Home
http://www.faz.net/-gqe-774v8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Wegen Verkauf des Vielflieger-Programms Air Berlin macht einen Sondergewinn

Zum ersten Mal seit fünf Jahren kann die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin wieder einen Gewinn ausweisen - allerdings nur wegen eines Sondereffekts: dem Verkauf seines Vielfliegerprogramms.

© dpa

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat 2012 erstmals seit fünf Jahren wieder Gewinn gemacht - allerdings nur dank des Verkaufs ihres Vielfliegerprogramms an den Großaktionär Etihad. Trotz eines verschärften Wettbewerbs und eines weiter erheblich belastenden Umfelds habe ein Nettogewinn von 6,8 Millionen Euro gestanden, erklärte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer. Für das Vielfliegerprogramm „topbonus“ hatte Etihad 184,4 Millionen Euro bezahlt.

Air Berlins Umsatz stieg leicht auf 4,31 Milliarden Euro. Prock-Schauer, der das Amt des Firmenchefs erst im Januar von Hartmut Mehdorn übernommen hatte, zeigte sich zuversichtlich, den Umsatz im laufenden Jahr weiter zu steigern.

Verlust für 2011 war höher als gedacht

Auf Druck der „Bilanzpolizei“ DPR korrigierte Air Berlin zugleich nachträglich das Ergebnis für das Jahr 2011 drastisch nach unten. Der Verlust fällt mit 420,4 Millionen Euro um 149 Millionen Euro höher aus als ursprünglich ausgewiesen. Die DPR verlangte eine Korrektur des Wertansatzes von Steuervorteilen. Ein solcher Steuerbonus fällt etwa dank Verlustvorträgen an. Damit kann ein Unternehmen die Steuerlast in den Folgejahren senken - er fällt aber nur ins Gewicht, wenn auch tatsächlich Gewinne geschrieben werden.

„Diese Wertberichtigung ist nicht liquiditätswirksam, erfolgt unabhängig von der Einschätzung des Managements zur erwarteten Geschäftsentwicklung und trägt den strengen Anforderungen der International Financial Reporting Standards (IFRS) zur Aktivierung latenter Steuern Rechnung“, erklärte Air Belin.

„Noch nicht am Ziel“

„Wir sind noch nicht am Ziel und sind uns bewusst, dass zum Ergebnis 2012 auch Einmaleffekte beigetragen haben“, erklärte Prock-Schauer. Er sei zuversichtlich, mit dem jüngst begonnenen Sparprogramm „Turbine“ das Unternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen und nachhaltig profitabel zu arbeiten. Air Berlin hatte Anfang Februar sein erst zwei Wochen zuvor angekündigtes Sparprogramm nochmals verschärft. Bis Ende 2014 sind nun Kostensenkungen von 450 Millionen Euro angepeilt. Rund 900 der insgesamt 9300 Arbeitsplätze fallen weg.

Die Zahl der Fluggäste bei Air Berlin sank 2012 um 5,5 Prozent auf 33,3 Millionen. Aufgrund der Reduzierung der Flotte um 15 Maschinen auf 155 Flugzeuge stieg aber die Auslastung um 1,6 Punkte auf 79,8 Prozent. Der Ertrag pro Passagier kletterte um knapp acht Prozent auf rund 120 Euro. 2012 hat Etihad den Angaben zufolge 219.000 Fluggäste in das Netz von Air Berlin eingebracht und damit etwa 50 Millionen Euro Umsatz ermöglicht.

Mehr zum Thema

Air Berlin hatte Ende 2011 die kapitalkräftige Etihad an Bord geholt. Das Unternehmen aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi war mit knapp 30 Prozent bei Air Berlin eingestiegen und half seitdem mit mehr oder weniger direkten Finanzspritzen aus.

Unter Gründer und Mehdorn-Vorgänger Joachim Hunold hatte Air Berlin Rivalen wie DBA, LTU und Niki geschluckt und kräftig expandiert. Ziel war, der Lufthansa die Vorherrschaft am Himmel streitig zu machen. Die Strategie scheiterte und brachte Air Berlin finanziell in Turbulenzen. Einen Jahresgewinn erzielte die Airline, die mit Flügen nach Mallorca groß geworden ist, zuletzt 2007. Auch die immer wieder hinausgeschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER macht Air Berlin zu schaffen. Die Fluggesellschaft will BER zu ihrem Heimatflughafen machen und die Strecken ausweiten.

Quelle: FAZ.net / Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
iPhone-Verkäufe Apple schürt Zweifel

Das rasante Wachstum des Elektronikkonzerns reicht der Wall Street nicht. Die Entwicklung der Apple Watch bleibt ein Rätsel. Und mit seinem Vorzeigeprodukt iPhone steht der Konzern vor einer großen Herausforderung. Mehr Von Roland Lindner, New York

22.07.2015, 03:50 Uhr | Wirtschaft
Berliner Flughafen Mehdorn kündigt Rücktritt an

Der Chef der Berliner Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, wird sein Amt spätestens zum 30. Juni 2015 niederlegen. Er selbst sagte, er bedaure seinen Rücktritt sehr. Mehr

05.04.2015, 12:12 Uhr | Wirtschaft
Vidal auf Platz fünf Die teuersten Bundesliga-Transfers

35 Millionen Euro lässt sich der FC Bayern den Wechsel von Arturo Vidal von Juventus kosten. Vier Spieler waren noch teurer als der Chilene. Ganz vorne im Ranking der teuersten Bundesliga-Transfers liegt ein Brasilianer. Mehr

28.07.2015, 14:53 Uhr | Sport
Rundgang Linssen Grand Sturdy

Ein Video-Rundgang auf der Linssen Grand Sturdy, dem nagelneues 1,5-Millionen-Euro-Flaggschiff des Unternehmens. Alles sehr gediegen, sehr praktisch, traditionell durch und durch. Niederländischer geht es nicht. Mehr

10.02.2015, 17:00 Uhr | Technik-Motor
Konzernumbau Bahnchef Grube sucht das Glück

Rüdiger Grube baut mal wieder um. Der Vorstand soll verkleinert werden - neue Köpfe und eine neue Strategie sollen es richten. Warum bekommt der Konzern so wenig auf die Reihe? Mehr Von Georg Meck

27.07.2015, 10:44 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 22.02.2013, 06:25 Uhr

Größe allein reicht nicht

Von Carsten Germis

Containerschiffe werden seit Jahren immer größer. In Hamburg wurde heute das größte der Welt getauft. Aber nicht nur die Größe, auch die Antriebstechnik der Schiffe wird sich ändern müssen. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden