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Künstliches Fleisch : Ersetzt das einmal die Massentierhaltung?

Schluss mit aufgereihten toten Hühnchen? Bild: dpa

Der Wiesenhof-Konzern verdient prächtig mit seinen 700.000 Tonnen Fleisch jedes Jahr. Jetzt beteiligt er sich an einem israelischen Start-up, das künstliches Fleisch entwickelt. Es geht um viel.

          Die Mengen sind gewaltig. Knapp 700.000 Tonnen an Fleischprodukten, vom Hähnchenschenkel über die Entenbrust bis zur Geflügelsalami, bringt der unter dem Namen Wiesenhof bekannte Hersteller PHW jedes Jahr in die Supermärkte. Das Geschäft des deutschen Marktführers brummt, aber trotzdem will sich das Unternehmen breiter aufstellen. Deshalb beteiligt sich PHW mit einem Minderheitsanteil an dem israelischen Start-up Supermeat, das ein Verfahren entwickelt hat, um künstliches Fleisch im Labor herzustellen. Für das Familienunternehmen aus Niedersachsen sei dies der Beginn einer „strategischen Partnerschaft“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende von PHW, Peter Wesjohann, am Freitag zitieren.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Supermeat rechnet damit, in drei Jahren die erste Generation von künstlich erzeugtem Geflügelfleisch an Restaurants liefern zu können. Weitere zwei bis fünf Jahre werde es dauern, bis die Produktion eine industrielle Größe erreichen könne. Zwar steht das Geschäft noch ganz am Anfang, doch sieht der Gründer und Geschäftsführer von Supermeat, Ido Savir, ein großes Potential. Viele Menschen wollten Produkte aus Massentierhaltung vermeiden, außerdem reduziere die Produktion in der Petrischale die Schadstoffemissionen sowie den Land- und Wasserverbrauch der konventionellen Landwirtschaft.

          Noch zwei weitere Investoren

          Kern seines Geschäftsmodells ist ein technisches Verfahren, bei dem Zellen von lebenden Hühnern entnommen werden, ohne die Tiere zu schädigen. Im Labor wächst das Gewebe dann zu tierischen Muskelfasern heran, deren Geschmack sich kaum von dem Fleisch geschlachteter Tiere unterscheiden soll. Andere Forscher und Unternehmer arbeiten an ähnlichen Verfahren, um sogenanntes „In-Vitro-Fleisch“ herzustellen, etwa die Start-ups Memphis Meats aus San Francisco oder Modern Meadow aus New York. Auch das aus der Universität Maastricht ausgegründete Unternehmen Mosa Meat sieht angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung große Wachstumschancen im Markt für künstliches Fleisch.

          Die PHW-Gruppe hatte sich schon vor einigen Jahren an vegetarische Produkte herangewagt und mehrere Wurstwaren auf Basis von Soja- und Erbseneiweiß herausgebracht. Wettbewerber wie Rügenwalder, Gutfried oder Herta – eine Marke des Lebensmittelkonzerns Nestlé – sind ebenfalls in das Geschäft eingestiegen. Die Aufmerksamkeit für die neuen Produkte ist groß, allerdings verändern die Verbraucher ihre Essgewohnheiten nur langsam. Laut dem Bundesverband der Fleischindustrie isst jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich etwa 60 Kilo Fleisch – eine Zahl, die im Laufe der vergangenen Jahre weitgehend konstant blieb. Vegetarische und vegane Würste, Schinken und Aufschnitte sind weiter ein Nischenmarkt.

          Die Investoren von Supermeat erwarten, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Wie das Unternehmen mitteilte, sind zusammen mit PHW noch zwei weitere Investoren eingestiegen, die Finanzinvestoren New Crop Capital und Stray Dog Capital, die gezielt in den Markt für alternative Nahrungsmittel investieren. Insgesamt beläuft sich das Kapital, das Supermeat durch diese Finanzierungsrunde eingesammelt hat, auf 3 Millionen Dollar.

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