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Wienerwald : Nicht mehr nur das halbe Hendl

  • -Aktualisiert am

Verstaubtes Image Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

In den 70er Jahren war das Wienerwald-Imperium auf der ganzen Welt bekannt. Dann kam der große Niedergang und viele Eigentümerwechsel. Jetzt soll der Wienerwald ein modernes Gesicht bekommen. Doch leicht lässt sich die Unternehmensgeschichte nicht vergessen.

          Die Weltkarte im Büro von Michael Schrank ist mit Stecknadeln übersät. Eine steckt in Australien, eine in Chile, eine in Kanada. Eines Abends markierte der Geschäftsführer der Wienerwald Franchise GmbH aus München alle Länder, in denen er dem Unternehmen eine Chance gibt. Der 45-Jährige hat große Pläne für den Wienerwald. Irgendwann soll das Unternehmen wieder das werden, was es einmal war: Ein Konzern, der auf der ganzen Welt bekannt und vertreten ist. An die Erfolge des Unternehmensgründers Friedrich Jahn, der den Wienerwald in den 60-er und 70-er Jahren zu einem Imperium aufgebaut hatte, möchten Schrank und Daniel Peitzner, ebenfalls Geschäftsführer, anschließen.

          2007 kauften Jahns Töchter Margot Steinberg und Evelyn Peitzner die Markenrechte des Wienerwalds zurück. Am Grab des Vaters, Jahn starb 1998, haben die beiden versprochen, das Unternehmen zurück in die Familie zu holen. Die Geschäftsführung haben die Töchter der Enkelgeneration übertragen: Schrank ist Steinbergs Schwiegersohn, Daniel Peitzner der Sohn von Evelyn Peitzner. Bis Sommer dieses Jahres ließen die beiden sich Zeit, um ein neues Konzept auszuarbeiten. Nun soll Wienerwald ein modernes Gesicht bekommen.

          „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“

          Im Juni eröffneten in München und Unterhaching zwei Restaurants, die nicht mehr an Dorfgaststätten mit Schrammelmusik erinnern sollen. Mit einem modernen Design in hellen Farben und einer überarbeiteten Speisekarte, auf der es neben dem klassischen halben Hendl auch Neuentwicklungen wie Geflügelwürstchen gibt, soll das Unternehmen zukunftstauglich werden. Und auch um die Stecknadeln hat sich Schrank gekümmert. Im Juni 2009 eröffnete der erste Wienerwald in der Türkei.

          Michael Schrank im neuen Wienerwald München Trudering

          Vor kurzem reiste Schrank persönlich zur Eröffnung des 30. Restaurants nach Istanbul. Ende des Jahres sollen es schon 40 sein. „Dort konnten wir auf einer grünen Wiese beginnen ohne die komplizierte Ausgangslage, die durch die diversen Betreiberwechsel entstanden ist“, sagt Schrank. In der Türkei wächst der Wienerwald wie zu Jahns besten Zeiten.

          Von München aus eroberte der Unternehmensgründer Friedrich Jahn in der Nachkriegszeit als Hendlkönig Deutschland und die Welt. 1955 fing der gelernte Kellner mit dem ersten Restaurant im Münchener Stadtteil Schwabing an. In den 80-er Jahren waren es etwa 1500 auf der Welt. Den Spruch „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“, kannte jedes Kind.

          Wienerwald musste schon dreimal Insolvenz anmelden

          Der Niedergang des Unternehmens begann 1982. Aus Angst vor Betriebsräten, so sagt Schrank heute, habe Jahn das Unternehmen in zu viele kleine Einheiten aufgeteilt und sich bei mehr als 30 Banken Geld geliehen. Jahn konnte die Schulden nicht mehr bedienen, musste Insolvenz anmelden und den Wienerwald verkaufen.

          Das Unternehmen wurde geteilt, bis heute ist der Wienerwald in Österreich eine eigenständige Gesellschaft, deren Markenrechte nicht dem Wienerwald Deutschland gehören. Bis der Markenname 2007 zurück in die Familie kam, wechselte das Unternehmen oft den Besitzer und musste dreimal Insolvenz anmelden (siehe etwa Restaurantkette Wienerwald stellt Insolvenzantrag). 2005 ließ sich die damalige Geschäftsführung sogar dazu überreden, das grüne Huhn aus dem Logo zu entfernen.

          Das ist mittlerweile wieder da und das Unternehmen hat laut Schrank die turbulenten Zeiten erfolgreich hinter sich gelassen. Doch leicht lässt sich die Unternehmensgeschichte nicht vergessen. Es gibt noch immer eine andere Seite des Unternehmens, eine Seite jenseits von Bosporus, Geflügelwürstchen und engagierten Enkeln.

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