Home
http://www.faz.net/-gqi-7ftor
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Wegen Mainz Bahnchef Grube räumt auf

Das Zug-Chaos in Mainz hat personelle Konsequenzen, ein Bahn-Vorstand fliegt. Ungeklärt bleibt aber die wichtige Frage: Wieso holt die Bahn nicht einfach Fahrdienstleiter aus dem Urlaub zurück?

© dpa Vergrößern Rüdiger Grube

Das Chaos um den Mainzer Hauptbahnhof ist nicht zu Ende. Seit Tagen fallen in der Stadt Züge aus oder werden umgeleitet, weil das Stellwerk der Bahn durch Urlaube und Krankmeldungen zu schlecht besetzt ist. Von diesem Montag an soll das noch mehr Züge auch tagsüber betreffen. Bahnchef Rüdiger Grube zieht jetzt personelle Konsequenzen: Hansjörg Hess, Vorstandsmitglied der für die Stellwerke zuständigen Bahnsparte DB Netz AG, wird von seinen Aufgaben entbunden. Die Ablösung war angeblich schon länger geplant, ist jetzt aber beschleunigt worden.

Christian Siedenbiedel Folgen:    

Nach wie vor bleibt aber eine Frage ungeklärt: Warum holt die Bahn nicht einfach Fahrdienstleiter aus dem Urlaub zurück? Von den 15 Fahrdienstleitern im Mainzer Stellwerk sind vier krank und drei im Urlaub. Das verbleibende Personal reicht nicht, um alle Schichten zu besetzen. Weil die Arbeit als sicherheitsrelevant gilt, gibt es strenge Dienstvorschriften. Deshalb ist es offenbar nicht möglich, einfach Personal von anderen Stellwerken zu holen und ohne längere Einarbeitung einzusetzen.

Aber was ist mit den Urlaubern? Immerhin könnte man ihnen einen Ausgleich anbieten, wenn sie zurückkommen oder notfalls eine schöne Reise nach Italien im nächsten Jahr spendieren. Das wäre doch immer noch besser als wenn jetzt halb Mainz von der anderen Rheinseite, wo die Züge ersatzweise halten, laufen, Taxi fahren oder den Bus nehmen muss.

Zu wenige Mitarbeiter?

Im Aufsichtsrat der Bahn wird in diesem Zusammenhang darüber spekuliert, ob es sich womöglich um einen „verdeckten Streik“ handelt: Melden sich deshalb so viele Leute krank und holen deren Chefs womöglich auch deshalb keinen aus dem Urlaub zurück, weil alle gegenüber dem Bahnvorstand in Berlin mehr Stellen durchsetzen wollen? Immerhin hatten die Lokführer mit ihren Streiks eindrucksvoll demonstriert, wie viel Macht eine kleine, gut organisierte Gruppe haben kann, wenn von ihrer Arbeit viel abhängt. In der Gewerkschaft hält man zumindest für möglich, dass die Urlauber nicht bereit seien, zurückzukommen, weil sie schon zu viele Überstunden machen und ihre Urlaube zu oft verschieben mussten.

Seit längerem gibt es Klagen, dass die Arbeitsbedingungen in den Stellwerken schlecht seien. Noch unter Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten die Stellwerke als ein Bereich gegolten, in dem die Bahn Personal einsparen kann, weil sie alte, personalintensive Stellwerke durch eine deutlich kleinere Zahl von elektronischen Stellwerken ersetzt.

Diese Umstellung dauert aber offenbar länger als gedacht, auch in Mainz ist sie noch nicht vollzogen. Außerdem brauchen auch die elektronischen Stellwerke wohl doch mehr Leute als geglaubt. Möglicherweise hat die Bahn tatsächlich versäumt, für ausreichend Nachwuchs zu sorgen. Die Gewerkschaft zumindest meint, bundesweit fehlten etwa 1000 Mitarbeiter. Michael Odenwald, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hat die Bahn unterdessen noch einmal nachdrücklich in einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, zu Gespräche mit den Mainzer Urlaubern aufgefordert.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bahnstreik Was mache ich, wenn mein Zug ausfällt?

Unsichere Tage für Reisende. Auch bei der Bahn starten Beschäftigte jetzt Warnstreiks. Fahrgäste müssen sich auf Zugausfälle einrichten. Welche Rechte können Bahnkunden geltend machen? Ein Überblick. Mehr

01.09.2014, 11:50 Uhr | Finanzen
2:2 gegen Mainz Paderborner Schock in letzter Sekunde

Turbulente Bundesliga-Premiere für Paderborn: Der Aufsteiger erzielt spät das 2:1 gegen Mainz und sieht wie der Sieger aus. Doch in letzter Minute verursacht Torschütze Hünemeier einen Elfmeter. Mehr

24.08.2014, 17:27 Uhr | Sport
Tarifstreit bei der Bahn Lokführer streiken heute Abend

Die Lokführer-Gewerkschaft ruft zum Streik. „Die Bahn lässt uns keine Wahl“, sagt sie. Fahrgäste sollen aber zunächst möglichst wenig getroffen werden. Die Bahn ist empört. Mehr

01.09.2014, 05:07 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2013, 20:34 Uhr

Uber versus Taxi

Von Britta Beeger

Ein Gericht untersagt Uber die Vermittlung privater Fahrten in ganz Deutschland. Aber die Firma lacht darüber. So dreist war noch keiner. Mehr 17 17

Umfrage

Nerven Sie geschäftliche Mails im Feierabend?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Viel Geld für Werbung im Internet

Unternehmen investieren stark in Onlinewerbung – so auch Germanwings. Nur der Autobauer Volkswagen und die Auktionsplattform Ebay geben hierzulande mehr dafür aus. Mehr