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Winzer Markus Schneider : Die neue Etikette

Der Winzer im Kapuzenpulli: Marcus Schneider zwischen Weinfässern Bild: Jonas Wresch

Der Pfälzer Winzer Markus Schneider hat seinen Wein zur Marke erhoben und damit eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten im deutschen Weinbau geschrieben.

          Holy Moly oder Tohuwabohu? Oder vielleicht doch besser Hullabaloo? Oder darf es ein Shiraz aus der Pfalz sein oder lieber eine elegante Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon? Und für den Weißweinliebhaber vielleicht eine Mischung aus Sauvignon blanc, Chardonnay und Viognier?

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis.

          Der Winzer Markus Schneider aus dem pfälzischen Ellerstadt macht alles ein wenig anders als die meisten seiner deutschen Kollegen. Er wählt andere Rebsorten, er gibt seinen Weinen eigenwillige Namen. In den Anfangsjahren verzichtete Schneider für seine Weine ganz auf die sonst gängige Nennung von Weinbergen und Prädikatsstufen wie Kabinett oder Spätlese auf dem Etikett.

          Und doch ist Markus Schneider durch und durch ein Pfälzer Bub, der das Herz auf der Zunge trägt. Impulsiv, ein wenig stur und ehrgeizig. In weniger als 20 Jahren hat Schneider aus dem Nichts ein Weinunternehmen geformt, das zur deutschen Spitze zählt.

          Das war nicht vorgezeichnet. Sein Vater war vor allem Obstbauer, die Trauben der familieneigenen Weinberge wurden nicht in eigenen Wein verwandelt, sondern zunächst an die Friedelsheimer Winzergenossenschaft und später an das in Ellerstadt neugegründete Weingut Heinrich Vollmer abgegeben, das binnen weniger Jahre zu einem der größten deutschen Erzeuger aufstieg. Eine Erfolgsgeschichte, die Schneider im Ort hautnah miterlebt hat.

          Mit dem Kleinbus auf Weinfesten und in Fußgängerzonen

          Schon mit 14 Jahren verspürt der junge Markus den Druck der Eltern, sich für einen beruflichen Weg zu entscheiden. Ein zweiwöchiges Schulpraktikum beim renommierten Weingut Dr. Bürklin-Wolf im benachbarten Wachenheim brachte überraschend schnell die Entscheidung: Winzer. „Danach war ich selig“, sagt Schneider.

          Mit 15 begann er die dreijährige Winzerausbildung. Wie sein Vater Trauben nur für andere Winzer zu erzeugen, das wollte er nicht mehr. Das Beispiel des erfolgreichen Vollmer und die Erfahrungen bei Bürklin-Wolf haben Schneider beflügelt, selbst guten Wein herstellen zu wollen.

          Er hat aber auch schnell gelernt, dass Qualität allein nicht reicht. Der Erfolg eines Weinguts hängt heute von seiner Fähigkeit ab, den Wein zur Marke zu machen. Jahrgänge, Böden, Rebsorten, Erträge mögen weiterhin wichtig bleiben, entscheidend aber ist die Marke.

          Die Eltern glaubten an ihren Sprössling. Sie investierten ihre Ersparnisse von rund 30.000 Mark in das neu entstehende Weingut. Ein Start-up im deutschen Weinbau hat den Vorteil, dass der Jungunternehmer auf die Erwartungen von Stammkunden und gewachsene Geschäftsbeziehungen keine Rücksicht nehmen muss und seinen Kopf voller Ideen einfach durchsetzen kann. Er hat alle kreativen Freiheiten.

          Mit dem Jahrgang 1994 ging es los. Der gerade 18 Jahre alte Schneider tauchte mit seinem ersten Wein und seinem Kleinbus auf Weinfesten und in Fußgängerzonen auf. Er tingelte durch Städte und Dörfer und begann das, was er rückblickend den „Kampf um Kunden“ nennt.

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