Home
http://www.faz.net/-gqi-nygd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Wende im Übernahmepoker Bayer sticht Merck bei Schering aus

24.03.2006 ·  Der Berliner Schering-Konzern und der Chemiekonzern Bayer haben sich im Übernahmepoker auf dem deutschen Pharma-Markt auf einen Zusammenschluß geeinigt. Die Leverkusener überboten das Angebot des Darmstädter Rivalen Merck um neun Euro pro Aktie.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der Leverkusener Bayer-Konzern tritt in den Bieterstreit um das Berliner Pharmaunternehmen Schering ein. Wie Bayer am späten Donnerstag abend in einer ad-hoc-Meldung mitteilte, bietet der Pharma- und Chemiekonzern für jede Schering-Aktie 86 Euro in bar. Das Angebot entspricht einem Transaktionswert von 16,3 Milliarden Euro. Damit übertrifft die Bayer-Offerte das vor zwei Wochen abgegebene Angebot des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck KGaA bei weitem.

Merck hatte 77 Euro je Aktie oder insgesamt 14,6 Milliarden Euro geboten. Vorstand und Aufsichtsrat von Schering lehnten dieses Angebot als unerwünscht und zu niedrig ab. Die Bayer-Offerte will der Schering-Vorstand jetzt unterstützen und den Aktionären die Annahme des Angebotes empfehlen. Damit übernimmt Bayer die Rolle des weißen Ritters.

„Interessen aller Beteiligten berücksichtigt“

Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen sagte, beide Seiten hätten sich verständigt, den Zusammenschluß so zu vollziehen, „daß er die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt“. Die Fusion werde „ein führendes spezialisiertes Pharmaunternehmen schaffen“, das international wettbewerbsfähig sei. „Beide Pharmageschäfte ergänzen sich sinnvoll und folgen der gleichen strategischen Ausrichtung.“ Erlen bezeichnete den Preis von 86 Euro je Aktie als „gutes Angebot“. Er erwartet den Abschluß der Transaktion bereits im zweiten Quartal 2006, die Zustimmung der Wettbewerbshüter vorausgesetzt.

Der Aufsichtsrat von Bayer hat in einer für Donnerstag einberufenen Sitzung dem um 12 Prozent über der Merck-Offerte liegenden freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot am Abend zugestimmt. Bayer strebt eigenen Angaben zufolge das Erreichen einer Mindestannahmequote von 75 Prozent an. Die Finanzierung der Übernahme soll durch die bestehenden Barmittel in Höhe von rund 3 Milliarden Euro sowie eine von der Credit Suisse und der Citigroup zur Verfügung gestellte Kreditlinie sichergestellt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll diese durch eine Kombination von Eigen- und Fremdkapital refinanziert werden. Außerdem wird sich Bayer von den beiden Tochtergesellschaften HC. Starck und Wolff Walsrode aus dem Teilkonzern Bayer Material Sciences trennen, um weitere Finanzmittel freizusetzen.

Bayer erwartet von einem Zusammenschluß Synergieeffekte von etwa 700 Millionen Euro jährlich vom dritten Jahr nach Abschluß der Transaktion an. Dagegen stünden einmalige Restrukturierungskosten von rund einer Milliarde Euro. Mit Blick auf die Mitarbeiter werde man „besonderen Wert auf einen fairen und ausgewogenen Prozess legen“, sagte Vorstandschef Werner Wenning. Das Geschäft soll durch bestehende Barmittel in Höhe von rund drei Milliarden Euro und Kredite finanziert werden.

Größtes Übernahmevorhaben in der Bayer-Geschichte

Mit diesem größten Übernahmevorhaben in der Bayer-Geschichte entstünde ein Health-Care-Unternehmen von internationalem Rang, so Bayer. Das Pharmaunternehmen werde über ein ausgewogenes Portfolio mit den Geschäftsfeldern Onkologie, Kardiologie und Gynäkologie verfügen. Es ist geplant, daß Schering und der bisherige Pharmabereich von Bayer als eigenständige Division des Teilkonzerns Bayer Healthcare unter dem Namen „Bayer Schering Pharma“ mit Sitz in Berlin zusammengeführt werden. Mit dem 5,3 Milliarden Euro ausmachenden Schering-Umsatz wächst der Teilkonzern auf einen kombinierten Umsatz von rund 15 Milliarden Euro. Bayer ist davon überzeugt, daß die Profitabilität der Sparte durch die Akquisition weiter steigt. So soll die Rendite (bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und allen Abschreibungen) von derzeit 19 Prozent bis zum Jahr 2009 auf 25 Prozent steigen.

Gerüchte, Bayer könne als weißer Ritter Schering vor einer Übernahme durch Merck retten, machten schon in der vergangenen Woche die Runde. Am Donnerstag Gestern verdichteten sich die Hinweise auf ein anstehendes Gegengebot der Leverkusener. An der Börse wurde die sich abzeichnende Wende im Kampf um Schering positiv aufgenommen. So zog der Schering-Kurs um fast 3 Prozent auf mehr als 85,20 Euro an. Die Bayer-Aktie legte am Nachmittag um mehr als 2 Prozent auf rund 34,30 Euro zu. Bayer-Chef Werner Wenning hatte wiederholt angekündigt, den Teilkonzern Bayer Health Care auch durch Zukäufe zu stärken. Bisher stand dabei vor allem das Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten im Fokus. Die Bayer-Pharmasparte hatte vor fast fünf Jahren durch die Marktrücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay einen herben Rückschlag erlitten. Bayer mußte das Geschäft neu ausrichten und auf das Format eines mittelgroßen europäischen Anbieters zurückstutzen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Logisches Ende

Von Susanne Preuß

Die Schlecker-Filialen werden geschlossen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße. Eine bittere Nachricht für die Beschäftigten. Aber es gibt auch ein gutes Fazit aus dem Ende der Drogeriekette. Mehr 10 32

01.06.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.050,29 −3,42%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.319,85 −3,26%
Dow Jones 12.118,60 −2,22%
EUR/USD 1,2433 +0,58%
Rohöl Brent Crude 98,82 $ −2,76%
Gold 1.606,00 $ +3,08%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.