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Veröffentlicht: 27.09.2012, 07:33 Uhr

Weniger verkaufte Autos Auto-Krisengipfel im Kanzleramt

Die schlimmste Absatzkrise der Massenhersteller auf dem europäischen Markt trifft die Autoindustrie hart. Am Montag kommen zahlreiche ihrer Spitzenmanager ins Kanzleramt. Sie hoffen mindestens auf ein Beschaffungsprogramm des Bundes - haben aber noch viel mehr Wünsche im Gepäck.

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© dapd Die Industrie hofft bei der Entwicklung ihrer Elektroautos auf staatliche Unterstützung: Nur so können bis 2020 eine Million Fahrzeuge in Deutschland unterwegs sein

Am kommenden Montag wollen sich die Spitzenmanager von Volkswagen, Daimler, BMW, Ford, Opel und weiteren Unternehmen der Branche in Berlin mit der Bundeskanzlerin treffen. Zu den Gästen zählt auch VW-Chef Martin Winterkorn. Das wird aus Kreisen der Autoindustrie berichtet. Offiziell geht es bei der schon länger anberaumten Zusammenkunft mit Angela Merkel (CDU) und vier ihrer Minister nur darum, die Elektromobilität in Deutschland voranzutreiben. Doch inoffiziell dürfte angesichts der jüngsten Entwicklungen auch die schlimmste Absatzkrise der Massenhersteller auf dem europäischen Markt seit zwanzig Jahren in den Vordergrund rücken. Schon haben erste Unternehmen ihre Verkaufsprognosen gekürzt, die Produktion gedrosselt, und sie denken darüber nach, die Verträge ihrer Zeitarbeiter nicht weiter zu verlängern. Die Krise betrifft vor allem Ford, Fiat, Opel und Peugeot, macht sich aber langsam auch bei VW und Daimler bemerkbar.

Kaufprämien für Elektroautos?

In dieser Situation erhoffen sich die Autokonzerne zumindest ein Beschaffungsprogramm des Bundes, um die Fuhrparks der öffentlichen Hand mit Elektroautos auszustatten. Noch lieber wären VW-Chef Winterkorn und seinen Kollegen von Daimler und BMW, Dieter Zetsche und Norbert Reithofer, staatlich finanzierte Kaufprämien für Elektroautos. Eigentlich hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler dies noch vor kurzem abgelehnt. Doch die Bereitschaft könnte gewachsen sein, weil die ersten batteriebetriebenen Fahrzeuge aus deutscher Produktion auf den Markt kommen und somit ein staatlicher Kaufzuschuss nicht mehr nur ausländischen Unternehmen wie General Motors mit der deutschen Tochtergesellschaft Opel und ihrem Elektroauto Ampera oder dem französischen Renault-Nissan-Konzern zugute kämen.

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Den Anfang macht Daimler mit der elektrischen Variante des Kleinwagens Smart, der in den kommenden Wochen ausgeliefert wird. Im kommenden Jahr folgen VW mit dem elektrischen Kleinwagen Up und BMW mit dem aus Karbonfasern gebauten Kompaktwagen i3. In Frankreich erhalten Käufer eines Elektroautos bereits einen staatlichen Zuschuss von bis zu 7000 Euro.

Nicht genug förderwürdige Projekte

Bei dem Treffen in Berlin geht es auch darum, die stockende Auszahlung der für 2012 und 2013 auf eine Milliarde Euro verdoppelten Forschungsförderung für Elektroautos zu beschleunigen. Zuletzt traten die Vorhaben auf der Stelle, weil die Industrie aus Sicht der Ministerien nicht genügend förderwürdige Projekte vorlegte. Wie es weitergehen soll, wird Henning Kagermann, der ehemalige SAP-Manager und heutige Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, darlegen. Der dritte Fortschrittsbericht des Netzwerks aus Industriemanagern, Wissenschaftlern und Vertretern der Politik hatte schon im Mai an die Kanzlerin übergeben werden sollen, wird aber erst jetzt ausgeliefert.

Dem Bericht zufolge, der der F.A.Z. vorliegt, wäre das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland auf die Straßen zu bringen, nur mit umfangreicher staatlicher Förderung zu erreichen. Die in dem Beratungsgremium versammelten Spitzenmanager der Auto-, Chemie-, Energie- und Technikkonzerne fordern zusätzlich zur schon gewährten Forschungsförderung von einer Milliarde Euro noch mehrere hundert Millionen Euro für den Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie weitere nichtmonetäre Kaufanreize.

Industrie: Ziel für 2020 wird deutlich verfehlt

Bisher wurden schon die Befreiung von der Kfz-Steuer für Elektroautos auf zehn Jahre erweitert, ein öffentliches Beschaffungsprogramm in Aussicht gestellt und ein Nachlass bei der Dienstwagensteuer für Elektroautos gewährt. Das ist der Industrie jedoch nicht genug. Mit den bisherigen Fördermitteln würden bis 2020 nur höchstens 600.000 Elektroautos auf die Straße gebracht, heißt es in dem Bericht. Um das Ziel von einer Milliarde doch noch zu erreichen, fordert die Industrie Sonderregelungen bei der Abschreibung der Anschaffungskosten und zinsgünstige Kredite der Staatsbank KfW. Darüber hinaus wird ein direkter steuerlicher Anreiz von 150 Euro je Kilowattstunde der in den Elektroautos als Antrieb verwendeten Batterie verlangt. Auch den Aufbau der 150.000 Stromladesäulen will sich die Industrie nicht selbst zumuten.

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