17.11.2006 · Zwar fiel die Wahl zum neuen VW-Chef einstimmig aus. Doch seine Umbaupläne im Konzern kann Martin Winterkorn nach Informationen der F.A.Z. vorerst nicht durchsetzen. Markenchef Wolfgang Bernhard fehlte damit der formelle Anlaß zum Rücktritt.
Von Johannes Ritter, HamburgMartin Winterkorn beginnt seine Amtszeit als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen mit einer schweren Niederlage. In der Aufsichtsratssitzung am Freitag ist Winterkorn zwar einstimmig zum Nachfolger von Bernd Pischetsrieder gewählt worden. Doch nach Informationen dieser Zeitung waren seine mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch schon abgestimmten Pläne für den Umbau des Konzerns und der Führung im Aufsichtsrat nicht konsensfähig.
Winterkorns Plan, seinen neuen Job zum 1. Januar 2007 mit einem neuen Vorstandsteam und mit einer neuen Aufgabenverteilung anzutreten, ist damit hinfällig. Wie berichtet, will Winterkorn weg von der dezentralen Führungsstruktur seines Vorgängers und den Konzern zentralisieren. Auf Vorstandsebene will er neue zentrale Positionen für Entwicklung, Produktion und Vertrieb schaffen. Durch diese Neuordnung würde VW-Markenchef Wolfgang Bernhard massiv an Einfluß verlieren, zumal Winterkorn angeblich sogar selbst die Hoheit über die VW-Markengruppe erringen will. Daher wollte Bernhard schon seinen Rücktritt erklären. Da nun aber wider Erwarten keine Entscheidung über die neue Geschäftsverteilung gefallen ist, fehlte ihm der formelle Anlaß dafür.
Spätestens Anfang 2007 wird Bernhard zurücktreten
Dennoch dürften Bernhards Tage bei VW gezählt sein. Piëch und Winterkorn haben die Arbeitnehmerbank hinter sich sowie die Unterstützung der Porsche AG als größter Volkswagen-Aktionär. Damit haben sie im Aufsichtsrat die Mehrheit der Stimmen auf ihrer Seite. Wenn Piëch die Umbaupläne auf der nächsten ordentlichen Aufsichtsratssitzung Anfang 2007 (oder auf einer außerordentlichen Sitzung zu einem früheren Zeitpunkt) zur Wahl stellt, werden sie wohl durchgewunken. Spätestens dann wird Bernhard zurücktreten.
Am Freitag scheute Piëch offenbar eine Kampfabstimmung, zumal er etliche Anteilseignervertreter (außerhalb der Porsche-Fraktion) durch den auch für sie überraschenden Sturz Pischetsrieders erzürnt hatte. Piëch habe mächtigen Gegenwind gespürt, hieß es. Der Unmut manifestierte sich auch im Abstimmungsergebnis zum Ausscheiden Pischetsrieders: Da gab es nach Informationen dieser Zeitung vier Enthaltungen. Es ist anzunehmen, daß Piëch am Freitag nicht noch größeren Ärger provozieren wollte. Daher hat er Winterkorns neuen Geschäftsverteilungsplan in der Aufsichtsratssitzung erst gar nicht zur Diskussion gestellt. Am Rande des Treffens wurde darüber freilich intensiv und kontrovers diskutiert, heißt es in gut unterrichteten Kreisen.
Volkswagen will entscheidendes Wörtchen mitreden
In der Pressemitteilung, die VW am Freitag nachmittag verbreitete, ist von alldem keine Rede. Darin bekräftigt der Konzern, daß man bei der geplanten Zusammenführung von MAN und Scania nach wie vor eine einvernehmliche Lösung anstrebe. Im Falle eines erkennbar erfolglosen Verlaufs des Angebots halte man sich aber alle Alternativen offen, schreibt der Konzern. VW will MAN seinen Scania-Anteil (34 Prozent der Stimmrechte) erst dann andienen, wenn die Münchner Lastwagenbauer mindestens 71,3 Prozent des Scania-Kapitals besitzen. Damit wäre die Schwelle von 90 Prozent erreicht, die ein Herausdrängen der Scania-Kleinaktionäre erlaubt. Nach den Vorstellungen von VW soll MAN die industrielle Führung in der Lastwagenallianz übernehmen. VW will am Ende mit 20 bis 30 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt sein, um als größter Aktionär ein entscheidendes Wörtchen mitreden zu können.
Der Aufsichtsrat stimmte dem Investitionsplan des Vorstands für die Jahre 2007 bis 2009 zu. Demnach investiert VW in dieser Zeit 24,7 Milliarden Euro in das Automobilgeschäft. Von den geplanten Sachinvestitionen von 17,7 Milliarden Euro entfallen 10,7 Milliarden Euro auf Deutschland. In unternehmensnahen Kreisen wurden Informationen des „Manager Magazins“ bestätigt, nach denen Audi-Finanzvorstand Rupert Stadler Winterkorns Nachfolger an der Audi-Spitze werden soll.
| Name | Kurs | Prozent |
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