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Veröffentlicht: 30.06.2013, 16:23 Uhr

Zukunftstechnik Desertec verliert seinen Initiator

Solar-Energie aus der Wüste: Das sollte Desertec bringen. Jetzt kam es zum Bruch in der Initiative. Sogar der Verlust des Namens droht.

von Christian von Hiller
© dpa/picture-alliance Windstromprojekt bei Tanger

Zwischen der Desertec Foundation und der Industrieinitiative Dii GmbH ist es zum offenen Bruch gekommen. Der Rückzug der Desertec-Stiftung ist ein weiterer schwerer Rückschlag für das ambitionierte Projekt, die Sahara für die Erzeugung von Solarstrom nutzbar zu machen.

Auf einer außerordentlichen Sitzung hat die Desertec Foundation nun beschlossen, die Dii zu verlassen. Diesen Schritt begleitet die Desertec Foundation mit schweren Vorwürfen gegen das Industriekonsortium. Dessen Geschäftsführer war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Vor allem Machtkampf

Die Dii ist ein Zusammenschluss von mehreren Unternehmen wie Munich Re, Schott Solar, Deutscher Bank, Eon, RWE oder auch ABB. Sie verfolgt das Ziel, im Rahmen von Desertec Solarstromprojekte rund um das Mittelmeer zu verwirklichen. Insgesamt sind rund 20 Unternehmen, darunter bisher auch die Desertec Foundation, Mitglied der Planungsgesellschaft Dii. In den vergangenen Tagen gab es jedoch immer wieder Berichte über einen Machtkampf zwischen den beiden Dii-Geschäftsführern Paul van Son und Aglaia Wieland.

Mit ihrem Schritt ziehe die Desertec Foundation „die Konsequenzen aus den unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Strategie, den Aufgaben und der dafür notwendigen Kommunikation sowie nicht zuletzt des Führungsstils der Dii-Spitze“, heißt es in einer bisher nicht veröffentlichten Stellungnahme der Desertec-Foundation. Sie wolle auf diese Weise vermeiden, „unverschuldet in den Sog der negativen Berichterstattung über die Führungskrise und die Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums gezogen zu werden“.

Dieser Führungsstreit zerstöre das Vertrauen und den Ruf in das Konzept von Desertec. In einem anderen Papier, das der F.A.Z. vorliegt, heißt es, dass die Foundation es der Dii untersagen will, den Begriff „Desertec“ in den Konzepten und Publikationen der Dii weiterhin zu erwähnen.

Pilotprojekt könnte nun scheitern

Für Streit sorgte zuletzt das Projekt „Sawian“ in Marokko, dessen Baukosten auf bis zu 600 Millionen Euro geschätzt werden. Es soll das erste Pilotprojekt für Desertec werden. Van Son will das Kraftwerk kleiner bauen, wodurch ein Stromexport nach Europa in Frage gestellt wäre. Angesichts der offenen Streitereien rund um Desertec ist fraglich, ob Sawian überhaupt noch gebaut wird.

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Die Stiftung dagegen will weiter machen. „Die Desertec Foundation wird sich verstärkt auf ihr Ziel konzentrieren, das Desertec-Konzept weltweit bekannt zu machen und den Boden für gute Rahmenbedingungen zur Umsetzung zu bereiten“, sagt ihr Geschäftsführer Thiemo Gropp. „Zu diesem Zweck ist sie nicht nur in Nordafrika tätig, sondern auch in Saudi-Arabien, Südost-Asien und jüngst in Chile, Peru und Brasilien.“

Andrea Schulz

Von Dietrich Creutzburg, Berlin

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