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Wolfgang Mayrhuber im Interview „Wir fürchten Emirates nicht“

26.11.2007 ·  Lufthansa-Chef Mayrhuber über starke Konkurrenten und schwache Aktien

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Vielen europäischen Airlines geht es schlecht. Der Fusionsdruck steigt. Was heißt das für die Lufthansa? Wie gefährlich wird Emirates? Der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa spricht im Interview über starke Konkurrenten und schwache Aktien.

Herr Mayrhuber, wann sind Sie zum letzten Mal in der Economy-Klasse geflogen?
Vor sechs bis acht Wochen.

Und - wie war's?
Gut, in der gewohnten Qualität.

Vielflieger beklagen, dass es der Lufthansa im Vergleich zu asiatischen Airlines an Komfort fehle. Die Unterhaltungssysteme seien veraltet, die Bildschirme zu klein.
Bei der First Class sind wir, was die Ausstattung angeht, oberer Standard. Was den Service angeht, sind wir Spitze. Dasselbe gilt für unsere Business Class. Und auch in die Ausstattung der Economy Class investieren wir für unsere Kunden, indem wir jeden Sitz mit einem Bildschirm ausstatten.

Ihr Konkurrent Emirates hat gerade die größte Flugzeugbestellung der Welt getätigt und greift Lufthansa auf dem deutschen Heimatmarkt an. Fürchten Sie sich?
Nein, wir fürchten uns nicht. Die Zuverlässigkeit der Lufthansa und unser starkes Netz zählen. Aber es ist schon so, dass Emirates in einem völlig anderen Umfeld arbeitet. Sie zahlen in Dubai kaum Steuern, und die Worte Betriebsrat und Tarifvertrag sind wahrscheinlich noch gar nicht ins Arabische übersetzt. Das gilt auch für das Wort Planfeststellungsverfahren. Während man hier zehn Jahre lang über die Erweiterung eines Flughafens diskutiert, wird dort der größte der Welt gebaut.

Jetzt will Emirates in Deutschland zusätzliche Start- und Landerechte haben und auch von Berlin und Stuttgart aus fliegen. Wie reagiert Lufthansa?
Wir erwarten Fairness. Emirates alleine hat schon viermal mehr Rechte als wir. Es besteht die Gefahr, dass Arbeitsplätze von Deutschland nach Dubai exportiert werden.

Emirates raubt also Arbeitsplätze?
Für die Weltwirtschaft ist es egal, wer die Menschen in der Luft transportiert. Aber für die Arbeitsplätze ist es alles andere als egal. Jeder Langstreckenjet schafft oder sichert rund 400 Arbeitsplätze in Deutschland. Strecken, die nicht mehr aus Deutschland heraus operiert werden, führen zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen. Das darf nicht durch einseitige Marktzugänge gefördert werden. Ich habe bei Lufthansa Verantwortung für Menschen. Eine Studie hat gezeigt, dass die Golflinien bis 2012 den deutschen Fluglinien 3,1 Millionen Fluggäste abnehmen könnten. Ich halte das für realistisch.

Wie wollen Sie kontern?
Mit Qualität und einem attraktiven globalen Angebot. Unsere Stärke liegt in unserem umfassenden europäischen Netzwerk. Da sind wir führend. Wir positionieren uns für den globalen Wettbewerb.

Viele Fluggesellschaften stehen zum Verkauf. Sie zögern und schlagen nicht zu.
Wir wägen ab, was sich rentiert. Mit einer gewissen Vorsicht sind wir bisher nicht schlecht gefahren. Wir haben Verantwortung für unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre.

Was heißt das konkret? Haben Sie noch Interesse an der italienischen Fluggesellschaft Alitalia?
Natürlich ist Italien ein großer und wichtiger Markt. Die Alitalia hat aber kaum überschaubar große Probleme. Wir prüfen, ob wir ein Rezept finden und ein Angebot abgeben werden.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Mit einer Entscheidung, ob wir ein Angebot abgeben werden, rechne ich bis Ende dieses Jahres.

Was ist mit Iberia in Spanien?
Auch der spanische Markt ist für uns sehr interessant. Aber natürlich nicht zu jedem Preis.

Die Lufthansa-Tochter Germanwings plant eine Fusion mit TUIfly, heißt es.
Wir halten es da mit dem Federvieh: Wir gackern erst, wenn Eier gelegt sind.

Im neuen Geschäftsjahr wird die Lage schwieriger als 2007. Hohe Treibstoffkosten, das Wirtschaftswachstum wird schwächer. Wird die Lufthansa leiden?
Das wirtschaftliche Umfeld wird schwieriger, davon gehen wir aus. Wie stark, das muss man dann sehen. Aber eine Tugend der Lufthansa ist, dass wir ein wetterfestes Unternehmen sind. Wir sind aus Krisen immer schneller herausgekommen als viele Wettbewerber.

Preiserhöhungen lassen sich aber nicht mehr so leicht durchsetzen.
Das ist richtig.

Heißt das für die Lufthansa, dass sie sparen muss?
Wir sparen täglich. Aber wir investieren jeden Euro, der bei uns gespart wird, ins Unternehmen. Das zahlt sich für die Kunden und Aktionäre aus und schafft Perspektiven für die Mitarbeiter.

Trotzdem dümpelt Ihr Aktienkurs vor sich hin.
Letztes Jahr war Lufthansa noch eine der besten Aktien im Dax, was die Steigerung anbelangt. In diesem Jahr konnten wir diese Entwicklung leider nicht fortsetzen. Wir liefern ein historisches Rekordergebnis und beabsichtigen eine ordentliche Dividende zu zahlen. Trotzdem macht der Kurs seit einem Jahr eine Seitwärtsbewegung. Der Blick auf die Kursentwicklung der Wettbewerber zeigt aber, dass wir besser sind.

Was tun Sie, um den Kurs zu steigern?
Weiterhin gute Arbeit leisten und darauf vertrauen, dass unsere Aktionäre und potentielle Anleger das erkennen.

Im kommenden Jahr droht Ihnen wieder ein Konflikt mit Russland. Die Überflugrechte für Ihre Frachttochter Lufthansa Cargo sind nur befristet. Gibt es dafür eine Lösung?
Bislang noch nicht. Wir setzen auf eine langfristige Lösung im Rahmen von Regierungsverhandlungen. Die Übergangsregelung ist nur bis Ende Februar gültig. Wir würden es deshalb begrüßen, wenn die Verhandlungen schon im Dezember stattfinden könnten. Selbstverständlich werden wir die Verhandlungen konstruktiv unterstützen.

Verlegen Sie ihr Drehkreuz von Astana nach Krasnojarsk in Sibirien, wie es die Russen fordern?
Diesen Flughafen hatten wir schon 2005 ins Auge gefasst, aber wir haben an einen Flughafen eine Reihe von operationellen, technischen und kommerziellen Anforderungen. Der Flughafen in Sibirien kann heute nicht alle diese Anforderungen erfüllen. Wenn das in der Zukunft der Fall ist und man dort beispielsweise auch bei Nebel starten und landen kann, dann könnte eine Verlegung durchaus attraktiv sein. Nach unseren Erfahrungen ist der Zeitbedarf für eine Aufrüstung erheblich, etwa eineinhalb bis zwei Jahre rechnet man. Wie groß er im konkreten Fall ist, kann nur der Flughafen dort beurteilen.

Das Gespräch führten Christian Siedenbiedel und Tim Höfinghoff

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.11.2007, Nr. 47 / Seite 46
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