Home
http://www.faz.net/-gqi-74akk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Zeitungen in der Krise Den Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr droht das Aus

Am 21. November wird der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr über die Zukunft der Wirtschaftsmedien dieses Verlags beraten. „Die Tendenz geht Richtung Schließung“, sagt ein Manager.

© dapd Vergrößern Verlagshaus von Gruner + Jahr in Hamburg

Am 21. November wird der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr (G+J) über die Zukunft der Wirtschaftsmedien dieses Verlags beraten. Noch gibt es keine konkrete Beschlussvorlage des Vorstands. Aber es könnte zu einer harten Entscheidung kommen: „Die Tendenz geht Richtung Schließung“, sagte ein Manager des Verlags gegenüber dieser Zeitung.

Johannes Ritter Folgen:    

Zugleich betonte er aber, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Zu den Wirtschaftsmedien von G+J gehören die „Financial Times Deutschland“ (FTD), „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“. Größtes Problemkind ist die „FTD“, die seit ihrer Gründung vor mehr als elf Jahren kein Geld verdient hat und in diesem Jahr einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro erwartet.

Schleichender Übergang ins Netz

Das lachsfarbene Wirtschaftsblatt leidet, wie andere Zeitungen auch, unter der Anzeigenflaute und einer sinkenden Auflage. Chefredaktion und FTD-Verlagsleitung haben dem Gruner-Vorstand ein Alternativkonzept vorgelegt, das eine Fortführung in veränderter Form vorsieht: Unter der Woche soll die Zeitung deutlich dünner ausfallen, was Druckkosten sparen würde. Dafür soll es am Wochenende eine große Ausgabe geben. Zugleich soll der Auftritt im Internet deutlich verstärkt und so der schleichende Übergang des Blattes in das Netz vorbereitet werden.

Mehr zum Thema

In der Verlagsführung glaubt man aber nicht daran, dass sich dieses Modell am Ende rechnet, zumal man für die Offensive im Netz in den nächsten vier bis fünf Jahren, so die interne Schätzung, 30 bis 50 Millionen Euro investieren müsste. Und das in eine Marke, für die der Verlag nur noch bis zum Jahr 2017 die Lizenz hält. Im Aufsichtsrat fragt man sich überdies, wie eine reine Online-Ausgabe der „FTD“ Gewinne abwerfen soll, wenn nicht mal der Internetableger eines profitablen Flaggschiffs wie der „Stern“ Geld verdient.

„FTD“ beschert 250 Millionen Euro Verlust

Seit dem Start der „FTD“ hat G+J mit dieser Zeitung etwa 250 Millionen Euro Verlust gemacht. Ein Verkauf an die Verlagsgruppe Holtzbrinck (“Handelsblatt“), über die immer wieder diskutiert wird, dürfte aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich sein. Vor diesem Hintergrund spricht einiges dafür, dass Julia Jäckel, die seit kurzem im Vorstand für das Deutschland-Geschäft von Gruner zuständig ist und die „Grausamkeiten“ sicherlich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hinter sich bringen will, am 21. November vorschlägt, das Blatt einzustellen.

Dies wäre dann aber wohl auch der Todesstoß für die gesamten Wirtschaftsmedien, denn die vier genannten Titel werden von einer Gemeinschaftsredaktion bestehend aus 350 Mitarbeitern herausgebracht. Arbeitsrechtlich ist es also unmöglich, selektiv vorzugehen und nur den FTD-Redakteuren zu kündigen.

Die Frage ist allerdings, ob G+J und deren Großaktionär Bertelsmann tatsächlich so radikal vorgehen wollen. In den Redaktionen hofft man jedenfalls, dass die verlegerisch interessierte Familie Jahr, die als Minderheitsgesellschafter ein Vetorecht hat, für eine Fortführung plädiert. Auch im Hause Bertelsmann sind in der Vergangenheit nicht alle Entscheidungen rein rational gefällt worden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Callista beim Traumschiff aus dem Rennen

Ein Verkauf des MS Deutschland steht offenbar unmittelbar bevor. Der bisherige Eigentümer Callista wird nicht der Käufer sein. Die neue Anleihe von German Pellets verzeichnete eine gute Nachfrage. Mehr

26.11.2014, 15:11 Uhr | Finanzen
Angriff auf Spotify Mehr Beats für Apple

Apple will sein Musik-Geschäft umwälzen. Die Downloads per iTunes verlieren an Bedeutung, jetzt kommt das neu zugekaufte Beats. Aber der Zeitpunkt könnte gerade der falsche sein. Mehr

20.11.2014, 06:56 Uhr | Technik-Motor
Mitelstandsanleihen Deutsche-Forfait-Gläubiger sollen auf Großteil der Zinsen verzichten

Der Verdacht, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben, wurde für den Außenhandelsfinanzierer Deutsche Forfait teuer. Jetzt soll er auch die Anleihegläubiger Geld kosten. Mehr

26.11.2014, 15:32 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.11.2012, 11:22 Uhr

Der Mythos vom prekären Arbeitsmarkt

Von Sven Astheimer

Zum ersten Mal sind mehr als 43 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt. Vor allem viele normale Arbeitsplätze hat der Aufschwung geschaffen - allen Warnern zum Trotz. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Mehr 8 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden