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Wirtschaftskriminalität Commerzbank: Auch gegen Müller wird ermittelt

13.08.2005 ·  Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ihre Ermittlungen bei der Commerzbank auch auf deren Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller ausgeweitet. In der Affäre geht es um Rußlandgeschäfte und Geldwäsche in Millionenhöhe.

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ihre Ermittlungen in der Geldwäsche-Affäre der Commerzbank nach Angaben des Kreditinstituts auf dessen Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller ausgeweitet. Nach dem durch die Untersuchungen ausgelösten Rücktritt von Personalvorstand Andreas de Maizière Mitte Juli gerät damit das Top-Management von Deutschlands drittgrößtem börsennotierten Geldhaus weiter unter Druck.

„Das Ermittlungsverfahren erstreckt sich seit wenigen Tagen auch auf den Sprecher des Vorstands der Commerzbank“, teilte die Bank am Samstag in Frankfurt mit. Die Bank habe für die Ausweitung kein Verständnis und gehe von der „vollständigen Entlastung“ Müllers aus. Dazu werde auch die seit Ende 2004 laufende Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beitragen. Diese sei weit fortgeschritten. Ein Commerzbank-Sprecher sagte, es sei unklar, worin der Verdacht gegen Müller bestehe. Die Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Geldwäsche in Millionenhöhe?

Vor dem Hintergrund des durch Übernahmespekulationen getriebenen Höhenflugs der Commerzbank-Aktie in den vergangenen Tagen sagte Müller der „Welt am Sonntag“, er habe keine Signale für ein Angebot für die Bank. „Es gibt keine Gespräche. Und auch keine Vermutung, ob und wer uns übernehmen will.“

In der Geldwäsche-Affäre geht es um die Rolle der Bank bei der Privatisierung russischer Telekommunikationsfirmen in den 90er Jahren. An derbeschuldigten Luxemburger First National Holding (FNH) hielt die Commerzbank zeitweise treuhänderisch die Mehrheit. Bisher war von insgesamt sieben Beschuldigten die Rede, darunter drei Bank-Mitarbeiter. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, der eigentliche FNH-Eigentümer, ein dänischer Anwalt, habe als Strohmann für den russischen Telekommunikationsminister Leonid Reiman agiert. Müller habe beide mindestens einmal im Juli 1998 getroffen.

Der heutige Commerzbank-Chef war bis 1999 selbst für das Mittel- und Osteuropa-Geschäft verantwortlich. Ein Sprecher der Commerzbank hatte Vorwürfe gegen Müller schon Ende Juli als „absurd“ bezeichnet. Es habe sich aus damaliger Sicht um völlig normales Bankgeschäft gehandelt. Unterstützung erhielt Müller von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zunächst sei der Ausgang des Verfahrens abzuwarten, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden gerne dazu mißbraucht, Personen in Verruf zu bringen. Der Ruf der Bank leide jedoch zweifelsohne.

Commerzbank ist ein Übernahmekandidat

Die Geldwäsche-Affäre trifft Müller in einer Phase, in der - angeheizt durch den Kauf der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische UniCredito - die Commerzbank wieder ins Zentrum von Übernahmespekulationen gerät. „Wenn man die Deutsche Bank außen vor läßt, bleibt nur die Commerzbank, wenn man in Deutschland ein flächendeckendes Filialnetz erwerben will“, räumte Müller selbst im Interview der „Welt am Sonntag“ ein. Es sei nicht auszuschließen, „daß uns ein Wettbewerber mit höherer Marktkapitalisierung übernimmt“.

Der Kursanstieg der vergangenen Tage basiere aber unter anderem auf Gerüchten und Spekulationen. Die Commerzbank-Aktie hatte in der vergangenen Woche durch Gerüchte getrieben um bis zu 16 Prozent an Wert gewonnen. Als Käufer war die französische Bank BNP Paribas ins Spiel gebracht worden, die Händlern zufolge bis zu 30 Euro je Papier bieten wollte. Der Commerzbank-Aktienkurs erreichte damit den höchsten Stand seit vier Jahren. Dennoch gilt die im internationalen Vergleich renditeschwache Commerzbank mit 12,6 Milliarden Euro Börsenwert nach wie vor als günstig. Müller warnt seit längerem vor einem Ausverkauf deutscher Geldhäuser.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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