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Wohin steuert die Deutsche Bahn? Hansen will Jobabbau, Mehdorn widerspricht

 ·  Der bisherige Chef der Gewerkschaft Transnet und künftige Bahn-Arbeitsdirektor Norbert Hansen hat sich in seiner neuen Rolle glasklar positioniert. In einem Interview kündigte er Arbeitsplatzabbau an und forderte mehr Effizienz: Ein Lokführer könne auch einmal ein Zugabteil aufräumen. Bahnchef Mehdorn nennt die Aussagen „an den Haaren herbeigezogen“.

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Noch nicht einmal im Amt, hat der designierte Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn AG und frühere Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, mit Äußerungen über einen Personalabbau beim letzten großen Staatskonzern für Aufregung gesorgt. Während der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, Hansen vorwarf, „seine Rolle als neuer Arbeitsdirektor im Vorstand der Deutschen Bahn ja offensichtlich schon bestens verinnerlicht zu haben“, beschwichtigte Bahn-Chef Mehdorn umgehend. „Spekulationen über einen Personalabbau bei der Bahn sind an den Haaren herbeigezogen.“ Mehdorn verwies auf den Struktur-Sicherungs-Tarifvertrag, den die Bahn mit der Tarifgemeinschaft Transnet und GDBA abgeschlossen hatte. Damit seien betriebsbedingte Kündigungen wegen der Privatisierung bis 2023 ausgeschlossen.

Hansen hatte in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung angekündigt, dass „in einigen Bereichen Personalabbau“ notwendig sei. Er fügte an, dass er schon als Gewerkschaftschef Arbeitsplätze in der Verwaltung von Transnet habe abbauen müssen.

„Ein Lokführer kann auch mal Zugabteile aufräumen“

Von den Bahn-Mitarbeitern forderte Hansen eine höhere Effizienz. „Es gibt mittlerweile viele regionale Bahngesellschaften, die zeigen, wie es gehen kann“, sagte der neue Arbeitsdirektor. Ein Lokführer sei dann etwa nicht nur dafür verantwortlich, den Zug zu steuern, sondern könne in den Zugabteilen auch mal aufräumen oder auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken. Bei einem großen Konzern wie der Bahn sei dies zwar schwieriger durchzusetzen, aber in diese Richtung müsse der Konzern langfristig denken.

Das Interview sorgte in der Bahn-Zentrale in Berlin für Unmut. Denn Hansen hatte seine Sätze zuvor nicht mit seinen künftigen Vorstandskollegen abgestimmt. Gerätselt wird nun, was den Medienprofi Hansen zu diesen Aussagen bewogen haben könnte. In Kreisen der Bahn wird gemutmaßt, dass Hansen mit seinen Äußerungen eher beschwichtigen wollte. Nach dem Motto: „Seht her, ich habe auch bei der Gewerkschaft Entlassungen sozialverträglich gestaltet.“ Unterdessen wurde am Freitag Lothar Krauß in Frankfurt zum neuen Vorsitzenden der Gewerkschaft Transnet gewählt.

Das ohnehin schon angespannte Verhältnis des ehemaligen Transnet-Chefs Hansen zur GDL dürfte durch das Interview nicht besser geworden sein. Denn seine Aufforderung, dass Lokführer nicht nur dafür verantwortlich seien, den Zug zu steuern, sondern in den Abteilen auch mal aufzuräumen, rief auf Seiten der GDL Kopfschütteln hervor. Das geschehe schon, belehrte Weselsky Hansen und fügte an: „Eine solche Forderung zeigt daher die profunde Sachkenntnis, mit der Hansen als ehemaliger Transnet-Vorsitzender Lokführerinteressen vertreten hat.“ Weselsky spielte damit auf den Monate währenden Tarifkonflikt seiner Gewerkschaft mit der Bahn an. Nach zähen Verhandlungen hatte die GDL erreicht, künftig die Interessen der Lokführer in eigener Regie aushandeln zu können. Zuvor hatten sich die Lokführer nicht ausreichend durch Transnet und GDBA vertreten gefühlt.

Gratwanderung

Hansen steht in seiner künftigen Rolle als Arbeitsdirektor vor einer Gratwanderung. Denn die bisher ertragreichste Sparte der Bahn, DB Regio, spürt zunehmend in Ausschreibungen den Gegenwind privater Anbieter. Dabei verweist die Bahn immer wieder darauf, dass ihre Konkurrenten wegen der geringeren Personalkosten billiger anbieten könnten. Deshalb gibt es in der Bahn-Zentrale Überlegungen, Tochterunternehmen zu gründen, in denen die Beschäftigten den gleichen Lohn wie ihre Kollegen im Mutterunternehmen erhielten, jedoch beispielsweise länger arbeiten und weniger Urlaub haben sollten.

Ein Beispiel dafür ist die Heidekrautbahn, bislang eine Briefkastenfirma mit Sitz in Potsdam, die nun die Ausschreibung für die Strecke zwischen Aachen und Siegen gewonnen hat. Im Juni soll es zwischen Transnet und der Bahn über die Heidekrautbahn Verhandlungen geben. Allerdings hat Transnet schon erklärt, einer Tarifflucht nicht zuzustimmen. Auch Hansen hatte wissen lassen, dass es unter seiner Verantwortung keine Tarifflucht geben werde. Es bleibt jedoch fraglich, ob er sich über die Gesetze des Marktes wird hinwegsetzen können.

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Von Hendrik Kafsack, Brüssel

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