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F.A.Z. exklusiv : Dax-Konzerne stellen nur 54 Flüchtlinge ein

Mit ziemlich leeren Händen: Daimler-Chef Zetsche Bild: Picture-Alliance

Welchen Beitrag leisten die größten Unternehmen in Deutschland, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen? Warum fällt die Integration auf dem Arbeitsmarkt so schwer? Wir haben bei den Dax-Konzernen nachgefragt.

          Die Integration von mehr als einer Million Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt ist eine Herkulesaufgabe – an deren Bewältigung die größten Konzerne dieses Landes bislang so gut wie gar nicht beteiligt sind. Das zeigt eine Umfrage dieser Zeitung unter den 30 wertvollsten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax), die für einen addierten Jahresumsatz von mehr als 1,1 Billionen Euro und für rund 3,5 Millionen Beschäftigte stehen. Eigenen Angaben zufolge haben diese Unternehmen, zusammen genommen, bis Anfang Juni aber gerade einmal 54 Flüchtlinge fest angestellt. Davon entfielen allein 50 auf die Deutsche Post, zwei jeweils auf den Softwarekonzern SAP und den Darmstädter Pharmahersteller Merck.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Diese Zahlen zeigen, wie schwierig es sich trotz der hohen Zahl an offenen Stellen (665.000 im Juni) in der deutschen Wirtschaft gestaltet, eine nennenswerte Zahl von Flüchtlingen in Arbeit zu bringen. Zu Beginn der Flüchtlingswelle im vergangenen Herbst waren teilweise hohe Erwartungen geschürt worden. Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, hatte im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt zwar betont, dass nicht jeder Flüchtling ein brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer sei. Aber wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert. „Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land“, sagte Zetsche damals. Im besten Fall könne es auch „eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ werden. Doch der Autohersteller aus Stuttgart ist bei seiner Personalsuche eigenen Angaben zufolge bislang kaum fündig geworden.

          Jobs für Flüchtlinge : Große Worte, nichts dahinter?

          Deutsche Post mit rund 1000 Angeboten deutlich an der Spitze

          Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) schlägt längst zurückhaltendere Töne an. Sprach sie anfangs von den „Arbeitskräften von morgen“, liegt die Betonung mittlerweile auf „übermorgen“. Die Fachleute der Bundesagentur für Arbeit sehen vor allem zwei generelle Hürden für Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt: mangelhafte oder fehlende Deutschkenntnisse sowie fehlende (formale) Berufsqualifikationen. Vergangene Woche präsentierte die Arbeitsagentur erste Daten aus einer neuen Statistik. Demnach gibt es derzeit rund 131.000 arbeitslos gemeldete Flüchtlinge, davon verfügen Dreiviertel über keine formale Berufsausbildung. Der Großteil dieser Flüchtlinge komme deshalb zunächst nur für Helfertätigkeiten in Frage, sagte Agenturvorstand Raimund Becker. Zwar sind 60 Prozent der Migranten jünger als 35 Jahre. Dennoch rechnet die Arbeitsagentur mit mindestens fünf Jahren, bis ein junger Migrant die nötigen Sprachkenntnisse erworben sowie eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, um als Fachkraft in der Wirtschaft eine Stelle zu finden.

          Aktiver sind die befragten Dax-Unternehmen laut F.A.Z.-Umfrage dementsprechend auch bei der Schaffung von Praktika und Ausbildungsplätzen. Den Selbstauskünften nach sind insgesamt knapp 2700 Praktikumsplätze zusätzlich für Flüchtlinge geschaffen worden, von denen gut 500 schon besetzt sind. Auch hier liegt die Deutsche Post mit rund 1000 Angeboten deutlich an der Spitze. Es folgen Daimler (300), Thyssen-Krupp (230) und BMW (200). BMW, Continental und Eon haben zudem jeweils eine zweistellige Zahl sogenannter Einstiegsqualifizierungen eingerichtet, die Jugendliche für eine Ausbildung vorbereiten sollen. Zusätzliche Ausbildungsplätze für Flüchtlinge haben die Dax-Konzerne etwas mehr als 300 geschaffen. Davon ist bislang jedoch erst ein kleiner Teil besetzt.

          Förderung von ehrenamtlichen Aktivitäten

          Besonders schwer tut sich offensichtlich die Finanzbranche mit der Flüchtlingsintegration. Weder die großen Banken noch die Versicherungen oder die Deutsche Börse haben bislang direkt eingestellt, Ausbildungs- oder Praktikumsplätze geschaffen. Diese Unternehmen beschäftigen fast ausnahmslos Akademiker oder Fachkräfte. Das gilt allerdings auch für die Walldorfer Software-Schmiede SAP, die in der ersten Runde immerhin zehn Lehrstellen für Flüchtlinge ausgeschrieben hatte. Weil es aber mehr geeignete Bewerber gab, wurde die Zahl auf 14 erhöht.

          Die Mehrheit der befragten Unternehmen verweist in der Umfrage auch auf vielfache Aktivitäten zur Unterstützung von Stiftungen und Verbandsaktivitäten, die sich um Flüchtlinge kümmern. So beteiligen sich zahlreiche Dax-Vertreter an dem Netzwerk „Wir zusammen“ im Namen der deutschen Wirtschaft, das von Ralph Dommermuth, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden der United Internet AG, ins Leben gerufen wurde. Zudem fördern einige Konzerne auch ehrenamtliche Aktivitäten ihrer Mitarbeiter in der Betreuung von Migranten.

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