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Zigarren Rauchzeichen aus dem Schwäbischen

20.11.2007 ·  Helmut Bührle mag Eleganz und Schick. Dieses Lebensgefühl verkörpern auch seine edlen Zigarren. Und damit passt der Gründer der Zigarrenfabrik Laura Chavin Cigars überhaupt nicht in seine schwäbische Heimat.

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Zu den vielen Annehmlichkeiten, die unternehmerischem Erfolg zugeschrieben werden, zählt, dass er angeblich glücklich macht. Auf jeden Fall macht eine florierende Firma nicht zwingend weniger verletzlich. Diese Erfahrung macht Helmut Bührle. „So viele Menschen wollen nur die äußere Hülle von dir sehen“, sagt der braun gebrannte Zigarrenfabrikant im Salon des Hochdorfer Schlosses, dem Sitz seines Zigarrenunternehmens.

Er werde von so vielen vorgeblichen Freunden angesprochen, die schon als Jugendliche im Freibad Handtuch an Handtuch mit ihm gelegen hätten und ihn jetzt nur um sein Geld angingen. „So viele wollen nur von dir saugen“, sagt Bührle mit einer Spur Verbitterung, die er nur schwer verbergen kann.

Existenzgründer mit Sinn für Stil

Der Unternehmer Helmut Bührle ist fast eine ständige Provokation in seiner württembergischen Heimat. Er hat nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern er hat auch Sinn für Stil. Und den trägt er gern zur Schau. Der Mann muss sich, obwohl Schwabe, wie ein Fremdkörper im eigenen Land fühlen.

Darauf angesprochen, schweigt Bührle. Allein schon sein Metier mag vielen seiner Landsleute als überflüssiger Luxus erscheinen: Bührle stellt Zigarren her, und zwar edle handgerollte Einzelstücke, die zwischen 8 und 40 Euro kosten.

Sieben Jahre lang keinen Umsatz

1992 gründete Bührle das Zigarrenunternehmen Laura Chavin Cigars in Hochdorf bei Ludwigsburg. Jahrelang arbeitete er an seinen Produkten, ohne eine Mark Umsatz zu erzielen. „Sieben Jahre lang habe ich nicht eine einzige Rechnung geschrieben“, erinnert sich Bührle. „Das hätte auch gewaltig schiefgehen können.“ Doch bei Bührle kam das Glück vor dem Erfolg.

Als er mit seiner neuen Zigarrenmarke nach sechs Jahren schließlich an den Markt ging, setzte sich das neue Produkt rasch durch. Bührle gelang es, sich mit „Laura Chavin“ auf den internationalen Markt der Premiumzigarren zwischen global agierende Tabakkonzerne wie Davidoff oder den Cohiba-Erzeuger Habanos zu zwängen.

Zigarrenfabrikanten sind auch nur Unternehmer

Das Leben eines Zigarrenfabrikanten stellen sich Außenstehende so ausgeruht wie die Clubs vor, in denen Zigarren vornehmlich geraucht werden. Dabei ähnelt Bührles Alltag dem vieler Geschäftsleute: „Manchmal liege ich die halbe Nacht wach, weil der Körper zwar müde ist, aber der Kopf noch aufgeladen.“

Die Schwierigkeiten sind Alltag in seinem Betrieb: „Im vergangenen Jahr gingen beim Transport in die Dominikanische Republik 100.000 Tuben verloren“, erzählt Bührle. „Dadurch haben wir acht Wochen verloren. Und jedes Jahr passiert so etwas.“

Ein anderes Mal ging kurz vor den Weihnachtsauslieferungen das blaue Band aus, das die Holzkisten verziert. Der ungewöhnlich hohe Schwund erklärte sich schließlich dadurch, dass sich die Zigarrenrollerinnen diese ins Haar banden. Das schmeichelte Bührle.

Eine exquisite Marke mit Weltruf

Heute ist „Laura Chavin“ eine exquisite Marke, die auf der ganzen Welt von Ludwigsburg bis Sankt Petersburg geraucht wird. Allein das ist schon ein Erfolg. „Wir sind in 16 Ländern vertreten, in Fernost genauso wie in Russland“, sagt Bührle. „Und wir könnten sofort in zwölf neuen Länder aufmachen.“ Über den Gewinn seines Unternehmens redet er genauso wenig wie über den Umsatz.

Nur so viel ist ihm zu entlocken: Vor acht oder neun Jahren beschäftigte er 55 Menschen in der Dominikanischen Republik, heute sind es dort 150. In Deutschland beschäftigt er lediglich zwölf Mitarbeiter. Dabei hat er Abteilungen wie Buchhaltung oder Recht ausgelagert. „Mir geht unser Wachstum schon zu schnell“, sagt der Fabrikant. Er wolle nicht Gefahr laufen, mit hohen Produktionsmengen zu Abverkäufen gezwungen zu werden. Denn das sei der Tod einer Marke.

Schwäbischer Unternehmer fernab des Klischees

In Württemberg, dem Landstrich, in dem sich Unternehmergeist besonders häufig mit Erfolg gepaart hat, wird Bührles Aufstieg mit Achtung, aber auch mit Argwohn verfolgt. Das mag auch an Bührles Lebensstil liegen, der besser zur Welt der Zigarren als zum pietistischen Kleingeist passt, der in Schwaben durchaus verbreitet ist.

In einem barocken Jagdschloss in Hochdorf residiert der Unternehmer. Es ist ein hübsches Anwesen mitten in einem prächtigen Park. Die Freiherren von Tessin hatten es 1702 gebaut, in jener Zeit, in der Herzog Eberhard Ludwig in der Nähe Schloss Ludwigsburg zu einer Residenz im Versailler Stil ausbaute.

Ein Gewölbekeller voller Zigarren

All dies ist nicht Geschichte. Es ist Bührles Gegenwart. Denn Bauten, deren Ästhetik über die Funktionalität hinausgeht, beäugen Schwaben leicht mit Misstrauen. Sie halten dies für Verschwendung und nahmen es den Tessins genauso übel wie dem Herzog von Württemberg und - in heutiger Zeit - dem Unternehmer Bührle. Immerhin verdient er sein Geld mit teuren - und aus ihrer Sicht nutzlosen - Zigarren.

Hoch gestapelt liegen Hunderte von Kisten im Gewölbekeller unter dem Schloss. Sie dürften ein Vermögen wert sein. Bührle verdient - in den Augen der Pietisten - sein Geld mit der Genusssucht der Menschen, mithin mit ihrer Sündhaftigkeit.

Schon die Mutter handelte mit Tabak

Bührle muss solche Anfeindungen gewohnt sein, auch wenn er bei der Frage nur lächelt und sie unbeantwortet stehenlässt. Schon seine Mutter handelte in Stuttgart mit Rohtabaken, zu einer Zeit, als die Weltmärkte so lose zusammenhingen, dass für diesen Handel noch Platz war. In der Calwer Passage, in bester Stuttgarter Innenstadtlage, betrieb sie ein stadtbekanntes Tabakwarengeschäft.

Ein Neuling in der Branche war Bührle somit nicht, als der passionierte Raucher von Zigarren und Lucky-Strike-Zigaretten, die er nur ohne Filter mag, anfing, seine eigene Zigarrenmarke aufzubauen. Hartnäckig verfolgte er seine Idee, wenn auch nicht ohne Umwege. So war er zeitweise Designer bei renommierten Luxusherstellern wie Hermès, Ferragamo oder Enrico Coveri. Dort wurde wahrscheinlich sein Sinn für den Erfolg von Luxusunternehmen geformt.

Luxus lebt vom Detail

„Luxus, das sind nicht teure Marken“, erklärt er seine Sicht. „Das ist zunächst eine hohe Qualität, die Grundvoraussetzung ist, und dann kommen Serviceleistungen dazu und schließlich die Emotionalität des Kunden für das Produkt.“ Laura Chavin Cigars verkörpert diese Philosophie. So lässt Bührle hochwertige Zigarrenetuis von einem Täschner fertigen - diesen Beruf gibt es heute gar nicht mehr. Auch bei seinem Kernprodukt achtet er aufs Detail.

„Viele Zigarren sind seicht, ruppig und bleiben vorne im Mund stehen, andere kommen zwar, aber nicht über ein gewisses Niveau hinaus“, sagt Bührle und vertraut auf Unverwechselbarkeit. Sein Geschäftsgeheimnis klingt simpel: „Man darf nicht ein einziges Mal einen Kompromiss machen.“ Dass er in einem Markt aktiv ist, der derzeit durch Rauchverbote allerorten auf dem Rückzug ist, schreckt ihn nicht: „In den Vereinigten Staaten liegt der Zigarrenumsatz heute 30 Prozent über dem in den Boomjahren.“

Existenzgründer mit Energie

Keine Frage, er eckte häufig an, der Selfmademan, der sich mit einer Energie durchzusetzen wusste, wie sie nur die ausdauerndsten unter den Existenzgründern auszeichnet. Aber die Einzigartigkeit seiner Zigarren erkennen selbst jene an, die er nicht zu seinen Freunden zählt. Und wahrscheinlich gönnt sich auch mancher Schwabe eine Laura Chavin - heimlich in jenen Augenblicken, in denen er sich unbeobachtet glaubt.

1992 gründet Helmut Bührle sein Unternehmen Laura Chavin Cigars. Die ersten Jahre verbringt er ausschließlich mit der Entwicklung seiner Produkte. Er sucht nach den besten Tabaken und findet in der Dominikanischen Republik geeignete Partner: Siegfried Maruschke, Inhaber der Tabakfabrik José Méndez, und José Seijas, Chef der Tabacalera de García. 1994 kauft Bührle seine erste Ernte und bringt 1998 seine ersten Zigarren auf den Markt. Über Gewinn und Umsatz schweigt er.

Helmut Bührle ist mit Tabaken groß geworden. Seine Mutter hatte das erste Zigarrengeschäft in Stuttgart und schon allein durch ihren Beruf ständig für Gesprächsstoff in der Landeshauptstadt gesorgt. Bührle wurde 1948 geboren und studierte nach dem Abitur Betriebswirtschaft, Marketing und Design. Anschließend machte er Karriere als Designer bei Luxusfirmen wie Hermès, Ferré oder Enrico Coveri. Er hat eine Tochter, Laura Chavin, die noch studiert und eines Tages das Unternehmen übernehmen will.

Quelle: F.A.Z., 19.11.2007, Nr. 269 / Seite 19
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