31.10.2007 · Die Finanzmarktkrise ist auch an der Deutschen Bank nicht vorbeigegangen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren hat sie Verluste im Investmentbanking gemacht. Das war lang erwartet worden. Und so überraschte die Bank eher damit, dass die Zahlen besser ausfielen, als von Experten befürchtet.
Die Deutsche Bank hat die Finanzmarktkrise im dritten Quartal besser weggesteckt als erwartet. Zwar führten die ersten Verluste im Investmentbanking seit fünf Jahren zu einem Rückgang des Vorsteuergewinns um 19 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Mittwoch mitteilte. Vor knapp vier Wochen hatte Vorstandschef Josef Ackermann allerdings noch einen deutlicheren Ergebnisrückgang prognostiziert. Der Schweizer bekräftigte nun die Ziele für 2008 und wittert sogar neue Geschäftschancen für sein Institut im Zuge der Krise.
Die Turbulenzen an den Märkten in Folge der Probleme am amerikanischen Hypothekenmarkt kosteten die Deutsche Bank wie angekündigt insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Diese Belastungen brachten der jahrelang sehr profitablen Investmentbanking-Sparte einen Verlust von 179 Millionen Euro. Und auch für das vierte Quartal sei mit einem signifikanten Rückgang der Erträge zu rechnen, hieß es. Die Deutsche Bank schreibt rund 1,56 Milliarden Euro auf Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere in ihrem Handelsbuch ab, die zuletzt massiv an Wert verloren haben. Weitere 603 Millionen Euro resultieren aus der Neubewertung von Krediten für Übernahmen und Darlehenszusagen, die sich wegen der Risikoscheu der Investoren derzeit nicht weiterverkaufen lassen.
„Zufriedenstellendes Geschäftsergebnis“
Wenige Tage nach Merrill Lynch wartete die Deutsche Bank damit nicht mit einer Hiobsbotschaft auf. Die amerikanische Investmentbank hatte vergangenen Woche überraschend hohe Abschreibungen über 8,4 Milliarden Dollar bekannt gegeben, die dem Institut tiefrote Zahlen bescherten. Der Chef Stan O'Neal musste daraufhin seinen Hut nehmen (siehe dazu auch: Hypothekenkrise: Das Beben der Banken). Auch die Schweizer Großbank UBS wurde von der Finanzmarktkrise erfaßt und geriet in die Verlustzone.
Trotz der Einbußen im Investmentbanking sprach Ackermann in der Konzernmitteilung von einem „insgesamt zufriedenstellenden Geschäftsergebnis“. Gestützt wurde dieses maßgeblich von Sondergewinnen etwa aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen und eines Bürogebäudes in New York, die sich insgesamt auf 629 Millionen Euro beliefen. Zulegen konnte die Deutsche Bank zudem in der Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft, das unter anderem von Zuwächsen bei den Töchtern Berliner Bank und Norisbank
profitierte.
Positive Steuereffekte
Konzernweit stieg der Überschuss wegen positiver Steuereffekte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro und lag damit ebenfalls höher als von dem Institut Anfang Oktober geschätzt. Die Gesamteinnahmen sanken allerdings um 20 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar.
Entgegen der Befürchtung einiger Analysten bestätigte Ackermann auch die Erwartung eines Vorsteuergewinns von 8,4 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Er stellte das Erreichen dieses Ziels jedoch abermals ausdrücklich unter die Annahme „normal funktionierender Märkte“. Das vierte Quartal habe gut begonnen, erklärte der Bankchef. „Zweifellos werden auch künftig Herausforderungen nicht ausbleiben.“ Er setze aber darauf, dass die Krise zu einer „Flucht in die Qualität“ führe, wovon die Deutsche Bank im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung letztlich profitieren könne.
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