmen informierten ihre Aktionäre im globalen Vergleich auch schlechter über die Verantwortlichkeit des Aufsichtsrats oder Kontrollmechanismen. Die Bewertung wurde zudem durch die Mitbestimmung negativ beeinflußt, weil damit der Aufsichtsrat zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern, also nicht unabhängigen Mitgliedern, besteht. Zudem hätten 26 der 34 bewerteten Unternehmen einen Großaktionär, der mindestens 10 Prozent der Stimmrechte kontrolliert.

Spezifische Punkte bei Unternehmen, die Investoren Anlaß zur Sorge geben sollten, identifiziert GMI mit einer roten Warnflagge. Eine hat der Dialyse-Konzern Fresenius Medical Care mit der Gesamtnote 6,0 bekommen, weil die Muttergesellschaft Fresenius AG mehr als 50 Prozent der Aktienstimmrechte hält und eine Übernahme dadurch schwierig würde.

Quelle: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2004, Nr. 64 / Seite 17
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