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Zweite Karriere : Schröder berät die Investmentbank Rothschild

  • Aktualisiert am

Fünfstelliges Gehalt bei Rothschild: Schröder Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Gerhard Schröder hat sein drittes bezahltes Mandat angenommen. Er berät den Schweizer Ringier-Verlag, leitet den Aufsichtsrat der deutsch-russischen Pipeline-Gesellschaft und rückt nun in den Beirat der Investmentbank Rothschild.

          Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Berater der Investmentbank Rothschild. Wie in Finanzkreisen zu hören ist, wird Schröder in den Europäischen Beirat (European Advisory Council) des traditionsreichen Bankhauses eintreten. Dort soll er seine internationale Expertise, vor allem in Wachstumsregionen wie Osteuropa, Rußland, Türkei und China, einbringen.

          Um allein schon den Anschein von Interessenkonflikten zu vermeiden, wird Schröder dagegen nicht im Deutschland-Geschäft beraten. Die Bestellung Schröders wird Rothschild aller Voraussicht nach an diesem Freitag bekanntgeben.

          Nur ein halbes Jahr nach seiner Abwahl als Bundeskanzler verfügt Schröder, der sich auch von der New Yorker Redner-Agentur Harry Walker hat unter Vertrag nehmen lassen, damit schon über drei bezahlte Mandate als Berater oder Aufsichtsrat.

          Rothschild genießt hohe Reputation

          Er unterschrieb einen Beratervertrag bei dem Schweizer Ringier-Verlag, und er wird Aufsichtsratsvorsitzender der North European Gas Pipeline Company, eines Gemeinschaftsunternehmens des russischen Energieriesen Gasprom und der deutschen Unternehmen Eon Ruhrgas und BASF. Am Mittwoch nächster Woche findet in Moskau die konstituierende Sitzung dieser Gesellschaft statt, die eine 1200 Kilometer lange Gasleitung durch die Ostsee bauen wird.

          Die Berufung in den Beirat von Rothschild wird für Schröder finanziell weit weniger lukrativ sein als die Aufgaben bei der Pipeline-Gesellschaft, dem Ringier-Verlag oder als seine Auftritte als Redner wie zuletzt bei dem umstrittenen österreichischen Hedge-Fonds Superfund. Oft werden Beiratspositionen in Banken nur mit einem mittleren fünfstelligen Honorar pro Jahr vergütet. Mit Rothschild hat Schröder, dem zahlreiche Angebote aus Industrie und Banken vorgelegen haben, freilich eine gute Wahl getroffen, heißt es in der Branche. Denn die Investmentbank genießt als Berater bei Übernahmen und Fusionen eine hohe Reputation.

          Seine Wurzeln hat Rothschild im jüdischen Ghetto von Frankfurt, wo Mayer Amschel Rothschild Ende des 18. Jahrhunderts eine Bank gründete. Seine Söhne schwärmten Anfang des 19. Jahrhunderts in die europäischen Metropolen aus und begründeten somit eine Finanzgruppe, die im Hochadel und in der Politik bestens vernetzt war. Heute beschäftigt Rothschild weltweit mehr als 2000 Mitarbeiter, davon rund 1400 in Europa.

          Zwei Beiratssitzungen im Jahr

          Der Kopf hinter der ausschließlich auf das Beratungsgeschäft konzentrierten Investmentbank ist Mehrheitsgesellschafter Baron David de Rothschild in Paris. Er war es auch, der im Januar den Kontakt zu Schröder geknüpft haben soll. In seinem Europäischen Beirat hat der Chairman der Rothschild-Gruppe eine ganze Reihe prominenter Namen um sich geschart. Den Vorsitz hat Lord George inne, der ehemalige Gouverneur der Bank von England.

          Daneben sitzen zahlreiche ehemalige Unternehmensführer in dem Gremium, darunter Doug Daft (Coca-Cola) oder Pehr Gyllenhammar (Volvo). Einziger Deutscher ist bisher Klaus Mangold, vormals Vorstandsmitglied bei Daimler-Chrysler. Mangold ist seit gut zwei Jahren auch Beiratsvorsitzender der deutschen Rothschild GmbH und hat als solcher auch noch einen Beratervertrag mit der Bank.

          Schröder hingegen wird keinen zusätzlichen Beratervertrag haben. Er wird lediglich an den zwei oder drei Beiratssitzungen im Jahr teilnehmen. Dennoch ist er damit eng an das Haus Rothschild gebunden. Mandate bei anderen Finanzdienstleistern kommen für ihn de facto nicht mehr in Frage.

          Expertise von Politikern

          Es ist inzwischen auch hierzulande nicht mehr ungewöhnlich, daß Banken das Netzwerk und die Expertise von Politikern anzapfen (siehe auch: Prominente Wechsel: Schröder nicht allein). Lothar Späth ist Deutschlandchef der Investmentbank Merrill Lynch, die Citigroup hat unlängst den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement als Berater verpflichtet, und die Deutsche Bank hat den vormaligen Finanzstaatssekretär Cajo Koch-Weser zum Vice Chairman bestellt.

          Schröders Vorgänger als Bundeskanzler Helmut Kohl war mehrere Jahre Beiratsmitglied der Credit Suisse. Wim Kok, der langjährige Regierungschef der Niederlande, sitzt in den Aufsichtsräten von ING Group, Royal Dutch Shell, TNT und KLM.

          Quelle: dri., F.A.Z., 24.03.2006, Nr. 71 / Seite 13

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