31.10.2008 · Die Störungen im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn werden voraussichtlich länger andauern als bisher erwartet. Möglicherweise müssen Bahnkunden wegen der zusätzlichen Werkstatt-Inspektionen auch im Weihnachts-Reiseverkehr noch mit Behinderungen rechnen. Unterdessen wurde bekannt, dass die Vorstände der Bahn im nächsten Jahr deutlich mehr Geld erhalten sollen.
Von Kerstin SchwennDie Störungen im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn werden voraussichtlich länger andauern als bisher erwartet. Möglicherweise müssen Bahnkunden wegen der zusätzlichen Werkstatt-Inspektionen für die schnellen Züge auch im Weihnachts-Reiseverkehr noch mit Behinderungen rechnen.
„In den nächsten sechs Wochen werden wir keine Marscherleichterung bekommen“, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Donnerstagabend in Berlin. „Uns fehlen derzeit 40 Züge am Tag. Die paar Ersatzzüge, die wir aus der Garage geholt haben, sind langsamer als die ICE und können deshalb den Fahrplan nicht einhalten.“ Folge des Engpasses seien Zugausfälle und vor allem überfüllte Züge.
Normalerweise kann die Bahn 67 Züge des Typs ICE 3 und 70 Züge der Baureihe ICE T einsetzen. Nach dem ICE-Unfall im Juli in Köln und dem Fund eines Risses in einer Achse des Neigetechnikzuges ICE T musste die Bahn auf Bestreben des Eisenbahnbundesamtes die Intervalle zwischen den Werkstattuntersuchungen von 300.000 auf 30.000 Kilometer Laufleistung verkürzen. Dadurch müssen die Züge nun etwa alle 20 Tage für einen Tag in die Werkstatt. Der Bahn stehen erst von Januar an weitere Ultraschallgeräte zur Untersuchung der Achsen zur Verfügung.
„Auffällige Achse“ soll bis Montag geprüft werden
Unterdessen haben die Bahningenieure in einer Sonderprüfung Mitte dieser Woche eine weitere „auffällige Achse“ eines ICE T ausfindig gemacht. Mehdorn sagte, noch wisse die Bahn nicht, ob es sich auch hier um einen Riss handele. Die Sonderprüfung solle aber spätestens am Montag abgeschlossen sein. Acht Jahre lang seien die Züge ohne Probleme gefahren, jetzt häuften sich die Beanstandungen. Mehdorn erhob abermals Vorwürfe gegen die Industrie.
Das Herstellerkonsortium unter Führung von Siemens habe der Bahn mitgeteilt, es könne derzeit keine Garantien für eine Verlängerung der kurzen Werkstattintervalle geben, da noch keine Erfahrungen mit dem verwendeten Achsenstahl vorlägen. Mehdorn sagte: „Wir wollen klare Aussagen der Industrie über die Inspektionsintervalle. Mit 30.000 Kilometer können wir nicht leben. Siemens muss das Materialproblem lösen.“ Schadensersatzansprüche behalte man sich weiterhin vor. Noch sei aber der Schaden nicht zu beziffern.
Bahn: 90 Prozent des ICE-Fernverkehrs laufen nach Fahrplan
Die Bahnhersteller hatten diese Woche die Vorwürfe zurückgewiesen. Siemens-Manager Friedrich Smaxwil hatte der F.A.Z. gesagt: „Es fehlen uns noch Informationen der Deutschen Bahn, was es mit den Rissen genau auf sich hat.“ Klageankündigungen seien daher verfrüht.
Die Bahn legt Wert auf die Feststellung, dass trotz des Engpasses 90 Prozent des ICE-Fernverkehrs nach Fahrplan laufe. Die Störungen machten sich vor allem auf den ICE-T-Strecken Hamburg - Berlin - Leipzig - München, Wiesbaden - Frankfurt - Leipzig - Dresden, Stuttgart - Singen - Zürich sowie Dortmund - Koblenz bemerkbar. Nur für diese Verbindungen gelten Ersatzfahrpläne.
Medienbericht: Bahnvorstände sollen mehr Grundgehalt bekommen
Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete indes unter Berufung auf den Börsenprospekt, die Vorstände der Bahn sollten im nächsten Jahr deutlich mehr Geld erhalten (siehe Mehr Grundgehalt für Bahn-Vorstände). Die Grundgehälter sollten stark aufgestockt werden und auch die Leistungszulagen könnten deutlich zunehmen, wenn das Unternehmen Umsatz und Gewinn steigerten. Die Steigerungen beliefen sich teils auf 20 Prozent und mehr. So solle Mehdorn sein Gehalt im nächsten Jahr auf 900.000 von 750.000 Euro aufbessern können. Die Leistungszulage könnte im günstigsten Fall in diesem Jahr 2,99 Millionen Euro und 2009 3,51 Millionen Euro erreichen.
Besonders hoch fielen die Zuwächse bei Personalchefin Margret Suckale aus, die aber auch zusätzliche Aufgaben im Konzern übernehme. Suckale habe als einziger weiblicher Vorstand der Bahn allerdings auch den größten Nachholbedarf. Ihre Kollegen in der Konzernspitze verdienen deutlich mehr.
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