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Wirtschaftskrise Siemens schickt mehr Beschäftigte in Kurzarbeit

27.03.2009 ·  Schon im Februar hatte Siemens mehr Beschäftigte kurz arbeiten lassen, als ursprünglich geplant. Jetzt wird die Kurzarbeit abermals ausgeweitet. Die wirtschaftliche Schwächephase werde „eher noch zwei Jahre als zwei Quartale“ andauern, schätzt der Vorstand. Die Krise habe Siemens schon jetzt erreicht.

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Der Siemens-Konzern sieht noch lange kein Ende der weltweiten Wirtschaftskrise und will die Kurzarbeit abermals ausweiten. Die Zahl der bisher rund 7400 von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten werde sich deutlich erhöhen, sagte Siemens- Finanzvorstand Joe Kaeser am Donnerstagabend in München. Es ist schon die zweite Ausweitung der Kurzarbeit, nachdem im Februar schon einmal die Zahl der Kurzarbeiter erhöht und die Produktion weiter gedrosselt worden war.

„Wir sind der Auffassung, dass die Kurzarbeit ein sehr probates Mittel ist, eine längere Schwächephase zu überbrücken.“ Nach der Industrieautomatisierung und der Lichttechnik-Tochter Osram werde es auch andere Sparten treffen. Von einer raschen Erholung geht Kaeser nicht aus.

„Wir werden einen kleineren Markt haben“

Die wirtschaftliche Schwächephase werde „eher noch zwei Jahre als zwei Quartale“ andauern. „Wir müssen uns auf eine deutliche Anpassung der Nachfrage einstellen.“ In vielen Geschäften ist nach Einschätzung Kaesers die Talsohle noch nicht erreicht.

Von den staatlichen Konjunkturprogrammen werde Siemens wohl erst ab dem kommenden Geschäftsjahr profitieren. Konzernweit belaste die Weltwirtschaftskrise das Orderbuch des Technologiekonzerns auf längere Zeit, da Kunden zum Teil vor Refinanzierungsproblemen stünden. „Wir werden einen kleineren Markt haben“, sagte Kaeser. Derzeit gebe es allerdings lediglich Verschiebungen von Aufträgen und noch keine Stornierungen.

„Die Krise hat Siemens erreicht, aber Siemens ist nicht in der Krise“

An der von Analysten als unrealistisch eingestuften Prognose für das im September endende Geschäftsjahr hielt Kaeser fest. „Solange es keine neue Zahl gibt, gilt die alte.“ Siemens peilt bislang ein operatives Ergebnis von bis zu 8,5 Milliarden Euro an. Grundsätzlich habe das Unternehmen keine gravierenden Probleme. „Die Krise hat Siemens erreicht, aber Siemens ist nicht in der Krise.“ Zu möglichen Zukäufen äußerte sich Kaeser zurückhaltend. Die Kapitalausstattung seines Hauses habe Priorität. „Zu sagen, dass wir als Großaufkäufer auf der Welt auftreten, wäre absolut verfrüht.“

Am Vortag hatte Siemens-Chef Peter Löscher in einem Zeitungsinterview bereits die Prognose in Frage gestellt. Auch Kaeser erklärte: „Die Zeiten sind nicht einfacher geworden.“ Siemens sei aber der einzige Konzern in der Investitionsgüterindustrie, der seine Prognose seit der Herausgabe im vergangenen Juli aufrechterhalten habe.

Schwierigkeiten in der Industrieautomatisierung, Antriebstechnik und bei Osram

Im zweiten Quartal erwartet Kaeser für den Konzernumsatz eine nominale Steigerung über das Vorjahresniveau von 18,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Sparten von 1,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum will Siemens deutlich übertreffen. Zugleich solle der Auftragseingang über dem Umsatz liegen. Die genauen Zahlen veröffentlicht das Unternehmen am 29. April.

Erhebliche Schwierigkeiten gibt es nach den Worten Kaesers in der Industrieautomatisierung, in der Antriebstechnik und bei Osram. Bei der Lichttechnik-Tochter dürften diese auch in den kommenden Quartalen anhalten. Für den Sektor Medizintechnik, der seit einiger Zeit mit Einsparungen im amerikanischen Gesundheitswesen kämpft, sieht Kaeser sowohl im zweiten Quartal als auch im laufenden Geschäftsjahr Umsatz- und Ergebnissteigerungen. „Der Medizinbereich hat keine Probleme“, sagte er. Der Energie-Sektor halte sich weiter sehr gut. Hier seien für den Zeitraum zwischen Januar und März erhebliche Steigerungen des Ertrags im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu erwarten.

Quelle: FAZ.NET mit dpa und Reuters
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