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Alterung der Gesellschaft : Erstmals mehr Windeln für Erwachsene als für Kinder

Qualitätstest bei Windeln Bild: dpa/dpaweb

Dem schwedischen Zellstoff-Herstellers SCA, zu dem auch die Marken „Zewa“ und „Tempo“ gehören, geht es gut. Das liegt auch daran, dass die Gesellschaft älter wird.

          Die Alterung der Gesellschaft lässt sich an wenigen Unternehmensdaten so plastisch ablesen wie an der Bilanz des schwedischen Zellstoffherstellers SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget). Der Konzern, der vor allem mit seinen Marken Tempo für Taschentücher und Zewa für Küchentücher bekannt geworden ist, hat im vergangenen Jahr in Japan erstmals mehr Windeln für Erwachsene als für Babys verkauft.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Während es bei der Nachfrage für Babywindeln dort keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr gegeben habe, sagte der Vorstandsvorsitzende Magnus Groth der F.A.Z., sei der Umsatz mit Inkontinenzwindeln für Erwachsene um 10 Prozent gestiegen. Das liege nicht nur daran, dass die Bevölkerung älter werde und es deshalb mehr Fälle von Blasenschwäche gebe. Sondern auch daran, dass die Menschen im Alter aktiver seien als früher und sich ihr Freizeitverhalten nicht mehr von einer schwachen Blase einschränken lassen wollten. Für Inkontinenzprodukte, die vor allem unter dem Markennamen Tena vertrieben werden, reklamiert der Konzern laut Groth einen Anteil von 25 Prozent auf dem Weltmarkt für sich. In Europa sind es sogar 60 Prozent. Insgesamt stand die Hygienesparte, zu der auch das Geschäft mit Binden und Tampons zählt, im vergangenen Jahr für 30 Prozent des Konzernumsatzes von umgerechnet rund 12,2 Milliarden Euro.

           Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes stammt aus dem Geschäft mit Taschentüchern und anderen Zellstoffprodukten, etwa für den Haushalt. Das einstige SCA-Kerngeschäft mit Papier und Holz macht dagegen nur noch 15 Prozent aus. Die Sparten haben sich in den vergangenen Jahren mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt. Während die Forst-Sparte, zu der ein ausgedehnter Waldbesitz gehört, mehr oder weniger stagniert (für 2015 wird immerhin ein Plus von 5 Prozent verbucht), wachsen Zellstoff (plus 13) und Hygiene (plus 11) schneller. Das Management hat daraus jüngst eine organisatorische Konsequenz getroffen und beschlossen, den Konzern in zwei Divisionen aufzuteilen - eine für die Konsumgüter wie Taschentücher, Küchenrollen und Binden, eine andere für das Holz- und Papiersortiment.

          Nachfrage nach Pappkartons steigt

          Damit sei jedoch nicht gesagt, dass die Forst-Sparte eines Tages zum Verkauf gestellt werde, betont Magnus Groth nun. Jedenfalls kommt auch ihr nun ein gesellschaftlicher Trend zugute: Weil immer mehr Menschen sich ihre Einkäufe nach Hause liefern lassen, steigt die Nachfrage nach Pappkartons. Während SCA zuletzt eine Papiermühle geschlossen hat, hat sich die Auslastung in den beiden Fabriken, die Vorprodukte für Kartons herstellen, nach Groths Worten erfreulich entwickelt. „Der Umsatz stieg um 4 Prozent, das liegt an der Nachfrage nach Pappe.“

          Finanziell lief das vergangene Jahr für den 1929 gegründeten Traditionskonzern gut: Der Nettogewinn stieg um 6 Prozent auf umgerechnet 920 Millionen Euro. Interessanterweise ist die Marge im Holz- und Papiergeschäft immer noch höher als in den anderen Geschäftsfeldern; besonders zugenommen hat die Profitabilität zuletzt allerdings im Hygienegeschäft. Abseits der Geschäftszahlen hat den Konzern ein Skandal um die mit Firmenjets organisierten Luxusreisen von Managern, Aufsichtsräten und Geschäftskunden erschüttert, der im vergangenen Februar dazu führte, dass der Vorstandsvorsitzende Jan Johansson zurücktrat und Magnus Groth an seine Position rückte.

          In Deutschland beschäftigt SCA rund 3500 Mitarbeiter an sieben Standorten. Groth sagte, an allen diesen Standorten halte der Konzern fest. Er verwies auf eine vor drei Jahren getätigte Großinvestition in die Papierherstellung in Mainz-Kostheim. „Deutschland ist mit seinen großen Einzelhandelspartnern ein herausfordernder Markt für uns. Aber es ist auch unser größter Einzelmarkt überhaupt. Und Tempo ist die stärkste Marke in Deutschland, darauf sind wir sehr stolz.“

          Quelle: F.A.Z.

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