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Wegen Mainz Bahnchef Grube räumt auf

 ·  Das Zug-Chaos in Mainz hat personelle Konsequenzen, ein Bahn-Vorstand fliegt. Ungeklärt bleibt aber die wichtige Frage: Wieso holt die Bahn nicht einfach Fahrdienstleiter aus dem Urlaub zurück?

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Das Chaos um den Mainzer Hauptbahnhof ist nicht zu Ende. Seit Tagen fallen in der Stadt Züge aus oder werden umgeleitet, weil das Stellwerk der Bahn durch Urlaube und Krankmeldungen zu schlecht besetzt ist. Von diesem Montag an soll das noch mehr Züge auch tagsüber betreffen. Bahnchef Rüdiger Grube zieht jetzt personelle Konsequenzen: Hansjörg Hess, Vorstandsmitglied der für die Stellwerke zuständigen Bahnsparte DB Netz AG, wird von seinen Aufgaben entbunden. Die Ablösung war angeblich schon länger geplant, ist jetzt aber beschleunigt worden.

Nach wie vor bleibt aber eine Frage ungeklärt: Warum holt die Bahn nicht einfach Fahrdienstleiter aus dem Urlaub zurück? Von den 15 Fahrdienstleitern im Mainzer Stellwerk sind vier krank und drei im Urlaub. Das verbleibende Personal reicht nicht, um alle Schichten zu besetzen. Weil die Arbeit als sicherheitsrelevant gilt, gibt es strenge Dienstvorschriften. Deshalb ist es offenbar nicht möglich, einfach Personal von anderen Stellwerken zu holen und ohne längere Einarbeitung einzusetzen.

Aber was ist mit den Urlaubern? Immerhin könnte man ihnen einen Ausgleich anbieten, wenn sie zurückkommen oder notfalls eine schöne Reise nach Italien im nächsten Jahr spendieren. Das wäre doch immer noch besser als wenn jetzt halb Mainz von der anderen Rheinseite, wo die Züge ersatzweise halten, laufen, Taxi fahren oder den Bus nehmen muss.

Zu wenige Mitarbeiter?

Im Aufsichtsrat der Bahn wird in diesem Zusammenhang darüber spekuliert, ob es sich womöglich um einen „verdeckten Streik“ handelt: Melden sich deshalb so viele Leute krank und holen deren Chefs womöglich auch deshalb keinen aus dem Urlaub zurück, weil alle gegenüber dem Bahnvorstand in Berlin mehr Stellen durchsetzen wollen? Immerhin hatten die Lokführer mit ihren Streiks eindrucksvoll demonstriert, wie viel Macht eine kleine, gut organisierte Gruppe haben kann, wenn von ihrer Arbeit viel abhängt. In der Gewerkschaft hält man zumindest für möglich, dass die Urlauber nicht bereit seien, zurückzukommen, weil sie schon zu viele Überstunden machen und ihre Urlaube zu oft verschieben mussten.

Seit längerem gibt es Klagen, dass die Arbeitsbedingungen in den Stellwerken schlecht seien. Noch unter Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten die Stellwerke als ein Bereich gegolten, in dem die Bahn Personal einsparen kann, weil sie alte, personalintensive Stellwerke durch eine deutlich kleinere Zahl von elektronischen Stellwerken ersetzt.

Diese Umstellung dauert aber offenbar länger als gedacht, auch in Mainz ist sie noch nicht vollzogen. Außerdem brauchen auch die elektronischen Stellwerke wohl doch mehr Leute als geglaubt. Möglicherweise hat die Bahn tatsächlich versäumt, für ausreichend Nachwuchs zu sorgen. Die Gewerkschaft zumindest meint, bundesweit fehlten etwa 1000 Mitarbeiter. Michael Odenwald, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hat die Bahn unterdessen noch einmal nachdrücklich in einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, zu Gespräche mit den Mainzer Urlaubern aufgefordert.

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