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Eröffnung der IAA : Das sind die E-Auto-Pläne von VW

Selbstkritische Worte: VW-Chef Matthias Müller (rechts) im Gespräch mit dem Präsidenten des Auto-Verbandes VDA, Matthias Wissmann, am Montag in Frankfurt. Bild: dpa

VW drückt beim Elektroauto aufs Tempo: Bis 2025 will der Konzern mehr als 80 neue Modelle anbieten, davon fast 50 reine E-Autos. Dafür investiert Volkswagen kräftig.

          Volkswagen-Chef Matthias Müller hat sich zum Auftakt der IAA selbstkritisch gegeben. „Die Zeiten, in denen sich unsere Branche hier in Frankfurt selbst gefeiert, sich im eigenen Glanz gesonnt hat, sind vorbei. Business as usual‘ reicht nicht mehr!“ Müllers Antwort auf die politische Debatte über Fahrverbote in den Städten und über die Zukunft des Diesels: Volkswagen werde „die umfassendste Elektrifizierungsoffensive in der weltweiten Automobilindustrie“ vorlegen: „Wir haben verstanden, und wir werden liefern.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dazu will der Wolfsburger Konzern bis 2025 global mehr als 80 neue elektrifizierte Modelle anbieten, fast 50 reine E-Autos und 30 Modelle mit Hybridantrieb. Bislang hatte Müller nur von rund 30 rein batteriebetriebenen Fahrzeugen gesprochen. Der VW-Chef berichtet von Reichweiten bis 600 Kilometer, von Ladezeiten nicht länger als eine Kaffeepause, die es dann geben soll. „Und das zu Preisen, die das E-Auto nicht länger zu einem Spielzeug für einige wenige machen.“ Bis 2030 soll es dann von jedem der rund 300 Modelle im Konzern mindestens eine E-Variante geben. Das sei „ein klares Signal an die politisch Verantwortlichen, was sie von uns erwarten können.“

          Auftragsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro

          Der neue Ehrgeiz kostet Geld. Müller kündigte an, dass der Konzern bis 2030 mehr als 20 Milliarden Euro für direkte Investitionen in die Industrialisierung der Elektromobilität investieren wird. In den vergangenen fünf Jahren hat VW gut drei Milliarden Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe gesteckt. Die politischen Diskussionen über die Zukunft des Verbrennungsmotors haben beim Volkswagen-Chef offensichtlich Wirkung gezeigt. „Die vergangenen Wochen haben mir noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt: Ein Unternehmen wie Volkswagen muss mutig vorangehen“, befand er. „Ein Unternehmen wie Volkswagen muss führen, nicht folgen.“ Ohne es direkt anzusprechen, wendete sich Müller allerdings auch gegen konkrete politisch gesetzte Produktionsziele bei der Wende zur Elektromobilität. „Die Zukunft kann man nicht verordnen.“ Es gehe um viel mehr als den Umstieg von der Technologie A auf die Technologie B. Es gehe um die Transformation einer über Jahrzehnte gewachsenen Wirtschaftsstruktur, die Fortschritt und Wachstum für viele gebracht habe. Müller sprach von einem „geordneten, wohlüberlegten Systemwechsel“ vom Verbrennungsmotor ins Elektrozeitalter. „Der moderne Diesel ist nicht das Problem, sondern unverzichtbarer Teil der Lösung.“

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          Volkswagen wolle sich das Thema Batterie beim Umstieg auf die Elektromobilität nicht aus der Hand nehmen lassen. Im Motorenwerk von VW in Salzgitter baut der Konzern deswegen eine erste Pilotfertigung auf, in der Volkswagen Produktions-Knowhow aufbauen will. Für die Ziele der eigenen Flotte bis 2025 reicht das nicht. Allein für die Ausstattung der eigenen E-Flotte mit Lithium-Ionen-Batterien benötigt der Konzern nach Worten des Konzernchefs bis 2025 eine Batteriekapazität von mehr als 150 Gigawattstunden jährlich.

          Das entspricht der Jahreskapazität von mindestens vier Batteriefabriken. Um diesen enormen Bedarf zu decken, hat Volkswagen eine Ausschreibung für langfristige strategische Partnerschaften für China, Europa und die Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht. Dabei geht es über die Laufzeit der ersten Welle der Elektromobilität um ein Auftragsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro. „Wir reden hier über eines der größten Beschaffungsvolumen in der Geschichte unserer Industrie“, sagte Müller.

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          Um 9 Prozent auf rund 495.200 Fahrzeuge

          Den deutschen Autokonzernen wird oft vorgeworfen, zu spät auf den Zug zur Elektromobilität aufgesprungen zu sein, und der amerikanische E-Auto-Pionier Tesla oft als Vorbild genannt. „Der Durchbruch kommt nicht mit den selbsternannten Pionieren“, urteilte Müller. „Er kommt mit denen, die eine neue Technologie in wirklich relevanten Stückzahlen auf die Straße bringen können.“ Tatsächlich ist Tesla im Volumenmarkt noch nicht vertreten, die Amerikaner arbeiten aber daran. Auch deswegen kündigte Müller wohl an: „Wir werden die Schlagzahl ab jetzt deutlich erhöhen“ und damit die Voraussetzungen schaffen für den endgültigen Durchbruch der Elektromobilität.

          Vor allem der deutsche Markt scheint das auch zu verlangen. Kurz vor Beginn der IAA hatte der Konzern mitgeteilt, er habe im August global zwar insgesamt mehr Pkw seiner Kernmarke VW abgesetzt als im Vorjahr. Auf dem Heimatmarkt sanken die Verkäufe dagegen um 11 Prozent auf 37.000 Autos. Insgesamt erhöhte sich der Absatz der Marke VW um 9 Prozent auf rund 495.200 Fahrzeuge.

          Quelle: F.A.Z.

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