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Werner Wenning : „Kein Manager muss zehn Millionen verdienen“

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Multi-Aufsichtsrat Werner Wenning kontrolliert Bayer, Eon, Deutsche Bank. Und noch ein paar Konzerne mehr. Bild: Schoepal, Edgar

Der ehemalige Bayer-Chef Werner Wenning ist einer der mächtigsten Aufsichtsräte der Republik. Im Interview spricht er über Euro-Retter und Boni-Banker: „Es ist nötig und richtig, die Gehaltsexzesse zu stoppen“, sagt er. „Manches ist da aus dem Ruder gelaufen.“

          Herr Wenning, Sie kehren zwei Jahre nach der Pensionierung als Aufsichtsratschef zu Bayer zurück. Sind Sie gut abgekühlt nach der gesetzlich verordneten Zwangspause?

          Ich fühle mich auf guter Betriebstemperatur, denn ich hatte in der Zwischenzeit noch einige andere interessante Aufgaben.

          Wohl wahr: Außer Bayer sind Sie in den Aufsichtsräten von Eon, Deutscher Bank, HDI und Talanx sowie in den Gesellschafterausschüssen von Henkel und Freudenberg. Gibt es mächtigere Aufsichtsräte in Deutschland?

          Der Begriff „Macht“ ist nicht angemessen, ich rede lieber von Verantwortung im Zusammenhang mit meinen Mandaten. Natürlich stellt sich die Frage, wie ich mein Portfolio künftig gestalte - um diese Frage vorweg zu nehmen.

          Was ist die Antwort?

          Mein Portfolio wird sich verändern: Es werden insgesamt sicher nicht mehr Mandate, da ich jeder Aufgabe gerecht werden möchte. Ich mag es nicht, unvorbereitet zu sein. Das kostet mitunter Zeit. Aber ich möchte wissen, was in Sitzungen auf mich zukommt.

          Müssen Sie viel nacharbeiten bei Bayer? Haben Sie viel verpasst in den vergangenen zwei Jahren?

          Nein, fast 45 Jahre Bayer, das lässt man nicht links liegen. Vom Herzen her war ich ohnehin nie weg.

          Sie haben sehr mit dem neuen Gesetz gehadert, wonach Konzernchefs zwei Jahre pausieren sollen, ehe sie den Nachfolger kontrollieren. Haben Sie sich inzwischen damit angefreundet?

          Nein, ich halte das nach wie vor für eine überflüssige Regulierung. Das Entscheidende für einen Aufsichtsrat ist doch, dass er das Unternehmen versteht und zum Beispiel die Strategie beurteilen kann.

          Dagegen spricht, dass der Ex-Chef dem Neuen Steine in den Weg legt, wenn der das Erbe antastet.

          Wenn sich alle an die Spielregeln halten, besteht diese Gefahr nicht. Schauen Sie Bayer an: Als ich 2002 Vorstandsvorsitzender wurde, haben wir tiefgreifende Änderungen beschlossen und umgesetzt - mit meinem direkten Vorgänger Manfred Schneider im Aufsichtsrat. Auch insofern bin ich dafür, die „Abkühl“-Periode wieder abzuschaffen.

          Wie viel Zeit stecken Sie heute in Ihre Aufsichtsratsarbeit?

          Ich habe mir vorgenommen, vier Tage die Woche für meine Mandate da zu sein. Einen Tag und das Wochenende möchte ich gerne freihalten. Das schaffe ich leider nicht immer.

          Sie hatten beim Abschied versprochen, sich mehr um die Enkel zu kümmern: Füllen Sie die traditionelle Großvaterrolle aus?

          Was heißt schon traditionell? Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meinen Enkeln. Das ist einfach schön! Und ich bin dafür bekannt, dass ich am besten rechnen kann in der Familie. Mein ältester Enkel, gerade in der zweiten Klasse, rechnet gerne mit mir - und ich sehr gerne mit ihm.

          Sie haben Mandate im Finanzwesen wie in der Industrie. Auf welcher Seite stehen Sie im Gefecht Realwirtschaft gegen Banker?

          Vieles an der Kritik aus der sogenannten Realwirtschaft ist berechtigt. In den vergangenen Jahren hat sich mancher Ärger aufgestaut, diverse Betrugsfälle, die Libor-Manipulation, das alles hat ihn zusätzlich befeuert. Trotzdem: Nicht an allem sind die Banker schuld, für die Staatsschuldenkrise jetzt sind sie nicht verantwortlich. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass wir ein funktionierendes Bankensystem brauchen.

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