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Wirtschaftsberater Bert Rürup wird dem AWD zu teuer

20.11.2009 ·  Seit dem Frühjahr berät der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup die Finanzvertriebsgesellschaft AWD. Jetzt hat der Finanzdienstleister den Vertrag geändert. Dem Vernehmen nach will der Großaktionär Swiss Life die hohen Kosten nicht mehr hinnehmen.

Von Stefan Ruhkamp
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Die Altersversorgung des Wirtschaftsberaters Bert Rürup hat einen Knacks bekommen. Die Finanzvertriebsgesellschaft AWD, die sich seine Dienste vor einem Jahr gesichert hat und für die er seit dem Frühjahr 2009 tätig ist, hat nun den Vertrag geändert.

Dem Vernehmen nach will der Großaktionär Swiss Life die hohen Kosten nicht mehr hinnehmen. "Es ist richtig, dass wir das Arbeitsverhältnis mit Professor Rürup im gegenseitigen Einvernehmen auf eine neue vertragliche Basis gestellt haben", sagte ein AWD-Sprecher. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass dies von Januar an gelten wird. Rürup kann dann seine Dienste auch anderen anbieten.

AWD werde mit Rürup aber weiter zusammenarbeiten, sagte der Sprecher. Er bleibe dem Unternehmen als beratender Chefökonom verbunden. Zu seinen Aufgaben zählten weiterhin das Erstellen ökonomischer Analysen sowie Vorträge, Marktsondierungen und Markteinschätzungen. Rürup will sich nicht äußern. "Fragen sie doch den Pressesprecher", sagte er am Donnerstag.

Die Branche schmückt sich gerne mit Größen aus Politik und Wissenschaft

Dabei hatte Rürups Engagement beim AWD hoffnungsvoll begonnen. Der Finanzdienstleister mit dem historisch bedingt mäßigen Ruf - das Unternehmen hat seine Wurzeln im Strukturvertrieb - versprach sich viel von dem Wirtschaftswissenschaftler Rürup. "Niemand kennt die Anforderungen an moderne Altersvorsorgeprodukte der Zukunft besser als Professor Rürup", ließ der AWD-Gründer und damalige Co-Vorstandsvorsitzende Carsten Maschmeyer in einer Pressemitteilung verkünden. Kurz zuvor hatte das Unternehmen Rürup auf einem "Coaching-Kongress der Superlative" in einer Reihe mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, Boxer Henry Maske und Witzeerzähler Atze Schröder präsentiert.

Rürup brachte seinen guten Ruf mit, den er sich als Politikberater und Vorsitzender des Sachverständigenrates erworben hatte. Außerdem hat sich der bald 66 Jahre alte Fachmann seit vielen Jahren um die private Altersvorsorge verdient gemacht. Er gilt als geistiger Vater der steuerbegünstigten Basisrente, die vor allem von Selbständigen für die ergänzende Altersversorgung verwendet wird und nicht nur beim AWD unter dem volkstümlichen Begriff "Rürup-Rente" im Programm ist.

Rürup reizte am AWD-Engagement nach eigenem Bekunden vor allem die Herausforderung. Nach 40 Jahren in Universität und Wissenschaft wolle er noch einmal etwas Neues beginnen, sagte er zur Ankündigung seines Engagements im vergangenen Herbst. "Gleichzeitig kann ich meine Erfahrung und mein Wissen einbringen, um Kundennutzen noch weiter mit zu optimieren", ließ er in eigenwilliger Diktion verbreiten.

Einige Beobachter munkelten schon zu diesem Zeitpunkt, dass es auch um Geld gehen könnte, denn die Branche der Finanzdienstleister schmückt sich gern mit ehemaligen und aktuellen Größen aus Politik und Wissenschaft - und steht in dem Ruf, dabei nicht kleinlich zu sein.

rup darf seine Deinste nun auch anderen anbieten

Rürup reagierte auf solche Vorhaltungen selbstbewusst. "Aha, Sie wollen eine Neiddebatte führen - bitte schön", sagte er in einem Interview mit der Zeitschrift "Börse online". Als Professor habe er aufgrund mehrerer Rufe ein sehr gutes Gehalt. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mein derzeitiges Arbeitseinkommen nicht merklich höher ist."

Nach dem Geschmack des Großaktionärs Swiss Life ist es zu hoch. Der Schweizer Lebensversicherer soll im Aufsichtsrat darauf gedrungen haben, den bisherigen Vertrag nicht fortzusetzen. Grund auf die Kosten zu achten, gibt es beim AWD genug. Das Unternehmen hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 knapp 20 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr und einen Fehlbetrag von 20 Millionen Euro erwirtschaftet.

Rürup hat nun die Möglichkeit, seine Arbeitskraft auch anderen Themen zu widmen. Sollte er eine Rückkehr in Wissenschaft und Politikberatung erwägen, könnte sich vielleicht als Glücksfall erweisen, was zunächst wie ein Ärgernis wirkte. Seine Abschiedsvorlesung mit dem Titel "Vom Elend der wissenschaftlichen Politikberatung" war bei Kollegen nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Viele haben sie aber vielleicht gar nicht gehört oder gelesen. Denn die Veranstaltung war von Globalisierungsgegnern niedergepfiffen worden.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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