08.09.2004 · Von guten Ideen aber ist das Unternehmen abhängig. Also wurden den Mitarbeitern Freiräume geschaffen. Wie der Augsburger Roboterbauer Kuka versucht, seine Entwicklungsingenieure zu motivieren.
Von Marcus TheurerWer Bernd Liepert fragt, was ein Unternehmen tun könne, um ein günstiges Arbeitsumfeld für seine Entwicklungsingenieure zu schaffen, bekommt eine zunächst merkwürdig klingende Antwort. Der Chef des Augsburger Roboterbauers Kuka, fängt dann nämlich an zu erzählen, daß das Unternehmen seit kurzem wieder stärker seine Bauteile selber herstellt. Hintergrund: Den von einer anderen Konzernsparte übernommenen Fertigungs-Mitarbeitern wurde eine Arbeitsplatzgarantie gegeben.
Warum aber soll ein Entwickler im Augsburger Stammwerk bessere Ideen haben, nur weil nebenan wieder mehr Kollegen an der Drehbank stehen? Das zeige den Mitarbeitern, daß das Unternehmen sich um sie und ihre Mitarbeiter kümmere. "Die Botschaft ist: Bei Kuka wird keiner mit 50 Jahren aus der Firma gedrängt, weil er vielleicht nicht mehr so leistungsfähig ist wie ein 30 Jahre alter Kollege", sagt Liepert. "Und diese Sicherheit ist auch einem jungen kreativen Entwickler wichtig, der heute 50 Stunden und mehr arbeitet", argumentiert der Kuka-Chef.
"Das läuft jetzt auf Vertrauensbasis"
Diese Philosophie zahle sich für Kuka aus, sagt Liepert: "Die Fluktuation bei unseren Ingenieuren ist praktisch gleich Null." Das sei ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für den Hersteller, weil gerade in der Forschung & Entwicklung der Verlust von Leistungsträgern für das Unternehmen schmerzhaft sei. Rund 200 der 1600 Kuka-Mitarbeiter arbeiten in diesem Bereich.
Weil "Ideen nicht auf Knopfdruck entstehen", wie es der Manager ausdrückt, hat er den Mitarbeitern in der Entwicklungsabteilung zudem mehr Freiheit für ihre Arbeitsgestaltung eingeräumt. Eine Arbeitszeiterfassung wie früher üblich, gibt es nicht mehr. "Das läuft jetzt auf Vertrauensbasis", sagt Liepert. Und auch die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten, gibt es bei Kuka mittlerweile. Mehr Freiräume spornen den Erfindergeist an, hofft der Unternehmenslenker.
Marktführer in Europa
Auf Innovationen ist Kuka angewiesen. "Nur wenn Sie bei einem neuen Produkt der erste sind, können Sie sich dem Kostendruck entziehen." Kuka rüstet nach Lieperts Angaben praktisch alle europäischen Autohersteller mit Robotern aus. Bei Robotern mit mehr als vier Bewegungsachsen sieht sich die Tochtergesellschaft des Karlsruher Maschinenbaukonzerns IWKA als Marktführer in Europa.
Weltweit stehe Kuka hinter den japanischen Konzernen Fanuc und Yaskawa an dritter Stelle, sagt Liepert. Bei der IWKA sind die Augsburger, die im vergangenen Jahr 420 Millionen Euro umsetzten, damit die Ertragsperle. Den ersten Roboter hat Kuka schon 1973 gebaut und zählte damals zu den Pionieren der Branche.
Wachstumsmarkt Logistik
Heute ist die Autoindustrie mit einem Umsatzanteil von rund 60 Prozent der wichtigste Kunde von Kuka. Dabei geht es den Herstellern beim Einsatz von Robotern nicht allein darum, teure menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen, um die Kosten zu senken. Bei Volkswagen werkeln Kuka-Roboter auch im Niedriglohnland China, weil sie die Schweißpunkte präziser setzen können als der Mensch.
Doch Liepert hat neben den Autobauern andere Zukunftsmärkte im Auge. "Die Logistik ist für uns ein riesiger Wachstumsmarkt", sagte der Kuka-Chef. Noch liegt der Umsatzanteil etwa mit Kunden aus der Handelsbranche bei nur rund 4 Prozent. In 10 Jahren wird nach Lieperts Erwartung bereits ein Viertel des Kuka-Geschäfts auf die Logistik entfallen.
Neue Absatzchancen hat der Maschinenbauer auch im Unterhaltungsgeschäft ausgemacht. Als erster Hersteller brachte Kuka einen "Passagierroboter" auf den Markt. Der "Robocoaster" wirbelt in Vergnügungsparks die Besucher durch die Luft. Im Vergleich zu traditionellen Fahrgeschäften kann sich die Kuka-Maschine in mehr Richtungen bewegen. Roboter, die zuverlässig und sensibel genug sind, daß man ihnen auch Menschen anvertrauen kann, sind für den Kuka-Chef eine wichtige Anwendung.
Roboter für Pflegedienste?
Schon mittelfristig werden Roboter auch für Pflegedienstleistungen einsetzbar sein, erwartet Liepert. "In 5 Jahren könnte etwa der Einsatz einer automatisierten Gehhilfe bereits möglich und lohnend sein". Das Gerät könnte etwa selbstständig den Weg vom Schlaf- ins Badezimmer finden und den Pflegebedürftigen so sicher durch die Wohnung geleiten.
Die Leasingkosten für die Krankenkassen sind dann ungefähr so hoch wie heute für ein Mittelklasseauto, schätzt Liepert. Wenn sich dadurch menschliche Pflegekräfte ersetzen ließen, könne sich das durchaus rechnen. Was heute noch wie Science Fiction klingt, ist also vielleicht schon bald Realität.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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