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Risikoabsicherung

Zurich Insurance unter Ackermann Schwache Ergebnisse und viele Managementwechsel

Der nach dem Selbstmord des Finanzvorstands in die Schlagzeilen geratene Versicherungskonzern Zurich Insurance ist gegenüber der Konkurrenz in Europa zurückgefallen.

© REUTERS Vergrößern Zurich-Logo auf einem Gebäude in Bern

Im Versicherungskonzern Zurich Insurance Group (ZIG) sollen unabhängige Prüfer klären, ob auf den Finanzvorstand Pierre Wauthier, der Anfang vergangener Woche Selbstmord begangen hatte, ein „ungerechtfertigter Druck“ ausgeübt wurde. Die Prüfung zielt auf den zurückgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Josef Ackermann. In einem von angeblich zwei Abschiedsbriefen soll Wauthier Ackermann einer „aggressiven Gesprächskultur“ bezichtigt haben, die sich in erster Linie gegen ihn richtete.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Unzweifelhaft ist, dass der Verwaltungsratspräsident nach seinem Amtsantritt am 1. Juni 2012 Dampf machte. Über die Frage, ob er dabei wenig Rücksichten kannte, gehen die Meinungen auseinander. Zumindest regierte er stark in das Unternehmen hinein. Vorstandsvorsitzender Martin Senn, der Ackermann aus gemeinsamen Tagen in der Credit Suisse kannte, scheint dies akzeptiert zu haben. Gegenüber der „NZZ am Sonntag“ ergänzte er, ein behaupteter Druck speziell auf Wauthier sei in den Sitzungen zwischen Verwaltungsrat und Konzernleitung „nie thematisiert worden“. Und noch wenige Tage vor dem Selbstmord habe „Pierre“ auf gemeinsamen Präsentationen vor Investoren in London topfit gewirkt.

Böse Überraschung

Die geschäftliche Entwicklung von ZIG seit dem Amtsantritt Ackermanns war nicht berauschend, aber auch nicht katastrophal. Sie allein würde keine Verhärtung des Gesprächsklimas auf der Führungsetage rechtfertigen. Der Aktienkurs lag Ende Mai 2012 bei knapp 199 Franken. Unter starken Schwankungen kam er bis auf 270 Franken im Mai dieses Jahres voran, ehe er schrittweise nachgab. In der vergangenen Krisenwoche von ZIG fiel er dann weiter um gut fünf Prozent. Derzeit liegt er bei gut 235 Franken.

Wie alle Versicherer, so leidet auch Zurich Insurance unter den Niedrigzinsen am Kapitalmarkt. Dies registriert besonders Senn, der sich für die CEO-Position ab Januar 2010 als erfolgreicher Leiter der Kapitalanlagen empfahl. Wauthier wurde im September 2011 zum Finanzvorstand ernannt, er erlebte damit noch den zurückhaltenden Ackermann-Vorgänger Manfred Gentz an der Spitze des Verwaltungsrats.

Mitte November 2012 kam ZIG mit einer bösen Überraschung. Im Deutschland-Geschäft waren bei langen Haftpflichtrisiken etwa von Ärzten und Architekten zu wenig Rückstellungen gebildet worden. Nicht weniger als 550 Millionen Dollar musste Zurich Insurance neu in die Bücher nehmen. Am Jahresende erfuhren die Aktionäre zudem, dass aufgrund eines ominösen „Systemfehlers“ in Deutschland Abschlusskosten zu hoch eingebucht waren. „Die Belastung war für Pierre nicht größer als für mich und andere Kollegen“, behauptet Senn in der Rückschau. Bei einem 2012 um 3 Prozent gesteigerten Reingewinn behielt ZIG ihre traditionell hohe Dividende von 17 Franken je Aktie bei.

Zahlreiche Wechsel im Management

Diese Ausschüttung könnte wackeln. Für das erste Halbjahr musste Zurich Insurance am 15. August bei 3 Prozent weniger Umsatz einen um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar geschrumpften Reingewinn bekanntgeben. Im zweiten Quartal betrug der Rückschlag sogar 27 Prozent. Der Betriebsgewinn sank um 9 Prozent, wohingegen der Wettbewerber Allianz um 13 Prozent und die Axa sogar um 24 Prozent zulegte. Wauthier wollte zuvor in einem ersten Treffen mit dem Verwaltungsrat die Zahlen „aufhübschen“, behauptet ein Vertrauter von Ackermann. Der Präsident, der vor seinem Rücktritt auch als Nachfolger von Klaus Schwab an der Spitze des WEF in Davos gehandelt wurde, war angeblich für klare Verhältnisse. „Wauthier musste über die Bücher und ein zweites Mal antanzen“, so der Insider weiter.

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Am Ende stand folgende geschraubte Verlautbarung: „Die Gruppe richtet ihr Hauptaugenmerk weiterhin auf ihre 2010 gesetzten Drei-Jahres-Ziele und ist auf gutem Weg, einige davon - wie die für Global Life und die Kosteneinsparungen - zu erreichen, während andere - wie die für General Insurance und Farmers - eine Herausforderung sind“. General Insurance ist der Sachversicherungszweig und Farmers die Versicherungsgesellschaft in Amerika, für die ZIG Managementleistungen erbringt. Konzernlenker Senn übte sich in Schadensbegrenzung. Im Gegensatz zu Allianz und Axa mit ihren Schwerpunkten in Europa sei ZIG ebenso stark in Nordamerika vertreten, sagte er der „Finanz und Wirtschaft“ im Nachgang zu den Zahlen. Flutschäden in Europa und die Orkane in Amerika hätten dieses Mal „zu unseren Ungunsten“ ausgeschlagen.

Auf einer eilig einberufenen Konferenz mit Analysten zum Rücktritt Ackermanns zeigten sich diese am vergangenen Freitag darüber hinaus beunruhigt über die zahlreichen Wechsel im Management von ZIG. In der Geschäftsleitung ist die Hälfte der Mitglieder erst rund ein Jahr im Amt. Auch darunter herrscht ein reges Kommen und Gehen. Auf dem Investorentag Ende 2010 hatte der Versicherungskonzern mittelfristig das Ziel einer operativen Eigenkapitalrendite nach Steuern von 16 Prozent verkündet. Bei 10,8 Prozent im ersten Halbjahr 2013 nach 12,2 Prozent im Vorjahr ist das Ziel inzwischen gestrichen.

Quelle: F.A.Z.

 
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