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Gehalt weiblicher Vorstände : Die Managerinnen holen auf

Spitzenverdienerin unter den Frauen im Dax: Merck-Managerin Bélen Garijo mit einem Jahresverdienst von rund 5,7 Millionen Euro Bild: Frank Röth

Obwohl Frauen in Dax-Vorständen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind, steigen ihre Gehälter stärker als die der Männer. Die männliche Dominanz wird trotzdem noch eine Weile anhalten.

          Frauen sind in den Vorstandsgremien der Dax-Konzerne noch immer deutlich unterrepräsentiert. Und die wenigen Frauen, die es auf einen Vorstandsposten geschafft haben, verdienen im Schnitt noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen. Während die Männer unter den Dax-Vorständen (ohne Vorstandsvorsitzende) derzeit im Schnitt rund 3,9 Millionen Euro im Jahr bekommen, verdienen die Frauen im Schnitt nur 2,7 Millionen Euro.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Managergehälter der Frauen haben in den vergangenen drei Jahren einen Teil des Rückstandes aufgeholt. Während die Gehälter der männlichen Dax-Vorstände in den vergangenen drei Jahren um insgesamt 14 Prozent zunahmen, legten die Gehälter der weiblichen Vorstände laut einer Auswertung der Personalberatung Odgers Berndtson um rund 24 Prozent zu.

          Spitzenverdienerin unter den Frauen im Dax ist die Merck-Managerin Bélen Garijo mit einem Jahresverdienst von rund 5,7 Millionen Euro. Die Spanierin sitzt seit mehr als drei Jahren in der Geschäftsleitung des Darmstädter Pharmakonzerns und verantwortet dort den Geschäftsbereich Healthcare und zudem auch noch das Personalwesen.

          Die 30 Vorstandschefs sind noch immer alle Männer

          Mit ihrem Gehalt kann die promovierte Medizinerin durchaus in der Liga der Dax-Chefs mitspielen. In der noch immer rein männlich besetzten Rangliste der 30-Dax-Vorstandsvorsitzenden würde sie sich mit ihrem Gehalt im Mittelfeld auf Platz 18 einreihen – noch vor Allianz-Chef Oliver Bäte (5,0 Millionen), Infineon-Chef Reinhard Ploss (4,3 Millionen) und RWE-Chef Rolf Schmitz (2,8 Millionen).

          Auf Platz zwei der weiblichen Spitzenverdiener folgt nochmals eine Spanierin: Milagros Carreiro-Andree führt im Vorstand von BMW das Personalressort. Da BMW als einziges Unternehmen im Dax nur die Festvergütung, nicht aber die variablen Vergütungsbestandteile seines Vorstands einzeln ausweist, haben die Personalberater ihre Gesamtvergütung geschätzt.

          Im vergangenen Jahr hat die langjährige BMW-Managerin demnach rund 4,9 Millionen Euro verdient. In die Spitzengruppe hat es zudem Kathrin Menges mit rund 4,3 Millionen Euro Jahresverdienst geschafft. Sie führt im Vorstand des Waschmittelherstellers Henkel das Personalressort und gehört zu den dienstältesten Spitzenmanagerinnen im Dax; seit dem Jahr 2011 sitzt sie im Vorstand.

          9 von 30 Dax-Unternehmen haben noch keine Frau im Vorstand

          Während die Frauen beim Gehalt aufgeholt haben, stagniert ihr Fortkommen in diesem Jahr allerdings an anderer Stelle. Noch immer haben 9 der 30 Dax-Unternehmen keine Frauen in ihrem Vorstandsgremium – darunter Bayer, Linde und RWE. Derzeit sind 26 von insgesamt 192 Dax-Vorständen weiblich, das sind rund 14 Prozent, also etwa jeder siebte.

          In den fünf Jahren zuvor war der Frauenanteil von Jahr zu Jahr signifikant gestiegen, doch in diesem Jahr zeichnet sich keine weitere Verbesserung ab. „Das ist aber keine Trendwende“, sagt der Personalberater und Studienautor Michael Proft, in den kommenden Jahren werde der Frauenanteil in den Vorstandsgremien sicher weiter steigen. Das sei Teil einer Normalisierung, die ihre Zeit brauche: „In 10 Jahren werden wir uns nicht mehr darüber unterhalten.“

          Eine Frau auf einem obersten Chefposten im Dax sei „der notwendige nächste Schritt“, sagt Proft. Immerhin steigen die Frauen in der internen Ressorthierarchie innerhalb der Vorstandsgremien allmählich auf. 6o Prozent der Managerinnen haben inzwischen operative Verantwortung innerhalb des Gremiums, führen also entweder einzelne Geschäftsfelder oder bestimmte Regionen. In vier Dax-Konzernen (Beiersdorf, Deutsche Post, Fresenius und Vonovia) wird das einflussreiche Finanzressort von Frauen geführt.

          Frauen vor allem in Personal und Recht

          Die als weniger mächtig angesehenen Zentralbereiche wie das Personalressort sowie das Ressort für Integrität und Recht werden derzeit von 10 Frauen verantwortet. Auch auf diesen Posten haben einige Frauen aber durchaus sehr hohe Einkommen erzielt.

          Für Schlagzeilen sorgte etwa die frühere Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die bei Volkswagen für rund ein Jahr das Ressort Integrität und Recht geleitet hat und zum Abschied rund 15 Millionen Euro erhielt. Auch ihre Nachfolgerin auf dem Posten schafft es in der Rangliste der Spitzenverdienerinnen im Dax weit nach oben: Mit einem Jahresgehalt von rund 4 Millionen Euro belegt Hiltrud Werner Platz 4.

          Milagros Carreiro-Andree belegt Platz zwei der weiblichen Spitzenverdiener.

          Vergleicht man die Lebensläufe im deutschen Spitzenmanagement, so zeigt sich, dass Männer häufiger als Frauen sogenannte „Eigengewächse“ sind, die mehr als die Hälfte ihrer Karriere im eigenen Unternehmen verbracht haben. Während die Eigengewächs-Quote bei den Männer bei rund 58 Prozent liegt, kommen die Frauen nur auf 36 Prozent.

          Im Regelfall bringen sie also mehr Berufserfahrung von anderswo mit. „Um zügig Frauen in ihre Ressorts berufen zu können, müssen sich die Unternehmen öfter von außen bedienen“, sagt Personalberater Proft. Seine Prognose: Auch hier werden sich die Lebensläufe in den kommenden Jahren angleichen. Es gehe in die richtige Richtung, aber die Normalisierung brauche Zeit.

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