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Zahnarzt-Discounter McZahn ist am Ende

01.10.2008 ·  Der Zahnarzt-Discounter McZahn hatte nie mehr als acht Filialen - und trotzdem seit Gründung im Jahr 2006 viel Presse. Jetzt ist McZahn insolvent. Negative Schlagzeilen und interne Querelen mögen zum Scheitern beigetragen haben - und eine zu forsche Strategie.

Von Silke Bigalke
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Viel Lärm um ein kleines Unternehmen: Der Zahnarzt-Discounter McZahn hatte nie mehr als acht Filialen – und trotzdem seit Gründung im Jahr 2006 viel Presse. Am Montag reichte das Unternehmen beim Amtsgericht Krefeld den Insolvenzvertrag ein. „Der Betrieb bleibt zunächst aufrecht erhalten.“ Das war alles, was Michael Messing zur Lage sagen wollte. Der Rechtsanwalt arbeitet zusammen mit dem Insolvenzverwalter Wolf-Rüdiger von der Fecht in der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Metzler und van Betteray an dem Fall McZahn.

Rainer Girmes, seit Juni Vorsitzender des Aufsichtsrates bei McZahn, hat eine Erklärung für das Scheitern: „Das System war von Anfang an zu groß gestaltet für die Anzahl der Praxen, die sich angeschlossen haben.“ Nachdem McZahn-Gründer Werner Brandenbusch im Juni aus dem Vorstand ausgeschieden sei, habe dieser im August einen Kassensturz unternommen. „Dabei sind Lücken aus der Zeit vor dem Ausscheiden von Brandenbusch aufgetaucht“, sagt Girmes. „Es wurde klar, dass das Unternehmen nicht mehr zu retten ist.“

„Uns war von Anfang an klar, dass die niemals so expandieren“

McZahn war 2006 mit dem ehrgeizigen Ziel an den Start gegangen, bis 2010 in Deutschland 400 Filialen zu gründen. „Uns war von Anfang an klar, dass die niemals so expandieren“, sagt Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zahnärzte Verbands. Trotz seiner Warnungen vor eine unzureichenden Betreuung durch die McZahn-Ärzte waren „die Terminkalender dieser Praxen riesig voll“, muss Hendges gestehen.

„Zahnersatz zum Nulltarif“: So lautet das Versprechen der neuen Praxis-Kette „McZahn“. In den kommenden Jahren will der Zahnarzt-Discounter in ganz Deutschland 400 Filialen eröffnen.

Warum also ist das Konzept McZahn gescheitert? „ Einen solchen Franchise-Vertrag unterschreiben nur Praxen, die vorher nicht funktionieren und die denken, sie retten sich damit“, sagt Hendges. Insgesamt bemängeln die Verbände, dass McZahn den Ärzten, die laut Gesetz selbständige Unternehmer bleiben müssen, de facto wenig Freiheiten gelassen hat. „Die Zahnärzte mussten sich auf Zahnersatz eines bestimmten Unternehmens festlegen“, erklärt Uwe Neddermeyer, Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein. „Sie konnten nicht danach entscheiden, was für den Patienten das beste war.“ Außerdem habe McZahn von den Praxen bis zu 45 Prozent des Umsatzes verlangt, was für viele zu hoch gewesen sei, sagen Fachleute.

Negative Schlagzeilen, interne Querelen

Auch die negativen Schlagzeiten und die internen Querelen bei McZahn dürften Patienten abgeschreckt haben. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt seit September dieses Jahres gegen Ex-Vorstand Werner Brandenbusch. Dieser steht, zusammen mit weiteren Beschuldigten, unter dem Verdacht, Urkunden gefälscht zu haben, die Zahnersatz aus China die Qualitätsstandards bescheinigen sollten, die in der Europäischen Union gefordert werden.

Für Aufsehen sorgte auch die Auseinandersetzung mit einem Franchise-Nehmer im westfälischen Bünde. Dort konnten rund 100 Patienten nicht weiter behandelt werden, weil die Zentrale im Streit um Zahlungen die Zahnersatz-Lieferung an den Arzt zurück hielt. „Da wurden die Patienten in Bussen nach Krefeld zur nächsten Filiale gekarrt“, erinnert sich der Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Jeder Zahnarzt, der bei McZahn unterschreibt, ist selber schuld.“

Tatsächlich haben die Investoren laut Girmes aber schon einen Neustart von McZahn geplant. „Diesmal mit einer vorsichtigeren Strategie.“

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