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Werbeagentur Springer & Jacoby Ein Stern verblasst

11.07.2009 ·  Springer & Jacoby galt lange als eine der besten deutschen Werbeagenturen. Jetzt kämpft sie ums Überleben. Werber beobachten den Niedergang der Agentur mit Wehmut.

Von Julia Löhr und Johannes Ritter
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„Wir flippen aus. Springer & Jacoby feiert 30. Geburtstag.“ So lautet derzeit die erste Botschaft auf der Internetseite der bekannten Hamburger Werbeagentur. Dabei ist den Mitarbeitern in ihrem Hauptquartier im Hanse-Viertel derzeit mit Sicherheit nicht zum Feiern zumute. Der Eigentümer Avantaxx scheint große Probleme zu haben. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Elmshorner Beteiligungsgesellschaft oder einzelnen Unternehmen der Gruppe drohe die Insolvenz. Avantaxx-Inhaber Lutz Schaffhausen sucht jedenfalls händeringend nach Käufern für Teile seiner Gruppe – und eben auch nach einem Investor für Springer & Jacoby.

Stimmt das? Anruf bei Avantaxx: „Ist Herr Schaffhausen zu sprechen?“ „Nein, er ist unterwegs zu einem Termin“, antwortet ein Mitarbeiter. „Können Sie mir seine Handy-Nummer geben?“ „Die habe ich jetzt nicht im Kopf.“ Noch absurder gestaltet sich die Kontaktaufnahme zu Springer & Jacoby: Die Pressesprecherin sei erst am Montag wieder im Haus, aus dem Management sei niemand zu sprechen, erklärt eine Mitarbeiterin, die wohl eher zufällig das Telefon abgehoben hat. „Stimmt es, dass die Juni-Gehälter nicht bezahlt wurden?“ „Das stimmt nicht. Ich habe mein Geld jedenfalls gekriegt“, sagt die Frau in zunehmend gereiztem Ton. Im Übrigen wolle man all die bösartigen Gerüchte nicht kommentieren. Doch dann legt sie nach. Wegen der schlechten Presse habe man schon Kunden verloren. Dabei schrieben die Journalisten sowieso nur voneinander ab. „Aber mir ist egal, was Sie schreiben. Denken Sie sich was aus.“

Werber beobachten den Niedergang mit Wehmut

Was sich der heute 63 Jahre alte Lutz Schaffhausen dabei gedacht hatte, als er im Herbst 2006 die schon damals angeschlagene Werbeagentur übernahm, ist nicht ganz klar. Als Werbedienstleister, der unter anderem Call-Center betreibt, hatte er keine Erfahrung in dieser Art von Agenturgeschäft. Er habe Springer & Jacoby zum größten Teil auf Pump gekauft, heißt es in der Branche. Mitsamt der Übernahme aller Verpflichtungen soll sich die Transaktion damals auf 13 Millionen Euro belaufen haben. Doch jetzt, in der Krise, verdienen Schaffhausens Unternehmen offenbar nicht mehr genug Geld, um die Kredite zu bedienen. In einer solchen Lage zu Notverkäufen gezwungen zu sein, verbessert nicht gerade die Verhandlungsposition. 2008 hat die Avantaxx-Gruppe nach eigenen Angaben mit 650 Mitarbeitern in zehn Einzelfirmen rund 73 Millionen Euro umgesetzt.

Unterdessen nehmen immer mehr Manager Reißaus. Nach den Avantaxx-Vorständen Norbert Lindhof und Thomas Seitz hat nun auch der Chef von Springer & Jacoby, Ercan Öztürk, sein Amt niedergelegt. Offenbar wollen sie sich vor den Folgen einer möglichen Insolvenz schützen und nicht in Organhaftung geraten, vermutet das Fachblatt „Horizont“.

Werber beobachten den Niedergang von Springer & Jacoby mit Wehmut. „Springer & Jacoby ist so etwas wie die Mutter aller unabhängigen, inhabergeführten Werbeagenturen in Deutschland“, sagt einer, der schon lange in der Branche arbeitet. Zahlreiche Arbeiten wurden auf den einschlägigen Werbefestivals, etwa in Cannes oder beim Art Directors Club (ADC), ausgezeichnet. Viele der heute bekannten Köpfe in der Werbebranche haben ihr Handwerk bei Springer & Jacoby gelernt. So lernten sich die Gründer von Jung von Matt, Holger Jung und Jean-Remy von Matt, bei Springer & Jacoby kennen, bevor sie 1991 ihre eigene Agentur in Hamburg gründeten. Amir Kassaei, der Vorsitzende des Art Directors Club, war einst Kreativchef von Springer & Jacoby – bis er 2003 zu DDB wechselte. Auch André Kemper und Michael Trautmann waren Weggefährten bei Springer & Jacoby. 2004 machten sie sich selbständig.

2006 verlor die Agentur Merced-Benz als Vorzeigekunden

Für manche Beobachter begann die Misere mit dem Weggang dieses Duos. Andere nennen das Jahr 2005. Da trennte sich Springer & Jacoby von den für das Deutschland-Geschäft zuständigen Geschäftsführern Jörg Schultheis (Beratung) und Alexander Schill (Kreation). Die beiden bauten daraufhin für Konkurrent Serviceplan eine Niederlassung in Hamburg auf. Spätestens 2006 war nicht zu übersehen, dass Springer & Jacoby ernsthafte Probleme hatte: Mercedes-Benz, Vorzeigekunde der Hamburger, kündigte die Zusammenarbeit nach 16 Jahren auf – und Avantaxx übernahm. „Dadurch hat die Agentur viel an Spirit und viele gute Köpfe verloren“, sagt ein Werber, der ebenfalls in Hamburg arbeitet.

Nicht nur die hausgemachten Probleme haben Springer & Jacoby belastet, auch der rückläufige Werbemarkt dürfte seinen Teil zur Misere beigetragen haben. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise haben zahlreiche Unternehmen ihre Werbeausgaben zurückgefahren, worunter die Werbeagenturen leiden. Etliche Agenturen haben Kurzarbeit eingeführt, überall wird fieberhaft versucht, die Kosten zu senken. Der Wettbewerb um die weniger gewordenen Aufträge ist groß, der Preisdruck ebenso. Zuletzt habe Springer & Jacoby vergeblich versucht, kreative Führungspersönlichkeiten von anderen Häusern für sich zu gewinnen, heißt es in der Branche. Und dass die Marke Springer & Jacoby schon mehreren Agenturen zur Übernahme angeboten worden sei. Angesichts der Finanzlage hätte bislang aber niemand Interesse gezeigt. Wenn sich das nicht bald ändert, könnte der 30. Geburtstag vielleicht der letzte in der Geschichte von Springer & Jacoby sein.

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