Home
http://www.faz.net/-gqi-7hcc7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Windparkentwickler Windreich ist zahlungsunfähig und beantragt Insolvenz

Seit Monaten wird über das Ende des Windparkentwicklers aus dem Schwäbischen spekuliert. Dabei ermittelt längst die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung.

© dpa Vergrößern Windpark in der Nordsee

In der vergangenen Woche gab sich Willi Balz, der Gründer und Geschäftsführer der Windreich GmbH, noch siegessicher. Er habe eine Brückenfinanzierung vereinbart, mit der die Liquidität bis zum Jahresende gesichert sei, erklärte er gegenüber der F.A.Z. Außerdem stehe er mit Geldgebern für den Windpark MEG I in der Nordsee kurz vor dem Abschluss. Das wäre angesichts einer dreistelligen Millionensumme wohl ein Durchbruch für das Unternehmen gewesen. Windreich ist eine Gesellschaft, die sich früh auf die Planung von Meereswindparks in der deutsche See fokussiert hat und dadurch eine lange Projektliste vorzeigen kann.

Doch die tatsächliche Lage des Unternehmens passt nicht zu diesen Aussagen: Am Freitag hat Willi Balz für die Windreich GmbH Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt. Das bestätigte das Amtsgericht Esslingen auf Anfrage der F.A.Z. Balz hat nach dem neuen Insolvenzrecht die Eigenverwaltung beantragt und zumindest vorläufig auch bewilligt bekommen. Als Sachwalter ist der Stuttgarter Anwalt Holger Blümle berufen worden. Blümle ist Partner der Kanzlei Schultze & Braun. Weder Balz noch Blümle waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

  WINDREICH ANL. 10/15
Aktueller Kurs -- 
Veränderung -- (--)
52 Wochen Hoch --
52 Wochen Tief --

Mit seinem Eigenantrag versucht Balz, sein Unternehmen in Eigenregie sanieren zu können. Das wäre schwieriger gewesen, wenn er nicht selbst seine Zahlungsunfähigkeit eingeräumt hätte, sondern durch den Insolvenzantrag eines Geschäftspartners in die Situation gezwungen worden wäre. Einen solchen Insolvenzantrag durch einen Gläubiger mit Millionenforderungen gab es nach Informationen dieser Zeitung schon vor mindestens zehn Tagen. Das zuständige Amtsgericht Esslingen hat das Verfahren aber zunächst nicht eröffnet, weil Windreich-Eigner Balz offenbar glaubhaft machte, dass die Zahlungsschwierigkeiten vorübergehender Natur seien.

Gegenüber dieser Zeitung dementierte Balz vor einer Woche die Existenz eines Insolvenzantrags: „Weder gegen mich noch gegen Windreich oder eines der Tochterunternehmen ist ein Insolvenzantrag gestellt worden“, sagte er. „Lassen Sie sich nicht instrumentalisieren.“ Jetzt, da es Windreich wieder besser gehe, kämen die Gegner wieder hervor: „Wir haben 2012 verblüffend gute Zahlen erzielt“, behauptete Balz. Eine testierte Bilanz über das Jahr 2012 gibt es bisher allerdings nicht. Anlässlich einer sogenannten Bilanzpressekonferenz, zu der das schwäbische Unternehmen nach Bremerhaven einlud, blieb Balz viele Antworten schuldig. Den dürftigen Informationen zufolge lagen die Schulden immer noch bei 400 Millionen Euro, bei einer Gesamtleistung von rund 100 Millionen Euro - die allerdings zum Teil auch durch den Verkauf von Anlagevermögen erzielt wurde.

  WINDREICH ANL. 11/16
Aktueller Kurs -- 
Veränderung -- (--)
52 Wochen Hoch --
52 Wochen Tief --

Immer wieder zahlte Balz die Gehälter seiner Mitarbeiter verspätet oder sogar die Zinsen der Anleihegläubiger - bis er über sein Privatvermögen doch noch genug Geld zusammenbekam. Die ohnehin schon schlechte Bewertung der Prüfagentur Creditreform für die von ihm plazierten Mittelstandsanleihen fiel im Winter so ungünstig aus, dass Windreich die Veröffentlichung verweigerte und stattdessen in Kauf nahm, dass die Anleihen nur noch im Freiverkehr erhältlich sind.

Seit diesem Frühjahr ermittelt die Stuttgarter Staatsanwalt auch wegen Insolvenzverschleppung bei Windreich. Es seien Jahres- und Konzernabschlüsse geschönt worden, lautet der Vorwurf gegen fünf aktive und ehemalige Windreich-Manager, unter ihnen auch der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring. Er war in verschiedenen Funktionen, vom Vorstand über den Aufsichtsrat, tätig. Weiter wird wegen Kapitalanlagebetrug, Marktpreismanipulation und Kreditbetrug ermittelt.

Mehr zum Thema

Dennoch sucht Balz weiter nach Ideen, seine Geschäfte auszubauen. Erst in der vergangenen Woche vermeldete er stolz die Gründung einer BGB-Gesellschaft in Wolfschlugen, der 6000-Seelen-Gemeinde, in der die Windreich GmbH ihren Sitz hat. Damit könnten seine Mitbürger sich erstmals direkt an dem von ihm initiierten Nordsee-Windpark Global Tech I beteiligen, teilte er mit.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Karlie streicht Stellen

Underberg und Valensina halten den Wechsel vom aufgelösten Mittelstandsmarkt in den Primärmarkt nicht für nötig. Creditreform senkt das Rating der MAG IAS. Mehr

27.01.2015, 14:02 Uhr | Finanzen
Auf Hochsee-Montage mit der ’Brave Tern

Die Männer sind auf Hochsee-Montage und das Installationsschiff "Brave Tern" ist ihr Arbeitsplatz: Ingenieure aus Norwegen, Mechaniker aus Deutschland, Crewmitglieder aus der ganzen Welt. 100 Kilometer vor der deutschen Küste errichten sie den Windpark Global Tech One. Ein Spagat zwischen Faszination und Knochenjob, Gefahr und Nervenkitzel. Mehr

18.09.2014, 12:13 Uhr | Wirtschaft
Offshore-Windparks Die Baustellen auf See kommen zügig voran

Jahrelang haben die Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee vor allem durch Bauverzögerungen und Kostensteigerungen von sich reden gemacht. Nun sieht die Industrie den Wendepunkt erreicht. Mehr Von Holger Paul

15.01.2015, 14:56 Uhr | Wirtschaft
Ein Kommissar beim Klassentreffen

Kommissar Hubertus Jennerwein ermittelt wieder: Jörg Maurer erzählt von seinem neuen Krimi mit dem Titel Felsenfest. Mehr

11.10.2014, 16:32 Uhr | Feuilleton
Deutsches Design Sie richten sich in der Zukunft ein

Auf der Kölner Möbelmesse stellten die deutschen Design-Marken ihre Neuheiten vor. Damit wollen sie vor allem das Ausland für sich gewinnen. Billigimporte und die veränderten Einrichtungsvorlieben hierzulande machen den Herstellern zu schaffen. Mehr Von Christine Scharrenbroch

26.01.2015, 15:04 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.09.2013, 18:16 Uhr

Bürokratie-Rätsel

Von Dietrich Creutzburg

Der Arbeitgeberpräsident sei ihr in den Rücken gefallen, beklagt Andrea Nahles über dessen Kritik an der geplanten Arbeitsstättenverordnung. Tatsächlich wirkt die plötzliche Kritik etwas scheinheilig. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Schusswaffen holen fast die Autos ein

In Amerika sterben mehr als 33.000 Menschen im Jahr durch Waffen - das sind fast so viele wie Tote im Straßenverkehr. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden