Home
http://www.faz.net/-gqi-z2xw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Werk in Chattanooga eröffnet Volkswagen bläst zur Aufholjagd in Amerika

Mit dem Käfer und dem alten VW-Bus hatte Volkswagen Anfang der siebziger Jahre großen Erfolg in Amerika. Dann folgte ein trauriger Niedergang, der Ende der achtziger Jahre in der Schließung des bis dahin einzigen Werkes in Amerika mündete. Jetzt hat Volkswagen wieder ein Werk in Amerika eröffnet.

© dapd / Volkswagen Vergrößern VW-Fahrzeuge aus Tennessee: Im Werk Chattanooga wird der Passat für den amerikanischen Markt vom Band rollen.

Ursprünglich hatte VW auf den Präsidenten gehofft. Kein Geringerer als Barack Obama sollte die verheißungsvolle Rückkehr in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit seiner Präsenz adeln. Doch Obama winkte ab. Stattdessen gab sich der amerikanische Verkehrsminister Ray LaHood in Chattanooga die Ehre. In einem Industriepark am Rande der Stadt in Tennessee, bekannt durch den Glenn-Miller-Klassiker "Chattanooga Choo Choo", hat VW am Dienstag mit großem Programm sein 62. Werk eröffnet.

Johannes Ritter Folgen:    

Es ist ein sehr bedeutender Schritt für die weitere Entwicklung des VW-Konzerns. Nur wenn Volkswagen endlich auch in Amerika besser reüssiert, kann der Vorstand unter Führung von Martin Winterkorn sein Ziel erreichen, größter Automobilhersteller der Welt zu werden. Von den 10 Millionen Fahrzeugen, die Winterkorn spätestens 2018 verkaufen will, soll eine Million an Käufer in den Vereinigten Staaten gehen, sagte der Vorstandsvorsitzende auf der Eröffnungsfeier in Chattanooga. Entschlossen fügte er hinzu: "Wir wollen wieder zu den besten in diesem Schlüsselmarkt gehören."

Mehr zum Thema

Anfang der siebziger Jahre war der Konzern mit dem Käfer und dem guten alten VW-Bus schon einmal relativ erfolgreich in Amerika gewesen. Doch dann folgten eine falsche Modellpolitik und ein trauriger Niedergang, der Ende der achtziger Jahre in der Schließung des bis dahin ersten und einzigen Werkes in Pennsylvania mündete. In Europa, China und Südamerika ist VW die Nummer 1. Aber ausgerechnet in den Vereinigten Staaten, neben China der größte Automarkt der Welt, agieren die Wolfsburger schon seit langem unter ferner liefen. Nur 360 000 Fahrzeuge der Marken VW und Audi hat der Konzern im vergangenen Jahr dort verkauft. Das war ein Marktanteil von 3,1 Prozent. Und was noch viel schlimmer ist: Die Wolfsburger verlieren in Amerika Jahr für Jahr viel Geld. In den vergangenen neun Jahren dürften sich die operativen Verluste auf deutlich mehr als 5 Milliarden Euro kumuliert haben. Allein 2010 dürfte ein Minus von fast 500 Millionen Euro aufgelaufen sein, schätzen Analysten.

Volkswagen eröffnet Werk in USA © dpa Vergrößern Ein VW Passat in der amerikanischen Version vor dem Werk in Chattanooga

Doch dank des neuen Werkes in den Südstaaten soll nun alles besser werden. Im Jahr 2013 werde man die Gewinnschwelle erreichen, verspricht der Vorstand. Das indes gelingt nur, wenn die Stufenhecklimousine, die VW in dem 1 Milliarde Dollar teuren Werk baut, auch genügend Käufer findet. Der speziell auf die Bedürfnisse amerikanischer Kunden zugeschnittene Passat steht von September an bei den Händlern. 150 000 Autos kann VW in der neuen Fabrik im eingeschwungenen Zustand pro Jahr bauen, 1700 Menschen werden dort beschäftigt. Wenn das nicht reicht, lässt sich die Kapazität auf 500 000 Fahrzeuge erhöhen, und es wäre auch noch Platz für die Schwestermarke Audi, die es ebenfalls nach Amerika zieht.

„General Motors, Ford und Chrysler werden nicht tatenlos zusehen“

Marc-René Tonn, Branchenanalyst im Bankhaus M.M. Warburg, hält den Produktionsaufbau in Amerika für sinnvoll, und zwar nicht nur wegen der damit verbundenen Absicherung gegen Wechselkursrisiken. "Für den Erfolg im amerikanischen Markt ist es wichtig, als lokaler Hersteller wahrgenommen zu werden", sagt Tonn. Nach Einschätzung von Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive in Bergisch Gladbach, muss VW schon allein deshalb in Nordamerika wachsen, um nicht allzu abhängig von China zu werden. Schließlich könne es auch dort eines Tages schwieriger werden, Autos zu verkaufen. Zugleich warnt Bratzel vor zu hohen Erwartungen: "Es wird für VW sicher nicht ganz einfach werden, in Amerika stärker Fuß zu fassen. Da wird viel Blut fließen."

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten VW kommt bei Sparkurs voran

Air France-KLM senkt die Prognose ein weiteres Mal, Europipe setzt die Produktion von Röhren aus und Ford hat seine Rückruf-Aktion wegen defekter Airbags des japanischen Zulieferers Takata ausgeweitet. Mehr

19.12.2014, 07:22 Uhr | Wirtschaft
Fahrbericht VW Passat Der wahre Wagen der Völker

Der meistverkaufte VW ist nicht der Golf, sondern der Passat. Möglich machen es Amerika und China. In Deutschland ist der Mittelklasse-Volkswagen Dienst- und Familienauto Nummer 1. Jetzt startet die achte Generation. Wir fuhren den ersten Probe. Mehr

20.10.2014, 17:46 Uhr | Technik-Motor
Herbert Diess Neuer Chef für Marke VW

Bisher hat Herbert Diess bei BMW als Entwicklungsvorstand die Weichen für die Zukunft gestellt. Jetzt hat VW ihn abgeworben. Mehr

09.12.2014, 08:12 Uhr | Wirtschaft
Opel Werk schließt nach 52 Jahren

In Hochzeiten haben 20.000 Menschen im Bochumer Werk produziert. Nun geht ein jahrelanger Überlebenskampf zu Ende. Das letzte Auto, ein Zafira, ist vom Band gelaufen. Mehr

11.12.2014, 16:27 Uhr | Wirtschaft
Insolvenzverfahren Detroit schnappt nach Luft

Die Stadt Detroit hat das größte kommunale Insolvenzverfahren in der Geschichte Amerikas abgeschlossen. Aber auch wenn der Zwangsverwalter jetzt seine Arbeit niederlegt, bleibt die Frage: Wie kann die Stadt den Exodus seiner Bürger stoppen? Mehr Von Norbert Kuls, New York

11.12.2014, 18:17 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.05.2011, 19:23 Uhr

Gabriels Ente

Von Jan Grossarth

Sigmar Gabriel entsagt der Ente aus Massenhaltung. Das ist gut für die Ente - doch auch ziemlich arrogant, den Entenbraten der meisten Wähler „Mist“ zu nennen. Mehr 3 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages In Griechenland wird die Arbeit wieder teurer

Jahrelang sanken in Griechenland die Arbeitskosten. Diese Entwicklung scheint nun am Ende zu sein, im vergangenen Quartal stiegen sie erstmals seit 4 Jahren wieder deutlich an. Mehr