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Werbung Mr. Shens Kampagnenklau

14.12.2007 ·  Ein chinesisches Unternehmen bietet im Internet an, erfolgreiche Werbung aus aller Welt für seine Kunden zu adaptieren. Frei von jeder Rücksicht auf das geistige Eigentum anderer. Noch nimmt die Werbebranche die neue Konkurrenz nicht ernst.

Von Judith Lembke
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Womit Luxusgüterhersteller und Softwarefirmen schon lange zu kämpfen haben, droht vielleicht auch bald den Werbeagenturen. Ein chinesisches Unternehmen namens „Shen International Advertising“ bietet im Internet an, erfolgreiche Werbung aus aller Welt für seine Kunden zu adaptieren. Aus 35.000 erfolgreichen Kampagnen soll der Interessent ab kommender Woche mit Hilfe eines „Werbekonfigurators“ auswählen können, welche fremde Idee am besten zu seinem Angebot passt.

Die Argumentation des Gründers Shen Ken-Yi ist ebenso zwingend wie frei von jeder Rücksicht auf das geistige Eigentum anderer: Warum sollte eine Kampagne, die in den Vereinigten Staaten oder Europa funktioniert hat, nicht auch auf dem chinesischen Markt zünden, fragt sich der findige Unternehmer auf der Unternehmenshomepage.

Noch schmunzelt die Werbebranche

Dahinter steckt die gleiche Logik, die auch Musikunternehmen immer wieder dazu verleitet, lieber auf Coverversionen alter Hits zu setzen, als einen neuen Song zu produzieren: Schließlich ist es sicherer, auf eine Idee zu vertrauen, die den Test am Markt schon bestanden hat, als neue Wege zu gehen. Im Unterschied zu Melodien und Texten werden sich die Urheberrechte von Werbekampagnen hingegen kaum schützen lassen – schon gar nicht, wenn das Unternehmen im Kopisten-Mekka China agiert. Ob jedoch bald einem asiatisches Michael-Ballack-Double in einem kopierten Samsung-Werbespot ein nachgemachtes Handy unter der Zimmertür zugeschoben wird, bleibt abzuwarten.

In der Werbebranche sorgt Mr. Shens Geschäftsidee bislang eher für ein Schmunzeln als für das Gefühl akuter Bedrohung. Die meisten deutschen Werbeagenturen sind ohnehin nicht auf dem chinesischen Markt aktiv, so dass Shen International Advertising als direkter Konkurrent nicht in Frage kommt. Und auch in global agierenden Agenturen, die Niederlassungen in Asien haben, sieht man dem neuen Wettbewerber eher gelassen entgegen.

Auf so ein Angebot würde ohnehin nur der Krämer um die Ecke zurückgreifen und kein Großkonzern, heißt es selbstbewusst. In Blogs und Foren, die sich Werbethemen widmen, wird der chinesische Kampagnen-Kopist unterdessen heiß diskutiert. Während sich einige Kommentatoren über Mr. Shens Dreistigkeit aufregen, mutmaßen andere, das Unternehmen existiere überhaupt nicht und die Homepage sei nur der Beginn einer viralen Werbekampagne im Internet. Auf die Frage, was mit dieser Aktion beworben werden könnte, hat bislang allerdings noch kein Kommentator eine Antwort gefunden.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft.

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