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Werbebranche Wettkauf im Digitalen

 ·  Werbekonzerne wie WPP und Publicis bauen ihre Geschäfte im Internet aus und investieren viel Geld in Übernahmen. Erste Fragen werden laut, ob sich in der Werbebranche eine Internetblase aufbaut.

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Martin Sorrell hat wieder einmal zugeschlagen. Im vergangenen Jahr sorgte der Vorstandsvorsitzende des größten Werbekonzerns der Welt WPP mit dem Kauf der deutschen Agentur Scholz & Friends für Furore, jetzt haben es ihm vier Buchstaben aus London und San Francisco angetan: AKQA, eine der angesehensten Agenturen für Werbung im Internet. Für 540 Millionen Dollar will Sorrell die Agentur übernehmen, die bislang noch mehrheitlich einer Beteiligungsgesellschaft gehört - vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu.

Auf dem jährlichen Branchentreffen der Kreativen, das in dieser Woche im südfranzösischen Cannes stattfindet, kommt die Nachricht einem Paukenschlag gleich. Seit Jahren liefern sich Martin Sorrell und sein Konkurrent Maurice Lévy vom Publicis-Konzern ein Wettrennen, wer am meisten im Geschäft mit digitaler Werbung zulegt. Es ist ein Wettrennen der Übernahmen, in dem Lévy lange Zeit der gefühlte Sieger war. Im Jahr 2006 kaufte Publicis Digitas, 2009 folgte Razorfish, im vergangenen Jahr Rosetta und in diesem Jahr Pixelpark - alles namhafte Agenturen mit Spezialgebiet Digitales. Auch Sorrell kaufte eifrig zu, aber meist kleinere Agenturen. Nun setzt er mit der Übernahme von AKQA ein Ausrufezeichen, wie ernst es ihm mit dem Internet ist.

„Eine weitere Bazooka“

Schon zweimal habe er versucht, die AKQA-Eigner von einem Verkauf zu überzeugen, in den Jahren 2007 und 2010, erzählt Sorrell in Cannes im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber damals war ich wohl nicht verführerisch genug.“ Sorrells erklärtes Ziel ist es, den Anteil des Digitalen am Umsatz (im vergangenen Jahr insgesamt 12,4 Milliarden Euro) auf 35 bis 40 Prozent zu steigern. Zuletzt waren es etwas mehr als 30 Prozent, durch die Übernahme von AKQA dürften es mehr als 31 Prozent werden. Zum Vergleich: Publicis erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 5,8 Milliarden Euro und erwirtschaftet derzeit 33 Prozent seiner Erlöse mit digitaler Werbung.

AKQA soll als eigenständige Marke im WPP-Konzern erhalten bleiben, die Verantwortlichen sollen weitgehend frei entscheiden können. Ähnlich hatte es Sorrell auch schon bei der Integration von Scholz & Friends gehandhabt. Ihm geht es nicht um Synergieeffekte, sondern darum, seine Angebotspalette für Top-Kunden zu erweitern. Für diese formt Sorrell seit einiger Zeit eigene Agenturen innerhalb des WPP-Konzerns. In einem Konstrukt namens „Blue Hive“ etwa arbeiten Mitarbeiter der WPP-Agenturen Ogilvy, Wunderman und Mindshare gemeinsam unter einem Dach für Ford - der Autohersteller hatte es sich so gewünscht. Für Opel gründete die WPP-Agentur Scholz & Friends ein eigenes „Opel Performance Center“, das im Ausland je nach Region mal auf die Dienste von Grey zurückgreift, mal auf Young & Rubicam.

„AKQA wird eine weitere Bazooka sein, die unseren Kunden zur Verfügung steht“, sagt Sorrell. Das Verhältnis des Neuzugangs zu den anderen Agenturen seines Konzerns beschreibt der Manager mit den Worten „Kiss and Punch“ - eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettbewerb. Die Übernahme von AKQA soll nicht die letzte des Jahres sein. Das ursprünglich geplante Akquisitionsbudget von 300 bis 400 Millionen Pfund hat Sorrell mit dem Vorhaben bereits übertroffen. „Wahrscheinlich werden es am Ende 500 bis 600 Millionen Pfund sein“, schätzt er. Branchenbeobachter halten die börsennotierten Internetagenturen LBi und Sapient für weitere Objekte der Begierde, um die sich Konzerne wie WPP oder Publicis bemühen könnten.

Die nächste Übernahme kommt bestimmt

Vergleichsweise ruhig verhält sich bislang die Nummer zwei der internationalen Agenturnetzwerke, die Omnicom-Gruppe. Gleichwohl beobachtet auch sie den Markt aufmerksam. Erst Ende Mai kaufte die Omnicom-Tochtergesellschaft DDB für geschätzte 75 Millionen Dollar die britische Agentur Adam & Eve, die in Londoner Werbekreisen derzeit als besonders angesagt gilt. Angesichts solcher Summen für eine Agentur mit 50 Mitarbeitern werden erste Fragen laut, ob sich in der Werbebranche eine Internetblase aufbaut.

WPP trägt seinen Teil dazu bei, solche Fragen zu befeuern. Ein neu geschaffener Ableger namens WPP Ventures soll künftig in Kalifornien die Verbindungen des Konzerns zu Facebook pflegen und mehr technischen Nachwuchs - etwa Software-Ingenieure - an das Unternehmen binden. Leiter von WPP Ventures wird Tom Bedecarré, bislang Chairman von AKQA. Er wolle WPP enger mit dem Ökosystem des Silicon Valley verbinden, sagt er. Die nächste Übernahme kommt bestimmt.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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