20.06.2012 · Früher rissen sich junge Leute darum, in der Werbung arbeiten zu dürfen. Heute buhlen die Agenturen fieberhaft um Nachwuchs. Der Bedarf an Fachleuten ist groß.
Von Julia Löhr, CannesRichtlinien für Lesermeinungen
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Erfahrene Leute scheinen zu fehlen
Wenn ich mir viele Anzeigen ansehe (und viele Zeitungen und Zeitschriften), dann habe ich leider den Eindruck, daß es in den Redaktionen und Agenturen kaum noch Leute mit guten Kenntnissen in Typographie und Gestaltung gibt. Früher wurde darauf viel mehr Wert gelegt. Aber wenn die alten Leute mit Erfahrung weg sind, war es das in dieser Hinsicht wohl auch. So sind schon viele Unternehmen ruiniert worden.
... vom Agenturleben gab es in der Realität nicht . mit einer
Ausnahme: Als sich die Dotcom-Blase aufblähte, haben einige
Werbefuzzis mit den Internetheinis gemeinsam heiße Luft hinein gepustet.
Wer damals Zeitung las, weiß, dass auch die Presse kräftig
mitgeblasen hat - es wimmelte nur so von Berichten über
"smarte Jungunternehmer" und "Supertalente" aus der
Internet und Werbebranche.
Auch Jugendkult und Managerdenke fassten so Fuß.
Eben mehr Schein als Sein, wie hier schon so zutreffend bemerkt wurde!
Die meisten dieser "Jungstars" verschwanden schnell wieder in
der Versenkung - einige wenige landeten wegen der verbrannten Millionen
auch vor Gericht.
Von den Übriggebliebenen verfügen viele über beste
Beziehungen zur Politik ...
Unbezahlte Praktikanten beschäftigt man auch dort gern seit vielen jahren.
Werbetexter oder Grafiker war bestimmt noch nie ein Beruf, bei dem man
schnell reich wird...
Ich habe 32 Jahre in der Werbung gearbeitet
Angefangen 1972. Das waren goldene Zeiten für Agenturen, die 2002
mit Einführung des Euro schlagartig endeten. Honorare wurden massiv
gekürzt, die Anforderungen an die Agenturen aber erhöht.
Ich hatte mich mal spaßeshalber bei einer der großen
Agenturen beworben... schon in den 80er Jahren wurden dort Heerscharen
von Praktikanten beschäftigt. Das Hierarchiedenken in den
großen Agenturen war und ist grauenhaft ausgeprägt, so etwas
findet man in keinem anderen Unternehmen. Dazu der Jugendwahn, der sich
in all den Jahren nicht geändert hat.
Ich hatte das Glück, in einer sehr kleinen Agentur zu arbeiten, den
Zirkus der großen Agenturen gab’s bei uns nicht. Unsere
Minigröße hatte für Kunden aber riesige Vorteile, sofort
den richtigen Ansprechpartner und sofortige Lösungen. So durfte ich
28 Jahre lang einen sehr großen Kunden und den gleichen Etat
betreuen. Als Beraterin, Produktionerin und letztlich
Geschäftsführerin, also Mädchen für alles. Das
wäre in einer Riesenagentur unmöglich.
Werbeagenturen packen nicht mal ihr eigenes Image
Andere Zweige können erfolgreich kaschieren dass sie sich der
40/50+ Leute entledigen, oder Leute unterbezahlt engagieren und niemand
kriegt es mit. Die Werbeagenturen tun so als seine
sie Designer oder gar Künstler und scheitern letzendlich am eigenen
Image. Da fragt man sich, was können die überhaupt.
Die Werbeagenturen stecken in der Krise und alles was ihnen dazu einfällt ist Werbung für sich zu machen. Auf die Idee an den Strukturen zu arbeiten kommen sie nicht. Dabei haben Sie doch das Problem erkannt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.06.2012 12:37 UhrGut analysiert
Die machen halt, was sie am besten können ;-)
"...sind doch Personalkosten der größte Kostenblock in den Agenturen"
Kosten? Imaginäres Gespräch:
Chef: Die Personalkosten sind unser größter Kostenblock...
Aktionär: Ach, ja? Dann entlasse doch 80% des Personals und das
Problem ist gelöst!
Chef: Und wer macht dann die Arbeit? Wovon sollen wir leben?
Aktionär: Na, dann sind das keine Kosten sondern Kapital.
Miese Löhne, unbezahlte Überstunden und Praktikanten. Hinzu kommt noch der der durch eine niveaulose Werbeflut genervte Konsument. Und da wundern sich noch Einige, dass es der Branche schlecht geht? Ja, was haben die Herrschaften denn erwartet? Über soviel Kurzsichtigkeit und Dummheit kann man nur staunen. Am Ende zählen nämlich doch noch Inhalte und keine Schönrederei.
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